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Weltliteratur als Comic beschert Verlagen einen ganz neuen Absatzmarkt : Literatur in Sprechblasen

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Immer mehr anspruchsvolle Werke gibt es jetzt auch als Bildergeschichten - von Goethes "Faust" bis Kafkas "Die Verwandlung". Das Geschäft mit der Weltliteratur in Comicform boomt.

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erstellt am 24.Mär.2011 | 08:18 Uhr

Berlin | Micky Maus, Donald Duck, Asterix oder Batman begeistern seit jeher die Comicfans. Doch neuerdings bekommen die gezeichneten Helden von unerwarteter Seite Konkurrenz: Immer mehr anspruchsvolle Werke gibt es jetzt auch als Bildergeschichten - von Goethes "Faust" über Kafkas "Die Verwandlung" bis zu Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit".

Das Geschäft mit der Weltliteratur in Comicform boomt und beschert Verlagen einen ganz neuen Absatzmarkt. "Es läuft gut", sagt Programmleiter Ralf Keiser vom Hamburger Carlsen-Verlag, einem der Marktführer der Comicsparte. "Man kann hier schon von fünfstelligen Verkäufen sprechen. Das ist für dieses Segment sehr gut." Aufwändig produzierte und episch erzählte Comics sind unter dem Begriff "Graphic Novels" ("Gezeichnete Romane") ohnehin der Trend auf dem Markt - auch ohne literarische Vorlage.

In dem bei Carlsen erschienenen Comicband "Faust" (96 Seiten, 14,90 Euro) des Berliner Zeichners Flix wird der mit Jeans und Fusselbart auf modern getrimmte Titelheld zum Taxifahrer, sein Gretchen zur Bioladenverkäuferin. Der Anmachspruch in der Sprechblase gerät dagegen klassisch: "Schönes Fräulein, darf ichs wagen, meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?" Denn das ist der entscheidende Punkt bei den Literaturcomics: Sie nehmen ihre Vorlagen ernst, wollen die Texte zwar eingedampft, aber möglichst ohne Abstriche beim Gehalt an den Leser bringen.

So hält sich beispielsweise auch die im Münchner Knesebeck-Verlag erschienene Bildergeschichte "Die Verwandlung" (48 Seiten, 19,95 Euro) des französischen Comicautors Eric Corbeyran und des Zeichners Richard Horne eng an ihre Vorlage, die berühmte Erzählung von Franz Kafka über Gregor Samsa, der sich eines Nachts in eine riesige Küchenschabe verwandelt.

Für Jule Menig vom Knesebeck-Verlag sind Comics ein idealer Weg, sich sperrigen Stoffen anzunähern: "Viele Leser freuen sich doch, Weltliteratur mal in dieser Form angeboten zu bekommen - das kann dazu beitragen, die Scheu vor großen Schriftstellern abzubauen." Zwar finde es nicht jeder gut, dass Werke von Kafka, Melville oder Proust zu "Graphic Novels" verarbeitet werden - Proteste erzürnter Bildungsbürger, die das Ansehen der Schriftsteller beschädigt sehen, seien selten, sagt Jule Menig. Das bestätigt auch Ralf Keiser vom Carlsen-Verlag: "Vorbehalte dieser Art erreichen uns eigentlich nicht mehr. Mittlerweile ist es akzeptiert, dass sich auch der Comic klassischer Literaturstoffe bedienen darf, ebenso wie es auch andere Medien tun."

Als Käufer der Sprechblasen-Literatur haben die Verlage nicht die typischen jugendlichen Comicfans, sondern eher den gut situierten Leser über 30 ausgemacht, denn die mal farbigen, mal schwarzweißen Bildchenbände sind nicht gerade billig: Ein 144 Seiten umfassender Schwarzweiß-Comic wie "Paul Austers Stadt aus Glas" (Reprodukt-Verlag) kostet 14 Euro und bewegt sich damit am unteren Rand des Preissegments, für die 160 Seiten starke Comic-Adaption des Bradbury-Romans "Fahrenheit 451" (Eichborn-Verlag) müssen 22,95 Euro hingeblättert werden - Preise um die 20 Euro für einen Literatur-Comic sind keine Seltenheit.

Die Verlage suchen deshalb im In- und Ausland ständig nach neuen Ideen. Sogar der angesehene Suhrkamp-Verlag denkt derzeit über das Geschäft mit Comics nach, geplant sind Graphic Novels nach Stoffen berühmter Suhrkamp-Autoren wie Peter Handke oder Max Frisch.


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