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Ließ die Polizei hilflose Frau stehen?

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erstellt am 11.Jun.2010 | 05:46 Uhr

parchim | Hat die Polizei eine Autofahrerin "absichtlich in eine Notlage gebracht und dann im Regen mitten auf der Landstraße im Stich gelassen?" Das behauptet eine Parchimerin, die Polizei bestreitet die Vorwürfe.

In der Nacht zum Montag um 3.30 Uhr stoppte eine Streife die Autofahrerin kurz vor Parchim von Spornitz kommend. Was danach passierte, darüber gehen die Ansichten auseinander. "Die Polizisten hatten zu bemängeln, dass ich Tagfahrlicht in Kombination mit Abblendlicht benutzt haben soll", sagt die Parchimerin. Das wäre verboten, nur Standlicht darf zusammen mit Abblendlicht leuchten.

Die Autofahrerin verwies aber darauf, dass an ihrem Fahrzeug gar keine Tagfahrlichter verbaut seien und die so genannten Devil Eyes laut TÜV auch nicht eintragungspflichtig seien. Darüber gingen die Ansichten auseinander. Die Beamten fertigten einen Mängelbericht an.

Ulf Theodor Claassen, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Parchim, bestätigt, dass die nachgerüsteten Lichter rechtmäßig sind: "Hier nutzt ein Hersteller eine Gesetzeslücke und bietet Standlicht im Tagfahrlicht-Look an." Derlei Feinheiten seien aber vor Ort auf der Straße angesichts einer unüberschaubaren Zahl von Zubehörteilen nicht feststellbar. Deshalb werde bei unsicherer Lage ein Mängelbericht gefertigt, Klärung später.

"Unannehmlichkeiten bedauern wir"

Mittlerweile hätten die Beamten auch versucht Kontakt zu der Autofahrerin aufzunehmen, um ihr mitzuteilen, dass sie im Recht sei, bisher vergeblich. Müssen derlei Kontrollen überhaupt sein? Ulf Theodor Claassen sagt ja, immerhin könnten mit Zurüstlampen entgegenkommende Autofahrer bös geblendet werden, Unfälle nicht ausgeschlossen.

Mit dem Mängelbericht in der Hand, begann für die Parchimerin der Ärger erst richtig: "Die beiden Polizisten verlangten von mir ein ständiges An- und Ausschalten des Lichtes, der Zündung und des Motors. Dies dauerte eine knappe halbe Stunde. Ich wies den Beamten darauf hin, wenn das so weiter geht, wird meine Batterie leer gehen. Daraufhin sagte der Polizist zu mir er würde mir in diesem Fall Starthilfe geben."

Prompt gab die Batterie ihren Dienst auf, die elektrisch betriebenen Fenster ließen sich nicht schließen, es regnete ins Auto. Die Parchimerin: "Daraufhin klopfte ich am Fahrzeug der Polizei, um die versprochene Starthilfe zu bekommen. Aber da hieß es nur, das sei mein Pech und sie fuhren fort und ließen mich im strömenden Regen mit offenen Fenster und leerer Batterie zurück." Mit ihrem Mann habe sie dann das Auto zum Bahnhof geschoben und Stunden später den ADAC anrufen können.

Dieser Darstellung widerspricht Parchims PI-Chef: "Starterkabel gehört nicht zur Ausrüstung. Wir rufen dann den Abschleppdienst. In diesem Fall sahen unsere Beamten aber den Mann der Autofahrerin mit einem Auto entgegenkommen, so dass für uns keine Notsituation bestand." Claassen weiter: "Wenn der Frau Unannehmlichkeiten entstanden sind, dann bedauern wir das. Selbstverständlich ersetzen wir auch eventuelle Auslagen."

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