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Mobile Brennstoffzellen : Leiser Dauerstrom für Segelyachten

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Die Entwickler von Enerday arbeiten an einem Typ von Brennstoffzelle, mit dessen Technologie Neuland beschritten wird. Der Stromerzeuger besitze einen besonders hohen Wirkungsgrad.

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erstellt am 25.Jan.2011 | 10:11 Uhr

Was in Europa an Segeljachten mittlerer Größe an den Stegen vertäut liegt oder über die Gewässer kreuzt, hat Matthias Boltze von Geschäfts wegen interessiert. "Wir rechnen mit bis zu 300 000 Jachten in der Größe von 45 bis 60 Fuß", weiß der Geschäftsführer des Neubrandenburger Unternehmens New Enerday inzwischen.

Die Skipper sind potenzielle Kunden für die im vergangenen Jahr gegründete Firma. Während heute auf den Schiffen Dieselgeneratoren rumoren, um Strom zu erzeugen, will Boltze den Eigentümern ab dem Jahr 2013 Brennstoffzellen verkaufen, die aus Bio-Ethanol beinahe lautlos Strom erzeugen. Lediglich ein kleiner Lüfter treibt Frischluft in das innovative Aggregat.

Boltze und seine sieben Mitarbeiter wollen und können dieses Projekt aber nicht im Alleingang stemmen. Mit im Boot sitzen zwei Forschungseinrichtungen aus Mecklenburg-Vorpommern: Neben der Fachhochschule Stralsund bringt das Rostocker Leibniz-Institut für Katalyse seine Kompetenz in das Vorhaben. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) schwört auf solche Verbundprojekte. "Gerade kleine Unternehmen schrecken vor der Forschung zurück, weil ihnen die Kapazitäten fehlen", erklärt der Minister. Deswegen würden Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen gefördert - so auch die mobile Brennstoffzelle. "Wir wollen dadurch mehr Wertschöpfung und attraktive Arbeitsplätze mit Perspektive ins Land holen", begründet er. Seit 2007 habe die Landesregierung 91 Millionen Euro in insgesamt 516 Forschungsprojekte gesteckt, darunter seien auch 216 Verbundvorhaben gewesen. Die kompakten Stromgeneratoren von der Größe einer Mikrowelle und einem Gewicht von höchstens einem halben Zentner siedelt Firmenchef Boltze im "Premiumbereich" an. Gerade zu Beginn einer Entwicklung müsse solch ein Produkt aus wirtschaftlichen Gründen im höherpreisigen Bereich angesiedelt werden. "Entscheidend wird sein, dass die Kunden bereit sind, für unser Produkt zu bezahlen und ihre Jachten nachrüsten", sagt er. Im kommenden Jahr stünden bereits die ersten Praxistests mit einem Hersteller von Marine-Generatoren an. Er schätzt den Jahresbedarf auf bis zu 10 000 dieser Flüster-Generatoren. Die Produktion, so seine Vorstellung, könnte dann in Neubrandenburg erfolgen. New Enerday greift auf Grundlagen zurück, die seit 2002 bei der Entwicklung von Brennstoffzellen beim Autozulieferer Webasto gelegt wurden - unter Leitung von Matthias Boltze. Vor einem Jahr gab Webasto die Brennstoffzelle auf, Boltze wurde Firmengründer.

Die Entwickler von Enerday arbeiten an einem Typ von Brennstoffzelle, mit dessen Technologie Neuland beschritten wird. Der Stromerzeuger besitze einen besonders hohen Wirkungsgrad, weil er im Hochtemperaturbereich agiere. Dabei müsse beispielsweise das Bio-Ethanol in ein wasserstoffhaltiges Gas umgewandelt werden, aus dem bei bis zu 1000 Grad Celsius in einem elektrochemischen Prozess der Strom erzeugt werde. "Ohne Verbrennung, ohne bewegliche Teile", begründet der Geschäftsführer die Laufruhe des Aggregats. Während das Rostocker Institut die Herstellung des Gasgemisches weiterentwickle, beschäftige sich Stralsund mit der Betriebsführung der Technik. "Wenn alles passt, könnten 10 Liter Bio-Ethanol für einen zweiwöchigen Segeltörn reichen", meint Boltze.

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