Mecklenburg-Vorpommern : Mädchenkick mit WM im Blick

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Durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat das Ballspiel viele Freunde gewonnen. Auch in MV verzeichneten Vereine viele Anmeldungen. Auf einen ähnlichen Effekt erhofft man sich durch die Weltmeisterschaft im Frauenfußball.

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03. Mai 2011, 10:34 Uhr

Im "Sommermärchen" der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat das alte Ballspiel viele neue Freunde gewonnen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten Vereine danach überdurchschnittlich viele Anmeldungen. Auf einen ähnlichen Effekt hofft man nun auch durch die Weltmeisterschaft im Frauenfußball, die am 26. Juni beginnt. Titelverteidiger Deutschland trifft zum Auftakt in Berlin auf Kanada. Doch Erfolge der Nationalmannschaft allein reichen nicht, um den Mädchenfußball weiter voranzubringen. Ehrenamtliches Engagement und die Bereitschaft der Schulen zur Kooperation wird fast noch höher bewertet, wie eine Umfrage zeigte.

"Der Frauenfußball hat schon eine gewaltige Entwicklung genommen. Als ich vor gut 30 Jahren mein Herz für diesen Sport entdeckt habe, gab es kaum regulären Wettspielbetrieb", erinnerte sich Marita Scharf. Sie war Spielerin, dann Trainerin und vor zwei Jahren wurde sie als erste Frau in den Landesvorstand des Fußballverbands gewählt, wo sie den Frauenausschuss leitet. Der Verband zählt 52 000 Mitglieder, mit knapp 1400 Frauen und 2500 Mädchen sind weibliche Spieler aber deutlich in der Minderheit. "Bayern hat siebenmal mehr Einwohner als Mecklenburg-Vorpommern. Aber dort spielen etwa 25-mal mehr Mädchen Fußball als bei uns", sagt Marita Scharf . Dabei sei die Zahl Fußball spielender Mädchen von 2010 bis 2011 in MV um 700 gewachsen.

Das macht Landestrainer Tilo Berner Mut. Denn er wünscht sich ein deutlich größeres Reservoire an Spielerinnen, unter denen er die talentiertesten für die Landesauswahl der jeweiligen Altersklassen finden kann. "Wir sind ein Flächenland mit vielen kleinen Ortschaften. Da ist es meist schwierig, genügend Mädchen für eine Mannschaft zusammenzubekommen, die auch regelmäßig am Spielbetrieb teilnehmen kann", sagte er. In Orten wie Stavenhagen etwa, in denen engagierte Lehrer und Eltern den Kontakt zum Verein gesucht hätten, profitiere der Mädchenfußball erheblich von der Kooperation mit der Schule. "Lehrer, die über das geforderte Maß im Unterricht hinaus noch was für den Sport machen, werden leider aber immer weniger", beklagte Berner.

"Kinder kann nur der für den Sport begeistern, der selbst dafür brennt", sagte Marita Scharf. Oft aber fehle einfach die Zeit, sich neben der Arbeit als Trainer zu engagieren. "Es hängt, wie so oft, einfach von den Leuten ab", sagte Scharf. Häufig seien es Väter fußballbegeisterter Mädchen, die das Training übernehmen, Enthusiasten wie Marcus Wolff, der den Mädchenfußball in Stralsund angekurbelt hat. Der 38-Jährige hatte vorher in der Hansestadt Jungs trainiert und war dann von Verbandsfunktionären überredet worden, die Mädchen zu übernehmen. Unterschiede? "Mädchen sind disziplinierter, aufnahmebereiter und lernen schneller", sagt er. "Sie wollen lieber unter sich spielen. Wenn das aber erstmal läuft, dann spielen sie auf dem Schulhof auch gegen Jungs", schildert Wolff.

Nach Ansicht von Sportminister Lorenz Caffier (CDU) müssen sich Mädchen und Frauen längst nicht mehr hinter den männlichen Kickern verstecken: "Mitunter spielen sie den schöneren Fußball. Und ich bin fest überzeugt, dass die WM den Stellenwert des Frauenfußballs bei uns noch heben wird."

In den kommenden Wochen werde es in sechs Regionen des Landes spezielle Tage des Mädchenfußballs geben, kündigt Marita Scharf an. Höhepunkt sei am Eröffnungstag der Fußball-WM, dem 26. Juni, der "MV-Mädchenkick mit WM im Blick". Wie Scharf zählt auch Landestrainer Berner auf die Wirkung schöner Spiele: "Ich hoffe, dass die WM 2011 neuen Schwung bringt", sagte er.

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