Lebensretter gesucht

Maren auf dem Schoß ihrer Schwester: Die Zweijährige ist lebensbedrohlich erkrankt und liegt inzwischen in der Berliner Charité.
Maren auf dem Schoß ihrer Schwester: Die Zweijährige ist lebensbedrohlich erkrankt und liegt inzwischen in der Berliner Charité.

Die Diagnose traf die Familie wie ein Schlag. Die zweijährige Maren aus Stavenhagen leidet an einem schweren Immundefekt. Ihre einzige Überlebenschance ist die Übertragung von Stammzellen eines gesunden Menschen. Jetzt haben 50 Bürger aus der Reuterstadt gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Aktion "Hilfe für Maren und andere" ins Leben gerufen. Gesucht werden Stammzellspender.

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13. Dezember 2008, 06:33 Uhr

Seit zwei Wochen ist der schlimme Verdacht Gewissheit. Marens kleiner Körper kann kaum noch Krankheiten abwehren. Ihr Immunsystem lässt sie im Stich. Jetzt liegt sie in der Berliner Charité, abgeschirmt von der Außenwelt, damit sie sich nicht ansteckt. Ihre Mutter wacht ständig an ihrer Seite, ihr Vater kommt dazu, so oft er kann. Die kommenden Monate wird Maren das sechs Quadratmeter große sterile Zimmer nicht verlassen dürfen. Noch gehe es dem lebensbedrohlich erkrankten Kind den Umständen entsprechend gut, berichtet Marens Physiotherapeutin aus Stavenhagen, Karin Bahlke. Doch die Zeit drängt. "Das Mädchen braucht dringend eine Stammzellspende", sagt sie.

Gemeinsam mit 50 Mitstreitern aus Stavenhagen und der DKMS hat Karin Bahlke deshalb die Aktion "Hilfe für Maren und andere" zur Gewinnung neuer Stammzellspender aus der Taufe gehoben. Mit "andere" sind vor allem Leukämiekranke gemeint, für die eine Übertragung von Stammzellen oft ebenfalls die einzige Überlebenschance ist.

Hintergrund: Für eine erfolgreiche Transplantation müssen die Gewebemerkmale des Spenders nahezu vollständig mit denen des Patienten übereinstimmen. Nur etwa 30 Prozent der Erkrankten finden diesen Glücksfall in der eigenen Familie. Maren gehört leider nicht dazu: Medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass sie unter ihren Angehörigen keinen Lebensretter finden wird. Sie ist auf fremde Hilfe angewiesen.

Die Suche nach dem genetischen ZwillingDie Wahrscheinlichkeit, irgendwo auf der Welt einen genetischen Zwilling zu finden, liegt allerdings zwischen 1 zu 20 000 und 1 zu mehreren Millionen. Die Initiativgruppe aus Stavenhagen, der sich auch sieben Arztpraxen angeschlossen haben, plant deshalb am 20. Dezember eine so genannte Typisierungsaktion in der Reuterstadt. Dabei können sich Bürger fünf Milliliter Blut abnehmen lassen, das anschließend im Labor auf Gewebemerkmale hin untersucht und zugeordnet (typisiert) wird. Auch in Rostock gibt es am 21. Dezember eine Typisierungsaktion, die Marens Patentante aus der Hansestadt ins Leben gerufen hat. Die an den beiden Tagen gewonnenen Daten werden an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland in Ulm weitergeleitet. Kommt jemand als Spender infrage, folgen weitere Untersuchungen - und möglicherweise die lebensrettende Übertragung von Stammzellen.

Jeder, der sich typisieren lässt, sei eine Chance für Maren und für die Patienten weltweit, sagt Nina Pries von der DKMS. Bei der gemeinnützigen Gesellschaft sind bereits mehr als 1,8 Millionen potenzielle Spender registriert. Dennoch wartet bislang noch jeder fünfte Patient vergeblich auf einen geeigneten Spender.

Um Unterstützer wirbt auch Stavenhagens Bürgermeister Bernd Mahnke, der die Schirmherrschaft für die Aktion zur Rettung von Maren übernommen hat. "Schnelle Hilfe ist hier notwendig, entweder durch Spender einer Blutprobe oder durch Geldspenden für die Kosten der Typisierung", sagt Mahnke.

Die Kommune selbst hat bereits die ersten 1000 Euro überwiesen, Abgeordnete der Stadtvertretung haben ihr Sitzungsgeld zur Verfügung gestellt. Mahnke hofft, dass Stavenhagen für Maren das erreicht, was es schon einmal für ein anderes Kind geschafft hat: Im Jahr 1995 brachten die Bürger der Stadt 25 000 Mark an Spenden für einen leukämiekranken Jungen aus der litauischen Partnerstadt Silale auf. Er wurde gerettet.

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