Magische Momente der Begegnung

Gesichter aus Tansania präsentiert der Fotograf Hubert Metzger in der Ludwigsluster Ausstellung. Reinhard Münch
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Gesichter aus Tansania präsentiert der Fotograf Hubert Metzger in der Ludwigsluster Ausstellung. Reinhard Münch

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13. August 2010, 09:26 Uhr

Die Fotos kamen aus Schweden, in speziell gefertigten riesigen Kisten. Entstanden sind sie in Afrika. Für den Fotografen Hubert Metzger, der heute sein Leben teilt zwischen Smaland und Tansania, nichts Ungewöhnliches.

Und so zeigt die Fotoschau in der Alten Post in Ludwigslust Porträts aus Tansania von einem gebürtigen Mecklenburger, der von Afrika fasziniert ist: "Die Menschen dort sind sehr schön, sehr freundlich." Dem Besucher präsentieren sich 24 großformatige Aufnahmen, die mit ihrer digitalen Präzision überraschen und mit ihrer Farbenpracht erfreuen.

Junge stolze Frauen, fröhliche Kinder, vom Leben gezeichnete alte Männer und kraftvolle Burschen hielt Hubert Metzger in Aufnahmen fest, die mit ihrer Intimität von Nähe und Vertrauen zum Fotografen künden. Metzger, der große weiße Mann, ist in Njombe, dem Ort, in dem seine Frau als Finanzmanagerin einer Diozöse arbeitet, zum Freund vieler Einwohner geworden. Der 66-Jährige ist mit seiner Kamera unterwegs in den Dörfern, im Busch, in den Bergen, um seine Porträtmotive zu finden. Magische Momente der Begegnung hat er dokumentiert. "Da muss etwas sein, ein Typ, Schönheit, gelebtes Leben. Die Gewalt des Augenblicks trifft mich, ich halte sie fest." Gesichter Afrikas, die man so selten sieht, mit denen der Fotograf sich auch von den inflationär produzierten Savannen- und Löwenbildern distanziert.

Dass die beeindruckenden Fotografien in Ludwigslust zu sehen sind, ist dem hiesigen Kunst- und Kulturverein zu danken. Astrid Kloock, im Verein für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, hat den Kontakt zum Künstler, den sie schon lange kennt, hergestellt. Metzger, der für die Defa gearbeitet hat und sich 1980 selbständig machte, hat dann im Sternberger Raum für Werbung und Zeitungen Aufnahmen gemacht, 15 Bildbände veröffentlicht. 2007 wanderte er mit seiner Frau nach Schweden aus, dann wurde sie in Tansania eingesetzt und seither pendelt er zwischen Smaland und Njombe.

Die Ausstellung findet regen Anklang in der Kreisstadt, lobende Worte liest man da im Gästebuch, sogar drei Japaner haben sich eingetragen. Der noch junge Verein, der im Februar 2009 gegründet wurde, hat 40 Mitglieder, die ehrgeizige Ziele verfolgen. Drei Ausstellungen will der Verein jährlich organisieren - eine mit einem regionalen Künstler, eine internationale und eine, die einem Künstler der Stadt gewidmet ist. Und jede Ausstellung soll mit einem Programm untersetzt werden.

So gab es zur Fotoschau schon ein Konzert mit Barbara Thalheim auf dem Hof der Alten Post, bei dem die Sängerin auch afrikanische Lieder darbot, die nach einer Guinea-Reise entstanden sind. Zur Finissage wird am 29. August ein Kinoabend geboten, bei dem der Film "Rosinenberg" gezeigt wird. Regisseur Trevor Peters wird anwesend sein, um seinen 1995 gedrehten Film vorzustellen. Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen drei Männer aus Sternberg, ein Maler, ein Tischler und der Fotograf Hubert Metzger.

Astrid Kloock betont, dass der Verein sich besonders der zeitgenössischen Kunst und Kultur verschrieben hat. Für die Pflege des barocken Erbes engagiert sich ja schon ein anderer Verein. Angeboten werden Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Für die Lesungen kann der Verein seine eigenen Räumlichkeiten nutzen, aber man will in Zukunft auch mit Überraschungen aufwarten. Ein gewagtes Experiment war eine Lesung im Schlosspark unter dem Motto "Krimi im Mausoleum", das Helenen-Paulownen-Mausoleum bot die entsprechende Kulisse.

Insbesondere sollen die Künstler, die in der jüngsten Vergangenheit in Ludwigslust gelebt und gearbeitet haben, gewürdigt werden. So wird am 7. Oktober eine Ausstellung mit Werken von Herbert Bartholomäus eröffnet. Der Maler und Zeichner, am 7. Oktober 1910 in Berlin geboren, wurde besonders durch seine zahlreichen Buchillustrationen für Kinder- und Märchenbücher bekannt. Auch zu Willi Bredels Roman "Die Vitalienbrüder" lieferte er die Illustrationen. Bartholomäus, der am 11. März 1973 in Ludwigslust starb, hinterließ neben seinen künstlerischen Werken auch literarische Arbeiten. Viele seiner Texte wurden von der Zeitschrift "Land und Leute" veröffentlicht.

Service:

Geöffnet ist die Ausstellung in der Alten Post von Ludwigslust bis Ende August Donnerstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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