Magere Erfolgsbilanz

Landwirte der Prignitz fuhren im Juni auch zur großen Milchdemo nach Berlin. Foto: Manfred Drössler
Landwirte der Prignitz fuhren im Juni auch zur großen Milchdemo nach Berlin. Foto: Manfred Drössler

Vor gut einem Monat beendeten auch Prignitzer Landwirte den Milchlieferstreik, an dem sich bundesweit zahllose Bauern beteiligt hatten. Scheinbare Ruhe kehrte danach ein. Alle zufrieden oder waren die Aktionen umsonst?

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17. Juli 2008, 07:56 Uhr

Prignitz - „Nein – der Milchlieferstreik war ein Erfolg, auch wenn das einige anders sehen. Der größte Erfolg ist, dass die Bevölkerung im wesentlichen hinter uns steht, unsere Forderungen damit einen ganz anderen Stellenwert bekommen und Aldi & Co. sich bewegen mussten“, meinen Helge Dieckmann, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Brunow, und Barbara Willer, Chefin des Agrarbetriebs Dambeck. Bei ihnen liefen die Hauptfäden der Streikaktion in der Prignitz zusammen.

Dieckmann, Mitglied im BDM Bundesverband Deutscher Milcherzeuger, übte heftige Kritik an den Molkereien. „Sie sind zum Tagesgeschäft übergegangen und weit entfernt davon, unseren Forderungen nachzukommen. Das sind neben 43 Cent je Liter Milch auch eine Mengenregulierung, damit Milch vom Markt kommt.

Lieferquote verändern
Für Lothar Pawlowski, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt, ist es ein haltloser Zustand, wenn die Molkerei jeden Liter Milch abnehmen muss. „Die Lieferverträge sind mit dem Passus ’im Rahmen der Lieferquote’ zu ergänzen, um Überlieferungen und damit ein Zuviel Milch am Markt zu vermeiden.“

„Mit derzeit 32 oder 34 Cent je Liter können Milcherzeuger keine nachhaltige Produktion gewährleisten“, meinen Dieckmann und Willer weiter. Nächste regionale Aktion sei die Erstellung eines Forderungskatalogs, der mit einer Unterschriftensammlung ergänzt an die Hansa-Molkerei Upahl übergeben werden soll.

Diese zählt 1350 Mitglieder, davon 850 aktive Milchlieferanten in Schleswig-Holstein, Mecklenburg und der Prignitz. Wenn die Molkerei nicht reagiere, erwäge man eine Kündigung der Lieferverträge. „Wenn da 300 oder 400 Tonnen fehlen, wird sich die Molkerei das schon überlegen“, so Dieckmann.

„Der Milchpreis ist nach wie vor niedrig, die Stimmung schlecht“, wertet auch Uwe Kessler, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Pirow, die Situation. „Wir müssen das Eisen wieder warm machen und Druck ausüben auf die Molkerei.“ Was ihm Sorgen bereite, so Kessler, sei, dass BDM und Bauernverband nicht mehr geschlossen genug agieren.

Mit einer Stimme sprechen
„Es muss weiter mit einer Stimme gesprochen und entsprechend gehandelt werden“, meint Andreas Wilde, Landwirt aus Kleinow und stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz. Der KBV-Vorstand werde sich zum weiteren Vorgehen abstimmen.
„Für die Handelsmarke Trinkmilch erhalten wir vom Einzelhandel mehr Geld, gestiegen ist zum 1. Juli auch der Butterpreis. Herausforderung ist es für uns, in anderen Bereichen ebenfalls höhere Erlöse zu erzielen“, machte Roland Frölich, Geschäftsführer der Hansano GmbH Upahl, gegenüber dem „Prignitzer“ deutlich. Im April zahlte die Molkerei einen Basispreis von 30 Cent/Liter, im Mai 32 und für den Juni werden es 34 Cent sein.

Mit Blick auf den Herbst und die dann einsetzende Verknappung von Milch rechnet Frölich mit einem weiteren Preisanstieg und damit mit einem Durchschnitts-Milchpreis für 2008 von 36 Cent (2007 waren es 34,4 Cent).

Auf regionaler Ebene sind die Probleme nicht zu lösen. Wie der „Prignitzer“ auf Nachfrage aus der BDM-Pressestelle erfuhr, habe Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer Vertreter vom Handel, Industrie, Molkereien und Milchbauern für den 29. Juli zu einem Milchgipfel eingeladen.
„So richtig hat der Streik nichts gebracht. Eine kleine Preiskorrektur von zwei bis drei Cent. Die spiegelt aber lange nicht die Preiserhöhungen des Handels wider“, kritisiert Karsten Krüger aus Bendelin. Er hat sich zehn Tage am Milchstreik beteiligt und stellt ernüchtert fest: „Der Milchstreik brachte lediglich eine Marktbereinigung von etwa 1,5 Prozent der Milchmenge, aber keinen merklichen Preisanstieg beim Bauern.“

Preise fielen nicht weiter
Ganz umsonst war der Streik jedoch nicht, denn er habe gezeigt, dass Bauern der Milchwirtschaft nicht hilflos ausgeliefert sind. Künftige Aktionen müssten noch besser vorbereitet und koordiniert werden, fordert Karsten Krüger und lässt keine Zweifel aufkommen, dass solche Aktionen kommen werden.
In Schönhagen bei Gumtow hält Rainer Leppin 110 Milchkühe. Auch er hat sich am Streik beteiligt. „Ich finde es eine Sauerei, dass die Preise in den Discountern für unsere Produkte gestiegen sind, bei uns aber nichts ankommt. Gerade mal um einen Cent ist der Preis geklettert“, schimpft Rainer Leppin.
Immerhin sei der Milchpreis nicht noch weiter gesunken. „Wir müssen den Rohstoff Milch verknappen, so wie beim Öl, wo der Preis steigt und steigt. Wenn es heißt wir streiken wieder oder starten andere Aktionen bin ich dabei.“

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