Legendärer Konzertveranstalter Rau zu Gast - Start des Musikfestivals „Zappanale“ in Bad Doberan

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15. August 2008, 01:01 Uhr

Der "ehemalige linientreue Hitlerjunge" und später durch den Jazz befreite, legendäre Konzertveranstalter Fritz Rau eröffnete am gestrigen Abend die Zappanale in Bad Doberan. Mit packenden und emotionalen Stories aus 50 Jahren Backstage-Erfahrung mit Stars wie den Rolling Stones, Genesis, Tina Turner und eben Frank Zappa fesselte er das Publikum in Bad Doberans Kamp Theater.

"Wer nicht swingt, ist ein Arsch"

Erst nach 1945 musste Fritz Rau feststellen, "wer nicht swingt, ist ein Arsch". Er erlebte durch Jazz, Swing, Blues, Gospel und den daraus entstandenen Rock´n Roll seine geistige und seelische Neugeburt. Diese Symbiose aus New Orleans - afrikanische Metrik und Rhythmik sowie europäische Melodik und Harmonie - ließ Fritz Rau nicht mehr los.

Konzerterfahrung in Heidelberg

In Heidelbergs Existentialisten- und Jazz Club La Cave sammelte er in den 50er Jahren erste Konzertmanagementerfahrung. Ein Kinobesitzer lieh ihm 5000 Mark für sein erstes Vorhaben. Das Konzert war überraschend ausverkauft. Zur damaligen Zeit 1400 Besucher für ein Jazz-Konzert zu begeistern, war eine Meisterleistung. Später folgten viele ausverkaufte Veranstaltungen. "Der Ausverkauf des Konzerts ist der Orgasmus des Veranstalters". Dieses Gefühl sollte Rau 50 Jahre lang immer wieder genießen.

Dem Durchdrehen ob der Macken der Stars oft nah
Immer wieder dreht Fritz Rau nervlich durch, wenn sich die Stars verspäteten, auf die er hinter der Konzertbühne wartete. Zudem musste er dafür sorgen, dass die Musiker nicht von Anhängern in ihrer Performance gestört wurden, um ordentlich Tourneen zu spielen. Häufig wurde in den Pausen die Luft immer süßer.

An Alkohol dürfte es auch nicht gemangelt haben. So warf er 1961 in Manchaster Mick Jagger aus dem Backstage-Bereich. Dieser hatte sich zu den Stars vorgekämpft, für die Rau in Europa das "American Folk Blues Festival" organisierte. Ein Jahr später sprach Mick Jagger ihn darauf an, wie sauer er auf das "German Arschloch" gewesen war. Im Gegensatz zu Mick Jagger konnte Rau sich nicht mehr an dieses Ereignis und den jungen Mann erinnern.

Für die bewegten Zuhörer sichtbar, lebt der 78jährige Fritz Rau immer noch mit Jazz und Blues. Zu den Gitarreneinlagen seines Freundes Jürgen Schwab hielt es ihn nie ruhig auf dem Podium. Nicht nur am Anfang stand für ihn der Blues. "Blues heals the Blues" - Mit Blues könne man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der Verzweiflung ziehen. Doch den quickfidelen Fritz Rau musste er scheinbar niemals aus äußerster Verzweiflung und Depression holen.

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