zur Navigation springen
Übersicht

21. November 2017 | 11:33 Uhr

Lichtblick ins Krisenjahr

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2010 | 06:58 Uhr

berlin | Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, formuliert sehr zurückhaltend: 4,1 Millionen Arbeitslose würden bisher im Jahresdurchschnitt 2010 erwartet, die Entwicklung werde jedoch "vielleicht einen Tick besser" verlaufen. "Da wir besser als erwartet ins Jahr starten, kann man annehmen, dass wir besser werden", sagte er gestern bei der Vorstellung der Dezemberzahlen. Mit einem Anstieg um 60 000 im Vergleich zum Vormonat, saisonbereinigt gar mit einem leichten Rückgang, schloss das Jahr 2009 unerwartet positiv ab.

"2010 wird ein schwieriges Jahr ", warnt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Doch trotz befürchtetem Anstieg der Joblosenzahlen hoffen Politiker auf neue Milliardenspielräume. Denn den Haushalten von Bund und Bundesagentur sind größere Schreckensszenarien zugrunde gelegt. Im Gesamtjahr 2009 stieg die durchschnittliche Arbeitslosigkeit gerade einmal um 155 000 auf 3,423 Millionen. Die Bundesagentur hatte ursprünglich mit 3,7 Millionen gerechnet.

Der Grund für die positive Überraschung: Der unerwartete Erfolg der Kurzarbeit. Der Nebeneffekt: Aus den weniger stark gestiegenen Arbeitslosenzahlen folgt eine gewisse finanzielle Entspannung bei der Bundesagentur. Sie schließt das Jahr mit 2,95 Milliarden Euro Restreserve ab, einer Milliarde mehr als zuletzt gedacht. Im Entwurf des Bundeshaushaltes für 2010 sind 16 Milliarden Euro Zuschuss vorgesehen, um ein Defizit von 18 Milliarden Euro im Jahresverlauf zu decken.

"Die Durchschnittszahl der Arbeitslosen 2010 wird deutlich unter vier Millionen bleiben, bei womöglich 3,8 Millionen", sagt Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Pro Hunderttausend Arbeitslose weniger würde die Bundesagentur 500 Millionen Euro einsparen - in Zeiten von Rekordverschuldung und kurz vor dem Start der Regeln zur Schuldenbegrenzung ab 2011 ein Lichtblick.

Doch ob 4,1 Millionen Arbeitslose oder "nur" 3,8 Millionen, in jedem Fall wird 2010 ein stärkerer Anstieg als im vergangenen Jahr erwartet. Bereits jetzt im Januar wird mit 250 000 bis 300 000 Arbeitslosen mehr gerechnet. Die Kurzarbeit, die zeitweilig mit bis zu 1,5 Millionen Betroffenen den Arbeitsmarkt entlastet hat, dürfte in diesem Jahr auf 600 000 Personen zurückgehen, schätzt die Bundesagentur: Teils wegen verbesserter Auftragslage, teils jedoch auch, da die trotz staatlicher Hilfe teure Kurzarbeit manche Unternehmen finanziell überfordert. Folge: Wenn das Eigenkapital aufgezehrt ist und kein Ende der Auftragsflaute in Sicht ist, stehen Entlassungen an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen