Lohndrückerei in Museen

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18. Mai 2008, 03:39 Uhr

Schwerin - Viele Kommunen in MV sparen am Museumspersonal. Die Aufsichten in den Sälen und die Mitarbeiter an den Kassen werden heute oft von Fremdfirmen gestellt, wie eine Umfrage ergab. Sie kosten deutlich weniger als öffentliche Angestellte. Zu den Ausnahmen gehört das Staatliche Museum Schwerin mit seinen Kunstsammlungen, Schlössern und Gärten in Landesbesitz. Die 60 Kassen- und Aufsichtskräfte im Galeriegebäude am Alten Garten in Schwerin und in den Schlössern Schwerin, Ludwigslust und Güstrow sind nach wie vor Landesbedienstete, wie es hieß. Eigene Mitarbeiter würden sich besser auskennen und könnten auch die Klimageräte bedienen. Fremde müssten hingegen immer neu eingewiesen werden.

In der Kunstsammlung Neubrandenburg kommt das Kassen- und Wachpersonal hingegen seit Anfang 2007 von einem Fremdunternehmen, wie Leiterin Merete Cobarg sagte. Inhaltlich gebe es kein Problem, die Erfahrungen seien positiv. In der Kunsthalle und im Kulturhistorischen Museum Rostock werden städtische Aufsichtskräfte nach und nach von externen Mitarbeitern abgelöst. Scheide jemand aus Altersgründen aus, werde die Stelle durch eine Fremdfirma besetzt, erklärte Kultursenatorin Ida Schillen (Linke). „Das ist ein Beschluss der Bürgerschaft.“ Sie sehe dieses Outsourcing sehr kritisch. „Outsourcing ist Lohndrückerei“, sagte sie. Eine Stunde Museumsaufsicht im Dienst der Stadt koste 17,60 Euro, die Fremdfirma erhalte je Stunde 8,33 Euro.

Auch die Museen der Stadt Stralsund setzen aus Gründen der Ersparnis auf private Dienstleister. Im Kulturhistorischen Museum arbeiten nach Angaben von Direktor Andreas Grüger neben eigenen auch mehrere Mitarbeiter von Firmen. „Für die Stadt hat das auch einen Finanzaspekt“, bestätigte er. „Private bezahlen anders als der öffentliche Dienst.“ Ein positiver Aspekt für das Museum sei, dass die Fremdfirma bei Urlaub oder Krankheit Ersatz stelle. Man sei zufrieden mit den Mitarbeitern, sagte Grüger. „Die Leute machen einen guten Eindruck.“

Der amtierende Vorsitzende des Landesmuseumsverbandes, Bernd Lukasch, hat neben dem Einsatz von Fremdfirmen auch ein „schleichendes Outsourcing“ beobachtet. So werde Aufsichtspersonal in einen Verein oder Ähnliches ausgegliedert, sagte er. Vom Museumsstandpunkt her finde er es am besten, wenn mit der Aufsicht in einem Museum Menschen beschäftigt seien, „die eine Nähe, eine inhaltliche Beziehung“ zum Ausgestellten haben, sagte Lukasch.

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