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Konferenz gegen Rechtsextremismus : Lübtheen ist nicht allein gegen Rechts

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Aktivisten des Widerstandes gegen Rechtsextremismus berieten sich am Wochenende auf der Regionalkonferenz in Lübtheen über das weitere Vorgehen. Die gute Nachricht: die Stadt kämpft nicht allein mit dem Thema.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 10:48 Uhr

Ein wenig Vorsicht ließen sie dann doch walten, die Organisatoren der nun schon dritten Regionalkonferenz Rechtsextremismus. Es gab im Vorfeld keine Ankündigungen, um mögliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Wie die im Alltag aussehen können, das wissen die Teilnehmer, die aus dem ganzen Norden in die hochmoderne Lübtheener Realschule kamen, ganz genau. Stellen sie sich doch in ihren Gemeinden und Städten immer wieder gegen Rechte und werden dabei oft auch angegriffen. Die gute Nachricht für Lübtheen: die Stadt kämpft nicht allein mit dem Thema rechter Extremismus. Die schlechte Nachricht: Wahlergebnisse und Präsenz der Rechten in und um die Lindenstadt taugen vor allem für Besucher aus Hamburg und Schleswig-Holstein immer noch als Anschauungsunterricht für das, was sie noch nicht haben und nie bekommen wollen.

Wegschauen und ignorieren bringt gart nichts, organisierter, pfiffiger Widerstand im Bündnis mit vielen Bürgern, mit allen Institutionen und Vereine bringt dagegen vielmehr. So zumindest berichtete es Karl-Willi Beck, Bürgermeister von Wunsiedel, das sich sehr effizient gegen seinen vermeintlichen Ruf als brauner Wallfahrtsort zu wehren weiß. Das hat auch damit zu tun, dass die Nazigröße Rudolf Heß einst dort begraben war.

Es war eine harte Arbeit, die sich die Teilnehmer am Sonnabend da aufbürdeten. Für die meisten war es ein willkommener Austausch und auch eine Art Weiterbildung. Denn rechtes Gedankengut ist schon lange nicht mehr nur an Existenz und Auftreten der NDP gekoppelt. Und selbst dort beschäftigt man sich schon lange mit Plan B, falls das Parteienverbot doch kommen sollte. Längst gibt es andere Strömungen und Signale, neue Symbole, versteckte und offenen Formen des Extremismus. Die Lübtheener Konferenz habe einem, so ein Teilnehmer, auch wieder das Gefühl vermittelt, nicht allein zu sein im Widerstand. Wenn man ständig in kleinen und kleinsten Gruppen arbeite, könne diese Einsamkeit schon manchmal aufkommen. "Es ist schon gut, dass wir uns gut kennen, die anderen kennen sich doch auch gut", sagte ein anderer.

Dicke Bretter bohren ist eine Botschaft aus Lübtheen, keinen Bereich im Kampf gegen Rechts vergessen eine andere. Schule ist da ein wichtiges Betätigungsfeld, auch da hat Lübtheen besondere Erfahrungen zu bieten. Sportvereine sind ein weiterer, wichtiger Bereich, der offenbar lange unterschätzt wurde. Und noch heute wollten viele Vereine es nicht wahrhaben, dass auch sie von Rechten unterwandert werden könnten. Für Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach, auch ein Teilnehmer, geht es um noch mehr. Man müsse sich schon gegen leichte und versteckte Formen der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus wehren. Beide seien in der Gesellschaft noch immer sehr verbreitet, und der Weg zum Rechtsextremismus sei dann sehr kurz.

Die nächste Regionalkonferenz gegen Rechts wird im Herbst in Grevesmühlen stattfinden.

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