Ludwigsluster Landrat will Parchim nicht - Mehr Gemeinsamkeiten mit Nordwestmecklenburg

Nach diesem Vorschlag des Innenmininisteriums soll ein großer Teil des Kreises Parchim Ludwigslust angegliedert werden, das Amt Plau am See an den Müritzkreis, die Ämter Sternberger Seenland und Ostufer Schweriner See an den Landkreis Nordwestmecklenburg.
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Nach diesem Vorschlag des Innenmininisteriums soll ein großer Teil des Kreises Parchim Ludwigslust angegliedert werden, das Amt Plau am See an den Müritzkreis, die Ämter Sternberger Seenland und Ostufer Schweriner See an den Landkreis Nordwestmecklenburg.

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01. Juli 2008, 07:24 Uhr

Ludwigslust/Parchim - „Offensichtlich haben alle eine Heidenangst, die alten Vorschläge wieder aufzugreifen. Doch verglichen mit dem, was uns da jetzt völlig überraschend vom Land vorgelegt wurde, war die Idee ganz Westmecklenburg zu einem Kreis zusammenzufassen, doch deutlich besser“, erklärte Landrat Rolf Christiansen im SVZ-Gespräch.

In seinen Augen taugt der Vorschlag, den jetzigen Landkreis Ludwigslust mit großen Teilen des Kreises Parchim zu verbinden, gleich aus mehrfacher Hinsicht nichts. „Zum einen ist es wirtschaftlich unlogisch, vor allem aber wird nicht ein Problem wirklich gelöst. Solange die Aufgabenverteilung zwischen Land, Kreis und den Kommunen nicht klar ist, macht das alles keinen Sinn. Was jetzt vorliegt, läuft unter dem Motto: Seht her, wir können doch irgendeine Kreisreform machen.“

Vollzugsrechte hätten beim Land und der ministeriellen Ebene einfach nichts zu suchen, das müsse Sache der Kreise werden. Doch das Land müsse eben Aufgaben abgeben, und am Ende sollte eine leistungsfähige und auch deutlich schlankere Verwaltung insgesamt stehen. „Gegenwärtig sehe ich im Land aber niemanden, der die Kraft und die Führungsstärke aufbringt, diese wichtige Aufgabe anzupacken“, ist Christiansen realistisch.

Dabei brennt es im Verwaltungssystem an allen Ecken und Enden, sind ehrenamtliche Kommunalpolitiker chronisch überfordert. Das beginnt im Kreistag und hört bei den Bürgermeistern der Gemeinden noch lange nicht auf.

Christiansen fordert daher auch eine grundsätzliche Diskussion über das, was Ehrenamtler im Land leisten wollen und auch können. Einfach nur ein paar Kreise zusammenlegen, das bringe niemanden etwas, schon gar nicht dem Bürger.

Der Frust in der Kreisverwaltung ist noch aus einem anderen Grund groß. Ursprünglich sollte der Landkreis bis Freitag vergangener Woche seine Stellungnahme an das Innenministerium schicken. Doch einige Tage zuvor wandte sich der Minister plötzlich mit seinen Plänen an die Presse. Jetzt darf sich der Kreis bis zum 5. August äußern. „Da ist doch klar, dass wir uns nicht ernst genommen fühlen.“

Dennoch wird der zeitweilige Ausschuss zur Verwaltungsmodernisierung in dem kommenden Tagen zusammengerufen, um eine fundierte Stellungnahme in Richtung Land abfassen zu können. Dennoch haben alle Betroffenen Mühe, die aus dem Hut des Ministers gezauberten Ideen ernst zu nehmen. „Das alles hat wenig mit dem Bürgerwillen oder gar den wirtschaftlichen Realitäten zu tun. Das Ministerium schlägt vor, dass der gesamte südliche Teil des jetzigen Kreises Parchim mit dem Kreis Ludwigslust eine Einheit bilden soll."

Der Landrat hat da ganz andere Ideen, seine Lieblingsvariante bleibt die ganz große Lösung, also ein Zusammengehen der Landkreise Parchim, Nordwestmecklenburg und Ludwigslust mit den Städten Schwerin und Wismar. Er kann sich aber auch andere Konstruktionen vorstellen.

Nur wenig Berührungspunkte mit dem Landkreis Parchim„Wirtschaftlich logisch wäre auch ein Zusammenschluss mit Nordwestmecklenburg unter Einbeziehung Schwerins. Das brächte im übrigen auch für die Landeshauptstadt einige Vorteile, die Diskussion um das Staatstheater gäbe es dann z. B. nicht.“

Dass Wismar aufgrund seiner geringen Größe nicht eigenständig bleiben kann, liegt für Christiansen auf der Hand. Anders lautende Gutachten hält er für wenig glaubwürdig. Vielmehr setzt er auf Erfahrungen aus dem Regionalmarkteting. Und da gibt es schon jetzt viele Parallelen mit dem Nordwesten.

Auch die Wirtschaft sieht der erst vor wenigen Wochen im Amt bestätigte Landrat auf seiner Seite. „Für die Wirtschaft gibt es doch die Region Westmecklenburg längst. Auch die IHK ist aus gutem Grund so organisiert.“ Mit dem Landkreis Parchim gäbe es dagegen sehr wenige Berührungspunkte. Christiansen lässt aber für den Fall der Fälle auch klar seine Vorliebe für Ludwigslust als Kreisstadt erkennen.

„Ludwigslust ist damals im Streit mit Hagenow aus gutem Grund Kreisstadt geworden. Hagenow war damals wirtschaftlich stärker und ist es heute noch. Genauso wäre es mit Parchim und Ludwigslust, letzteres würde ohne eine Verwaltung vor Ort doch einen deutlichen Einbruch erleiden.

Denkbar ist für Christiansen auch ein Zusammengehen der Kreise Ludwigslust und Parchim und der Landeshauptstadt. Doch das sind und bleiben Gedankenspiele.

In der praktischen Arbeit konzentriert sich vieles darauf, dem Bürger lange Wege zu ersparen. Nicht umsonst gibt es Bürgerbüros in Boizenburg, Zarrentin, Wittenburg, Hagenow und bald auch in Dömitz.

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