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25. November 2017 | 12:27 Uhr

Licht auf Nachtstrom-Markt

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svz.de von
erstellt am 04.Okt.2010 | 06:45 Uhr

Schwerin | Größere Auswahl für zehntausende Verbraucher von Heizstrom in Mecklenburg-Vorpommern: Die beiden großen Regionalversorger Wemag und Eon edis haben wie 15 weitere Versorger in einem Missbrauchsverfahren vom Bundeskartellamt eine Rüge kassiert und sind zur Öffnung der Märkte aufgefordert worden. Mehr Preistransparenz solle für Licht auf den Nachtstrommarkt bringen. Damit sollen Kunden auch alternative Anbieter nutzen können, so das Kartellamt. Die Versorger hätten sich u. a. verpflichtet, die Heizstromtarife im Internet zu veröffentlichen und die Kalkulationen offen zu legen, damit Wettbewerber die Marktchancen eigener Angebote ausloten können. Damit solle der Eintritt in die Heizstrommärkte erleichtert werden, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Er erhoffe sich "zukünftig Wechselmöglichkeiten für die Verbraucher." Bundesweit könnten 1,4 Millionen Kunden, davon 21 000 in MV, von der Marktliberalisierung profitieren. Die Auflagen des Kartellamtes würden erfüllt, betonte ein Eon-Sprecher. Anders als beim normalen Haushaltsstrom waren die Anbieter von Heizstrom bislang in ihrem Versorgungsgebiet nahezu ohne Wettbewerber. Wemag-Kunden berichteten, dass sie keine Möglichkeiten hätten, Angebote anderer Anbieter zu nutzen.

Die Kartellwächter waren insgesamt gegen bundesweit 17 Heizstromversorger wegen Verdachts des Preismissbrauchs vorgegangen. Nach der jetzt abgeschlossenen Prüfung waren bei 13 teilweise überhöhte Preise festgestellt worden, darunter bei der Wemag.

Nach der Untersuchung zählen die Norddeutschen zu den teuersten Anbietern bundesweit. Während die Kartellwächter Eon edis keine Preisverfehlungen nachweisen konnten, hatte die Wemag der Behörde zufolge 2007 und 2008 von ihren Kunden zu hohe Tarife kassiert.

Die etwa 7000 Wemag-Kunden erhalten jetzt einen Ausgleich. Das Unternehmen habe zugesagt, die Mehrbelastung durch eine Verschiebung der Preiserhöhung zu kompensieren, erklärte Kartellamtssprecher Kay Weidner. Die ursprünglich für den Jahresbeginn vorgesehene Erhöhung der im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehenen Umlage war für zehn Monate ausgesetzt worden und werde erst ab 1. November fällig, erklärte Wemag-Chefeinkäufer Michael Hillmann gestern - pro Kunde mache das durchschnittlich 30 Euro aus. Trotz der Zugeständnisse fühle sich die Wemag aber "zu Unrecht gerügt", sagte Hillmann. "Unsere Preise liegen im Schnitt aller Anbieter." Nach dem Abschluss des Missbrauchsverfahrens haben sich bundesweit 13 Versorger zu Rückerstattungen verpflichtet - 530 000 Kunden können mit einem Ausgleich von 27,2 Millionen Euro rechnen.

Der Kompromiss geht Verbraucherschützern nicht weit genug. Das Problem sei weniger die Veröffentlichung der Tarife als die Höhe der Nutzungsentgelte, kritisierte der Energieexperte der Verbraucherzentrale MV, Horst-U. Frank, die Vereinbarung als nicht ausreichend. Die Entgelte, die ein Anbieter für die Durchleitung bezahlen muss, seien fast schon so teuer wie der Nachtstrom selbst. Und so dämpft die Branche denn auch die Erwartungen. Auf dem Markt für Heizstrom seien "die Margen so marginal", dass kaum mit viel Bewegung bei den Preisen zu rechnen sei, sagte Wemag-Einkäufer Hillmann und wies den Vorwurf der Marktabschottung zurück.

Auch bei Eon dämpft man die Hoffnungen: Die Erlöse seien niedrig, so dass Wettbewerber von dem Markt oft fernblieben, hieß es bei Eon. Aber: Kunden in MV und Brandenburg könnten zumindest über den Jahreswechsel hinaus mit konstanten Preisen rechnen.

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