Leiser fahren auf Waschbeton

Der Betonbrecher wird kontinuierlich bestückt. Er zerkleinert in 24 Stunden 500 Meter Autobahn. Foto: Regina Mai
Der Betonbrecher wird kontinuierlich bestückt. Er zerkleinert in 24 Stunden 500 Meter Autobahn. Foto: Regina Mai

Auf schmalen Spuren rollt der Verkehr zwischen Laage und Kavelstorf, teilt sich eine Fahrtrichtungsspur. Für 18 Millionen Euro wird die andere Seite saniert. Zum Sommerurlaubsverkehr 2009 soll der Abschnitt fertig sein.

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16. Juli 2008, 11:01 Uhr

Sabel - Das Bauwerk mit der Nr. 27 liegt danieder, zumindest eine Hälfte. Betonbrocken stapeln sich an der Straße. Spundwände stützen die zweite Brückenhälfte und bewahren sie vor dem Einsturz. „Wir versehen die Spundwände jetzt mit einer Verankerung. Erst danach können wir tiefer gehen“, erklärt Thomas Junghans und denkt dabei an die Brückenfundamente. Wenn sie weggeräumt sind, kann mit dem Neuaufbau der Autobahnbrücke über die Landesstraße bei Sabel begonnen werden. „Keine Kunst“, meint der Mann vom Straßenbauamt Schwerin, der die beiden Brückenbauten im Zuge der Sanierung der A 19 überwacht. Es seien ganz normale Brücken, nichts Besonderes.

100 Tonnen Bewehrungsstahl und 1000 Kubikmeter Beton und so eine Brücke ist wieder fertig. Einziger Knackpunkt aus der Sicht von Junghans: Vor Jahresende soll alles fertig sein. „Das geht nur mit straffem Zeitplan“, betont der Bauüberwacher. Nur ein Stück weiter in Richtung der Anschlussstelle Laage bietet sich das gleiche Bild. Bei Friedrichshof wird die zweite Brücke erneuert. Jede Überführung kostet rund eine Million Euro. Für den gesamten Autobahnabschnitt sind 18 Millionen Euro veranschlagt.

80 000 Kubikmeter Boden bewegen
Unweit der Brückenbaustellen steht der Betonbrecher. Er wird Tag und Nacht gefüttert. „Der bricht in 24 Stunden 2400 Kubikmeter Beton. Das sind etwas 500 Meter Autobahn“, berichtet Wolfgang Gampa. Das Recyclingmaterial wird als Frostschutzschicht wieder eingebaut. Ausgenommen ist ein drei Kilometer langer Abschnitt im Trinkwassereinzugsgebiet. Dort wird nur neues Material verwendet.

Während bisher allein an der Aufnahme der alten Fahrbahn gearbeitet werden, beginnt heute außerdem der Bau der insgesamt zehn Kilometer langen Entwässerungsleitung. Das Regenwasser wird in die bereits auf der anderen Seite gebauten Rückhaltebecken geleitet. Weil es so schnell wie möglich ablaufen soll, wird die Fahrbahn modelliert, wie es bereits auf der anderen Seite geschehen ist. Die Autobahn, so erklärt Gampa, war in den 1970er-Jahren ganz eben gebaut worden, weil sie auch Not-Fluglandebahn gedacht war. Insgesamt werden rund 80 000 Kubikmeter Boden zu bewegen sein.

Anders als auf der anderen Seite soll der Belag auf dem jetzt entstehenden Abschnitt in Lärm mindernder Qualität ausgeführt werden. Waschbeton heißt das Zauberwort. Gampa erklärt: „Die in zwei Lagen aufgebrachte Oberfläche wird mit einer Substanz besprüht, die den Abbindeprozess verzögert. Für zehn bis zwölf Tage wird die Oberfläche dann mit einer Folie, 150 000 Quadratmeter, abgedeckt. Danach werden 0,8 Millimeter der Oberfläche heraus gebürstet, um die notwendige Griffigkeit zu erreichen.“

Der Abschnitt der A 19 werde damit zum vorzeigbaren Beispiel dieses in Österreich entwickelten Verfahrens. Im November, so sieht es der Bauzeitenplan vor, wird das beschriebene Prozedere ablaufen. Der Effekt bleibt abzuwarten, steht doch außer Frage, dass die bereits erneuerte Fahrbahn recht laut ist. „Beton ist lauter als Asphalt, daran ist nichts zu deuteln, aber auch haltbarer“, will Gampa nicht drum herumreden.

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