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Goodspeed findet Material zu amerikanischen Bombenangriffen : Ludwigslusts amerikanischer Archivar

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Dass sich Goodspeed ausgerechnet für Ludwigslust interessiert, hat einen guten Grund: Der 49-Jährige wohnt im amerikanischen Partnerlandkreis Gratiot County. 1999 kam er erstmals nach Ludwigslust.

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erstellt am 04.Apr.2011 | 10:09 Uhr

Er hat nicht aufgegeben: Monatelang wühlte sich der Amerikaner Jim Goodspeed durch Material der "National Archives and Records Administration" in Washington. Das amerikanische Nationalarchiv ist so etwas wie das Gedächtnis der Vereinigten Staaten. Hier lagern hunderttausende Dokumente. Goodspeed interessierte sich in erster Linie für die amerikanischen Bombenangriffe auf das heutige Landkreisgebiet im Zweiten Weltkrieg. Was der Englisch- und Geschichtslehrer bei seinen Recherchen fand, sind Dutzende Protokolle, Bilder und Notizen. Ohne seine Arbeit wären sie vielleicht für immer in den Archiven verschwunden.

Dass sich Goodspeed ausgerechnet für den Landkreis Ludwigslust interessiert, hat einen guten Grund: Der 49-Jährige wohnt im amerikanischen Partnerlandkreis Gratiot County im US-Bundesstaat Michigan. Im Jahr 1999 kam Goodspeed erstmals in den Landkreis Ludwigslust. Er hörte von den Bombenangriffen, fing an zu forschen und Material zu sammeln. Er stieß auf Luftaufnahmen des Bombenangriffs auf den Ludwigsluster Bahnhof am 22. Februar 1945. Bei dem Bombardement starben 150 Menschen. "Es ist schrecklich, was der Zivilbevölkerung an diesem Tag passiert ist", sagt Goodspeed. Die Bomben hätten zwar dem Bahnhof gegolten, seien aber wenig exakt gewesen.

Mehr als nur ein Luftangriff auf die Region

Goodspeed stieß auf Luftaufnahmen der "Eights Airforce" von dem Bombenangriff. Aufgenommen von Kameras, die unter den Bombern installiert waren. Auch Filmmaterial von 15 Sekunden Länge fiel ihm in die Hände. "Ich werde viele Dokumente und auch die Filmaufnahmen den Mahn- und Gedenkstätten in Wöbbelin überlassen", so Goodspeed.

Der Historiker fand heraus, dass es nicht nur einen Bombenangriff auf Ludwigslust und Umgebung gegeben hat. "Dieser eine ist wegen der vielen zivilen Ofper im Gedächtnis geblieben, aber aus den Unterlagen geht hervor, dass es mehrere Angriffe gegeben haben muss", ist sich Goodspeed sicher.

Auch mit den Schicksalen der Bomberpiloten befasste sich der Amerikaner. Denn einige Maschinen stürzten in der Ludwigsluster Region ab, viele Piloten starben. Goodspeed stieß auch auf die fast unglaubliche Geschichte des Bomberpiloten Leutnant Bert Shepard. Er wurde am 28. Mai 1944 von deutschen Flugabwehrgeschützen (Flag) über Ludwigslust abgeschossen. Beim Absturz verlor er ein Bein, überlebte jedoch, weil ein deutscher Militärarzt Bauern davon abhalten konnte, den bewusstlosen Amerikaner zu töten. Im Januar 1945 gelangte Shepard dank eines Gefangenenaustausches über die Schweiz zurück in die Vereinigten Staaten. Hier startete er eine Profikarriere als einziger einbeiniger Baseballspieler aller Zeiten in der höchsten Spielklasse, der "Major League Baseball", bei der Mannschaft "Washington Senators".

Es sind Geschichten wie diese, die Goodspeed bewahren will. Morgen reist er zurück in seine Heimat. Dort angekommen, will er beginnen, ein Buch über die Luftangriffe im Raum Ludwigslust schreiben.

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