Demen: Wolfgang Kruse schließt den „Markant – nah und fern“ : Letzter Tag für Demener Dorfladen

Letzte Einkäufe im Demener Lebensmittelmarkt: Das ist keine leichte Sache für alle Beteiligten - hier Verkäuferin Antje Hennings, Inhaber Wolfgang Kruse, Stammkunden  Waltraud Larek und  Hildegard Kettelhöhn sowie Verkäuferin Ute Stuntebeck (v.l.). Mett
Letzte Einkäufe im Demener Lebensmittelmarkt: Das ist keine leichte Sache für alle Beteiligten - hier Verkäuferin Antje Hennings, Inhaber Wolfgang Kruse, Stammkunden Waltraud Larek und Hildegard Kettelhöhn sowie Verkäuferin Ute Stuntebeck (v.l.). Mett

Heute öffnet der Demener Lebensmittelmarkt "Markant - nah und fern" zum letzten Mal seine Türen. Der Ausverkauf läuft seit zwei Wochen, viele der Regal sind bereits leer gekauft.

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30. September 2011, 11:45 Uhr

Heute öffnet der Demener Lebensmittelmarkt "Markant - nah und fern" zum letzten Mal seine Türen. Der Ausverkauf läuft seit zwei Wochen, viele der Regal sind bereits leer gekauft bzw. schon ausgeräumt worden. Für die Postgeschäfte müssen die Demener seit einigen Tagen nach Crivitz fahren. Von nächsten Woche an müssen die Demener auch ihre Lebensmittelseinkäufe in der Nachbarstadt erledigen. Wolfgang Kruse fällt es schwer, den einzigen Laden im Dorf zu schließen: "Es geht aber nicht anders."

Inhaberin und Chefin des Lebensmittelgeschäftes war seine Frau Grete. Sie ist im Sommer nach schwerer Krankheit gestorben. "Ich bin selbstständiger Transportunternehmer und habe vom Lebensmittelhandel keine Ahnung", erzählt Wolfgang Kruse. Die Weiterführung des Geschäftes kam für den 64-Jährigen noch aus zwei weiteren Gründen nicht in Frage. Er selbst möchte im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen. Und der Lebensmittelmarkt hat sich schon in den zurückliegenden drei Jahren eigentlich nicht mehr gerechnet. "Der Markt war aber auch das Lebenswerk meiner Frau. Deshalb haben wir ihn so lange es ging offen gehalten." Nun sei jedoch eine neue Situation eingetreten. Wolfgang Kruse will die ganze Sache vernünftig zu Ende bringen. Das ist er nicht nur den drei angestellten Verkäuferinnen schuldig, sondern auch den Stammkunden seiner Frau. Das sind zumeist Senioren aus dem Dorf Demen. Viele von ihnen haben bereits zu DDR-Zeiten im Dorfkonsum bei Grete Kruse einkauft. Und die engagierte Verkäuferin übernahm das Geschäft nach der Wende, führte den Laden selbstständig weiter. 1996 erfolgte sogar der Neubau eines größeren Geschäftes gleich neben dem alten Konsum. Hier gab es nicht nur Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Postangelegenheiten wurde erledigt, auch für Hermes Pakete angenommen und ausgegeben. Lottospieler hatten hier ihre Anlaufstelle. Und im Vorraum des Marktes stehen noch Bankautomat und Kontoauszugsdrucker der regionalen Raiffeisenbank.

"Wenn dieser Markt geschlossen ist, fehlt uns in Demen nicht nur die einzige Einkaufsmöglichkeit, sondern auch eine wichtige Anlaufstelle - gerade für die Senioren", sagt Gerda Vogt. Auch Hildegard Kettelhöhn bedauert das Aus für den Markt: "Ich habe hier immer viel und gern eingekauft." Die beiden Rentnerinnen sprechen dabei wohl für die meisten Senioren. Doch die Demener haben auch Verständnis für Witwer Wolfgang Kruse. Gerade die Stammkunden bedanken sich bei ihm und den Verkäuferinnen Antje Hennings, Ute Stuntebeck und Nicole Ohlhöft, einige Demener brachten zu ihrem letzten Einkauf sogar Blumen mit.

"Die Gemeinde hätte schon im Vorfeld mehr tun müssen, damit der Markt erhalten bleibt", sagt Gerda Vogt. Denn die Seniorin befürchtet, dass nach der erfolgten Schließung die Chancen für einen Neuanfang schlechter stehen, als wenn es jetzt gleich weitergegangen wäre. Bürgermeister Thomas Schwarz betont, dass die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde sehr begrenzt sind. Er führt derzeit Gespräche mit der Raiffeisenbank, um einen neuen Standort für den Geldautomaten zu finden. Zudem kann sich der Bürgermeister durchaus einen Tante-Emma-Laden vorstellen. "Wenn sich jemand findet, der solch ein kleines Geschäft betreibt." Die Gemeinde könne beim Neustart helfen - nicht mit Geld, aber sehr wohl in logistischen Fragen, beim Öffnen von Türen. Für einen großen Lebensmittelmarkt in Demen gibt es hier aber wahrscheinlich zu wenig Kunden, sagt Schwarz. Genau das sei das größte Problem des Markant-Marktes gewesen. Die Gemeinde hat zwar noch mehr als 1000 Einwohner, und davon lebt mehr als die Hälfte im Dorf Demen. "Nicht nur zur Arbeit, sondern auch zum Einkaufen fahren die meisten Demener aber schon seit Jahren in die Discounter und die Supermärkte von Crivitz", ergänzt Schwarz.

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