Lübzer Brauer schauen beim Streik zu

Normale Betriebsamkeit herrschte gestern auf dem Gelände der Mecklenburgischen Brauerei Lübz. Während Brauer in Hamburg und Flensburg für mehr Lohn die Arbeit niederlegten, hielten sich die Lübzer zurück.Frank Pubantz
Normale Betriebsamkeit herrschte gestern auf dem Gelände der Mecklenburgischen Brauerei Lübz. Während Brauer in Hamburg und Flensburg für mehr Lohn die Arbeit niederlegten, hielten sich die Lübzer zurück.Frank Pubantz

von
27. April 2010, 01:39 Uhr

Lübz | Stell dir vor, es ist Streik, und keiner geht hin: Während Bierbrauer in Norddeutschland gestern für mehr Lohn in einem Warnstreik die Arbeit niederlegten, lief die Produktion in Lübz ungestört weiter. "Wir sind in Mecklenburg", sagt Thomas Streich, Betriebsratsvorsitzender der Mecklenburgischen Brauerei Lübz, etwas enttäuscht. "Da ticken die Uhren anders."

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten (NGG) hatte zum Warnstreik aufgerufen, dem Brauer in Flensburg und Hamburg folgten. Auch Lübzer sollten im Boot sein. "Es nehmen Kollegen in Hamburg teil", sagte Gewerkschafter Gunther Kenk gestern am Vormittag noch zuversichtlich. Kurz darauf kam dann die Absage: keine Unterstützung der Brauer aus der Eldestadt. "Ich wäre gefahren", erklärt Streich. Leider habe keiner der Kollegen frei gehabt; die Produktion in der Brauerei musste weiterlaufen. Thomas Streich macht kein Hehl aus seinen Gedanken. Am Donnerstag nehme er wieder an einer Sitzung der Tarifkommission teil. Da Lübzer nicht von ihrem Recht der Arbeitsniederlegung Gebrauch machten, habe er "gemischte Gefühle".

Zum Warnstreik sollte es kommen, da sich Unternehmer und Gewerkschaft bisher nicht auf die Höhe eine Lohnerhöhung einigen konnten. Nach Angaben von Gunther Kenk (NGG) bieten die Brauereien derzeit 1,4 Prozent bzw. 40 Euro mehr Lohn für jeden im Monat. Die Gewerkschaft fordere fünf Prozent mehr Geld für die Brauer. In Lübz betreffe dies etwa 150 der 180 Beschäftigten. Damit ist die Brauerei nach eigenen Angaben der größte Arbeitgeber in der Stadt.

Streik hat es gestern durchaus gegeben. Zwar nicht in Lübz, wie Udo Dewies, Sprecher des Konzerns Carlsberg, zu dem die Lübzer gehören, bestätigt. Wohl aber in Hamburg. "Bei uns hat eine Handvoll Leute vor der Tür gestanden", so Dewies. Die Produktion sei an betroffenen Carlsberg-Standorten "mit Notbesetzungen" abgesichert worden. Biermangel gebe es heute nicht in Deutschland - keine Produktionsausfälle.

Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten beteiligten sich am Streik in Hamburg 150, in Flensburg 70 Mitarbeiter. Grund seien die festgefahrenen Verhandlungen zum Tarif - seit vier Monaten ergebnislos. NGG-Streikleiter Lutz Tillack bezeichnete das Angebot der Brauereien als unakzeptabel. Dass die Lübzer Brauer nicht streikten, sei gestern auch in Hamburg Gesprächsthema gewesen, so Tillack. Seine Botschaft: Wer 1989 auf die Straße ging, sollte dies auch heute für den Tariflohn tun. Die Lübzer Kollegen seien nun eine Art Reserve: "Wir haben noch ein paar Pfeile im Köcher", sagt Tillack. Sollte die nächste Tarifrunde am Donnerstag scheitern, "dann sind auch die Lübzer gefragt". Der Streik in Hamburg und Flensburg sei "ein guter Auftakt" gewesen: "Wir sind lange noch nicht am Ende", erklärt der Streikführer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen