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Helmut Schmidt feiert 30-jähriges Firmenjubiläum : Leppiner Tüftler mit goldenen Händen

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"Kinder wie die Zeit vergeht", dürfte mancher der Gäste, die Helmut Schmidt in seiner kleinen Mechanikerwerkstatt in Leppin besucht haben, gedacht haben. Und das hat gleich mehrere Gründe.

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erstellt am 26.Mär.2011 | 02:09 Uhr

Leppin | "Kinder wie die Zeit vergeht", dürfte mancher der Gäste, die Helmut Schmidt in dieser Woche in seiner kleinen Mechanikerwerkstatt in Leppin besucht haben, gedacht haben. Und das hat gleich mehrere Gründe: Im März 1981 hat Schmidt den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und wie er sagt "bis heute keinen Tag bereut". Ebenso wichtig ist dem 62-Jährigen der Faktor Zeit. Längst hat er sich als "Uhrmacher der Ruhner Berge" einen Namen weit über die Landesgrenzen hinaus gemacht.

Leppiner Uhren ticken einfach anders

Mit einer "Um-die-Ecke-Uhr", der wohl größten Drehpendeluhr der Welt", einem Chronographen mit halben Zahnrädern und einem Zeitmesser, deren Zeiger wie von Geisterhand gesteuert ihre Länge verändern, bringt der Technikfan Profis und Laien gleichermaßen zum Staunen. Schon als 13-Jähriger ist der Güstrower Junge nach der Schule am liebsten zum Uhrmacher gegangen. "Die Technik fasziniert mich schon immer. Mit einer eigenen Werkstatt habe ich mir in DDR-Zeiten einen Traum erfüllt", gibt Helmut Schmidt unumwunden zu. "Vor 30 Jahren war es in der Werkstatt ziemlich kalt und Maschinen eine Rarität." Schnell hatte es sich herumgesprochen, dass der Tüftler jedes Problem lösen konnte. "Zu meinen Kunden gehörten sogar namhafte Firmen wie Bergmann-Borsig. Wenn dort ein spezielles Teil gebraucht wurde, war mein Ein-Mann-Unternehmen gefragt", sagt Schmidt.

Mit der Wende gab es plötzlich zwar Maschinen und Ersatzteile jeder Art, doch die Kunden blieben aus. Schmidt ließ sich nicht unterkriegen und profitierte von seinem Ruf als "Alleskönner". "Der Mann ist ein genialer Techniker und ein zuverlässiger Geschäftspartner, den wir sehr schätzen", meint Klaus David von der Parchimer Metallbaufirma D&W. Wenn bei ihm ein spezielles Ersatzteil für hochmoderne Technik benötigt wird, springt Helmut Schmidt mit seinem Fachwissen und seinen goldenen Händen ein. "Davon profitieren auch junge Leute, die bei uns eine Ausbildung absolvieren und den Metallberuf bei einem Praktikum in der Leppiner Werkstatt von der Pike auf lernen", freut sich Klaus David.

Obwohl Helmut Schmidt mitunter Zahnräder als Einzelbestellung bis zu einer Größe von 1,5 Metern anfertigt, liegen ihm vor allem die kleineren Räder am Herzen. Bevor sie in seinen Uhrenrarritäten, die der Meister alle selbst erdacht, konstruiert und gebaut hat, zum Laufen kommen, vergehen Monate und mitunter Jahre. Einen Computer braucht er dafür bis heute nicht. Alles wird per Hand berechnet, auf zum Teil nostalgisch anmutenden Maschinen gedreht und gefräst und millimetergenau montiert.

Vor allem Touristen, die im Sommer die Ruhner Berge erkunden, folgen dem Wegweiser zur "Um-die-Ecke-Uhr" und bekommen bei Helmut Schmidt große Augen. Wenn sie bei aller Bescheidenheit des Meisters dann noch hören, dass seine Drehpendeluhr womöglich das größte Exemplar der Welt ist, sind sie baff. Schmidts Lebensgefährtin Bärbel König hat sich an die vielen Uhren längst gewöhnt: "Bei uns tickt es gewaltig". Nachdem sich Helmut Schmidt viele Uhrenträume bereits erfüllt hat, bleibt ein Problem. Bislang konnte er noch niemanden finden, der seine Werkstatt eines Tages übernimmt. Aber ganz nach dem Motto "Kommt Zeit, kommt Rat", wird der Meister an diesem Wochenende erst einmal seine vielen Uhren per Hand auf Sommerzeit umstellen.

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