Lebensretter im Anflug

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24. August 2008, 07:26 Uhr

Rostock-Laage - Nur wenige Minuten nach dem Einsatzbefehl ist „Merlin 2“ in der Luft – einer von zwei Hubschraubern der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern. Seine Heimatbasis hat er auf dem Flughafen Rostock-Laage.

Drei Besatzungsmitglieder gehören jeweils zu den beiden Eurocoptern EC 135 P2. Der Pilot ist für den Bereich der Fliegerei verantwortlich, der Flugtechniker kümmert sich unter anderem um die Funkverbindungen und der Operator ist Fachmann für die Spezialaufgaben.
Bevor „Merlin 2“ Richtung Flugziel abheben kann, steht die unmittelbare Einsatzvorbereitung an. Von der aktuellen Wetterlage bis hin zur eventuell notwendigen Zusatzausrüstung gilt es, in kurzer Zeit viele Voraussetzungen zu schaffen.

„Sicherheit ist oberstes Gebot“
Die tägliche Arbeit in der Luft wird von ständiger theoretischer und praktischer Ausbildung begleitet. „Sicherheit ist oberstes Gebot“, sagt Leiter Hans-Jürgen Klingbeil. Immer wieder werden die verschiedenen Verfahren, ob fliegerisch oder polizeilich, trainiert. Feste Crews gibt es allerdings dabei nicht.

„Alle Verfahren sind standardisiert, so ist jedes Staffel-Mitglied auf seinem Posten ersetzbar“, erklärt Pilot Uwe Hanske, mit rund 3000 Flugstunden ein sehr erfahrener Flieger. Entscheidend für den Erfolg ist außerdem die reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Polizeieinheiten.

Unfähig, sich selbst zu befreien
Zu den Aufgaben der Staffel zählen vor allem Vermisstensuche, Fahndungshilfe, Sicherung bei Veranstaltungen wie Demonstrationen oder Fußballspielen. Gerade bei der Suche nach Vermissten ist der Hubschrauber ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden, viele Menschen konnten durch seinen Einsatz überhaupt erst gerettet werden. „Mit unserer modernen Wärmebildkamera können wir aus der Luft den Kollegen am Boden genau angeben, wo sie den Gesuchten finden“, sagt Operator Matthias Klevin.

So wurde ein zeit- und orientierungsloser Mann aus einer Plauer Klinik in einem Schilfgürtel des Sees entdeckt. Vom Boot aus war er nicht zu sehen. „Wir konnten unser Polizeiboot durch das Schilf dirigieren, da wir von oben einfach die bessere Übersicht hatten“, so Klingbeil.

Lichtkegel als Hoffnungsschimmer
Erst vor wenigen Wochen wurde ein Mann aus einem Pflegeheim bei Wismar gerettet. Er stand in einem Waldgebiet, war tief im morastigen Boden eingesunken, unfähig sich selbst zu befreien. Doch der Operator sah den Rentner auf dem Monitor seiner Wärmebildkamera. Die Besatzung zögerte nicht lange und brachte ihn zurück in sein Leben.

In einem anderen Fall hatte ein zwölf Jahre altes Mädchen den Schulbus verpasst und sich selbst auf den kilometerlangen Heimweg gemacht. Im Wald verlief sie sich und wusste letztlich nicht mehr wohin. Der Suchscheinwerfer des Hubschraubers war für sie der Hoffnungsschimmer, denn wo Licht ist, da müssen auch Menschen sein. Sie lief auf den Lichtkegel zu und konnte von der Besatzung des Hubschraubers gerettet werden.

Die Liste dieser Einsätze ist lang. Geflogen wird bei fast jedem Wetter. „Probleme machen uns eigentlich nur dichter Nebel und Schneegestöber. Gewitter sind mit ihren Sturmböen allerdings auch sehr tückisch“, so Pilot Hanske.

Koordination vom Himmel
Das Aufgabenspektrum für die Polizisten in der Luft sind sehr vielfältig. „Wir sind auch Servicedienststelle für andere Polizeieinheiten“, sagt Hanske. „Wir können zum Beispiel dem Polizeiführer bei einer Demo eine Übersicht verschaffen, die er von unten nicht hat.“ Die Luftaufnahmen landen per Funk direkt in der Führungsstelle. „Oder wir bringen den Hundeführer samt Tier direkt an die Einsatzstelle, schneller als mit dem Streifenwagen.“

Neben der Polizeiarbeit sind die Besatzungen auch für den Seeflug ausgebildet. Sie können die Rettungskräfte auf der Ostsee oder dem Bodden unterstützen. So ist „Merlin 1“ mit einer Seilwinde ausgerüstet, mit der zum Beispiel ein Notarzt auf einem Schiff abgesetzt werden kann.

Schichtdienst im Hangar
Nach dem Flug wartet die Schreibtischarbeit, dazu gehören Flug- und Polizeibericht. Eingesetzt sind die Crews in Früh- und Spätschicht – von 9 bis 17 Uhr sowie von 17 bis 1 Uhr. Die Zeit zwischen den Schichten wird durch die Bereitschaft der Frühdienste abgesichert. Einen wesentlichen Teil der Wartung führen die Techniker der Staffel selbst aus. Sie sind speziell qualifiziert und haben die Berechtigung, entsprechende sicherheitsrelevante Freigaben nach Reparaturen zu erteilen.

Polizei der Lüfte
Im Mai 1999 wurde die Hubschrauberstaffel auf dem Gelände des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff“, Fliegerhorst Laage, in Dienst gestellt. Eine Frau und 17 Männer gehören zum Team um Staffelleiter Hans-Jürgen Klingbeil: sechs Piloten, fünf Flugtechniker und vier Operatoren. Eine Verwaltungsbeamtin, ein Techniker und ein Logistikbeamter komplettieren die Staffel.

Das Team untersteht der Wasserschutzpolizei Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst das Bundesland sowie das deutsche Küstenmeer. Zu ihren Einsatzgebieten gehören Aufklärungs-, Fahndungs- und Umweltschutzmaßnahmen und die Dokumentation mittels Foto- und Videotechnik. Such-, Rettungs- und Bergungseinsätze zählen zum Alltag wie Transport- und Verkehrsüberwachungsflüge.

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