Lebensgefahr im Urlaubsland MV

Vom „Tor zur Welt“ zu Deutschlands größter Insel – auf dem Radfernweg Hamburg-Rügen soll das möglich sein. Doch die 500 Kilometer lange Strecke, die auch durch Schlagsdorf, Groß Molzahn und Warin führt, ist gefährlich. Nordwestmecklenburger um den stellvertretenden SPD-Kreistagspräsidenten Dieter Deutsch starten deshalb eine Unterschriftenaktion.

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01. Oktober 2008, 06:22 Uhr

Nordwestmecklenburg - Dieter Deutsch und seine Mitstreiter haben schon lange den Eindruck, dass das Verkehrsministerium ihre Wariner Region in Sachen Radwegenetz sträflich vernachlässige. „Wir fühlen uns wie das fünfte Rad am Wagen. Muss erst ein Unfall geschehen, damit im Ministerium die Notwendigkeit für einen Fuß- und Radweg klar wird?“, fragt der stellvertretende SPD-Kreistagspräsident Dieter Deutsch.

Unterschriftenaktion gestartet

Dass ausgerechnet ein Sozialdemokrat diese Frage aufwirft, hat eine gewisse Brisanz. Denn Deutsch nimmt einen Parteifreund in die Pflicht: Volker Schlotmann. Er soll künftig den Posten des Verkehrsministers besetzen. Und während der designierte Ministerpräsident Erwin Sellering dies gestern offiziell bekannt gab, kündigte Deutsch fast zeitgleich eine Unterschriftenaktion für den Radwegbau von Ventschow nach Warin an. Denn dort müssen sich Fußgänger und Radfahrer eine 5,10 schmale Landesstraße mit Autos und Lastern teilen – Lebensgefahr.

Gleiches gilt für den Abschnitt im Bereich Groß Molzahn. „Wer als Radtourist von Hamburg nach Rügen will und diesen Bereich meistert, scheint ein Überlebenskünstler zu sein“, verdeutlicht Volker Jödicke. Er war einst Leiter der Lokalen Aktionsgruppe Schaalsee und damit auch mit den Radwegplanungen befasst. Jödicke fällt ein vernichtendes Urteil: „Statt Sicherheit gibt es Hochglanzbroschüren als Werbematerial. Diese Strecke ist vom grünen Tisch aus geplant worden, ohne sie genügend mit den Kommunen abzustimmen.“

Bereits 2005 hatten Deutsch und seine Mitstreiter auch auf die Gefahren auf der Landesstraße 031 hingewiesen. Sie schalteten das Straßenbauamt Schwerin ein, das Wirtschaftsministerium und auch Ministerpräsident Harald Ringstorff. „Die Situation ist weiterhin lebensbedrohlich“, sagt Deutsch. Was ihn wütend macht, ist, dass einerseits Fußgänger und Radfahrer in Nordwestmecklenburg in Gefahr seien und andererseits Steuergelder in Höhe von 520 000 Euro für ein Wallenstein-Projekt ausgegeben werden sollen. Er kündigte gestern als erstes SPD-Mitglied öffentlich sein Nein bei einer möglichen Wallenstein-Abstimmung im Kreistag an. „Die Menschen vor Ort haben kein Verständnis dafür, dass möglicherweise Millionenbeträge für ein Projekt ausgegeben werden, das letztlich nur einer elitäre Schicht dienen würde.“


Warnung ist Fehlanzeige


Etwa 500 Kilometer ist der Radfernweg Hamburg-Rügen lang. Er führt u. a. durch Lauenburg, Mölln, Schwerin, Warin, Bützow, Demmin, Stralsund, Bergen und Sassnitz. Er verbindet also die Millionenstadt Hamburg mit dem Nationalpark Jasmund – und von Touristikern in MV wird er in höchsten Tönen gelobt. Nur Warngungen sind Fehlanzeige.
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