Lkw-Fahrer stellen sich quer

Ob Zivilisten oder Kraftfahrer – fast alle zeigten sich gestern mit Spediteuren und Omnibusbetrieben solidarisch. Sie akzeptierten die Blockade der B 189 in Wittenberge und ermunterten zu noch größeren Aktionen.

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15. Juli 2008, 08:47 Uhr

Wittenberge - Der Verkehr fließt, aber durch die Stadt. Detlef Beneckes Lkw steht quer, blockiert die B 189. Daneben ein Bus vom Reisedienst Westprignitz und hinter diesen beiden Fahrzeugen stehen Traktoren, Taxis, weitere Lkw und Busse. Von 8 bis 10 Uhr ging gestern zwischen der WEZ-Kreuzung und der Wahrenberger Straße nichts mehr.

„Ich finde das spitze, so etwas brauchen wir viel häufiger“, sagt Gudrun Reining. Sie ist in Wittenberge zu Besuch, wohnt bei Kassel und hat eine kleine Spedition. „Wenn nichts passiert, gehen wir alle kaputt“, befürchtet sie. Maut und Kraftstoffpreise gefährden die Verkehrsbranche. „Kürzlich habe ich den ’Prignitzer’-Artikel über die spontane Sperrung der Elbbrücke meinen Kollegen gezeigt, sie zu solchen Protesten ermutigt, aber die Unternehmer hier im Osten sind mutiger“, zollt sie Benecke und Kollegen Respekt.

Die Blockade ist noch viel zu lasch, findet Unternehmerin Antje Simon. „Osterburger, Dannenberger, Stendaler hätten kommen müssen. Legt Hamburg mit seinen Häfen lahm oder Magdeburg“, ermutigt sie.

Größere Aktionen gefordert
„Das ist Nötigung, ich bin ein Steuerzahler“, flucht hingegen ein anderer Pkw-Fahrer und bleibt damit gegenüber einer breiten Front der Befürworter klar in der Unterzahl. „Wir fahren nur ab und zu mit dem Auto längere Strecken, aber die werden spürbar teurer“, schimpft Bruno Heyer. Der Rentner verfolgt an seinem Rad gelehnt die Proteste und bedauert es ein wenig, dass der Verkehr trotz Umleitung ungehindert rollt.

„Es soll ein Zeichen sein, dass wir bereit sind, uns zu wehren“, erklärt Initiator Detlef Benecke. Heute sei eine totale Blockade nicht das Ziel, aber sie kommt, sollte sich nichts ändern, macht er klar. „Wenn die Unternehmer signalisieren, dass sie solche Proteste forcieren wollen, werden wir aktiv“, verspricht Gerhard Ostwald, Geschäftsführer des Verbandes Verkehr und Logistik Berlin Brandenburg e. V. Die Treibstoffpreise steigen schneller, als Spediteure verhandeln können, sagt er. Vielen drohe die Pleite.

„In ganz Deutschland muss es solche Proteste geben“, meint Adolf Gottschalk, Präsident des Brandenburger Verbandes der Omnibusunternehmer. Dies sei heute ein Anfang, ein Funken, aus dem ein Feuer entstehen könnte. Sternfahrten mit 500 bis 1000 Fahrzeugen seien denkbar. Die Plakate „Wenn die Lkw still stehen, hungert Deutschland“ betonen die immense Bedeutung der Fuhrunternehmer und seien mehr als nur Worte:

„Machen wir ernst, gibt’s in Deutschland ein Chaos“, führt Willi Schulz den Gedanken fort. Ruck zuck wäre der Berliner Ring blockiert. Schulz ist Rentner, könnte sein Unternehmen aufgeben, aber daran hängen 14 Kollegen. „Und mir macht die Arbeit Spaß“, sagt der 66-jährige Perleberger.

ÖPNV gefährdet
Landrat Hans Lange (CDU) spricht von einem wichtigen Achtungszeichen. Jeder spüre die Situation selbst, wenn er zur Tankstelle fährt. Nur durch solche und durch noch massivere Aktionen könnten die Verbände ihre Verhandlungsposition gegenüber der Bundesregierung stärken. Von einem Signal spricht auch Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. Existenzen seien bedroht, „da dürfen wir als Stadt nicht zugucken“.

Der ÖPNV ist ebenfalls gefährdet, so Edelgard Schimko vom Landkreis Prignitz. Die Kosten steigen, aber nicht die Zuschüsse vom Land. „Die höheren Kraftstoffpreise zahlen deshalb wir“, erklärt sie und begrüßt die Aktion der Brummis genauso wie Bodo Rückschlag, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Preisentwicklung an den Zapfsäulen treffe den gesamten Mittelstand, auch die Wirte.

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