Lebensader ist im Mai für drei Wochen beim TÜV

Für Manfred Ickert bedeuten drei Wochen Fährausfall deutlich höhere Personalkosten und riesige Umwege. Seine Forderung lautet:  Neu Darchau muss eine Ersatzfähre stellen. Foto: Alexander Landsberg
Für Manfred Ickert bedeuten drei Wochen Fährausfall deutlich höhere Personalkosten und riesige Umwege. Seine Forderung lautet: Neu Darchau muss eine Ersatzfähre stellen. Foto: Alexander Landsberg

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17. April 2008, 08:04 Uhr

Darchau - Die Fährverbindung zwischen Darchau und Neu Darchau ist die Lebensader, die Pendler, Schüler und Touristen auf das jeweils andere Elbufer bringt. Doch ab dem 13. Mai geht nichts mehr. Denn alle fünf Jahre muss die „Tanja“ ins Trockendock nach Lauenburg und einen Komplettcheck, den Schiffs-TÜV, durchlaufen. Das Ganze soll drei Wochen dauern.

Für Manfred Ickert ist der Ausfall der Elbfähre nach Neu Darchau eine Farce. Es sei unglaublich, wie Neu Darchau mit den hohen Fähreinnahmen seinen Haushalt saniere und jetzt den Fährbetrieb einfach mal für drei Wochen einstelle, schimpft der Unternehmer und Ratsmitglied im Amtes Neuhaus. „Wer ein Fährrecht besitzt, hat auch eine Verpflichtung“, sagt Bäckermeister Manfred Ickert. Für ihn bedeutet das enorme Umwege und vor allem höhere Personalkosten, starten seine mobilen Verkaufsstationen doch normalerweise in Neu Darchau.

Vier Mal wöchentlich müssen seine Mitarbeiter nun 70 Kilometer Umweg fahren. „Die Gemeinde hat das Fährrecht und muss ganz einfach eine Ersatzfähre stellen“, fordert er. Doch das stößt in Neu Darchau auf grundlegende Ablehnung.

Er habe alle Möglichkeiten bezüglich eines Ersatzes geprüft. Doch der Ausfall der Verbindung sei nicht zu ändern, sagt dazu der Neu Darchauer Bürgermeister Ralf Hinneberg und begründet die Entscheidung mit organisatorischen wie auch finanziellen Gründen. So seien die Mitarbeiter des Fährbetriebes mit den Reparaturen in der Hitzlerwerft in Lauenburg voll ausgelastet, die Gemeinde müsste für eine Ersatzfähre aber auch das Personal stellen, so Hinneberg.

Würden die Kräfte in Lauenburg abgezogen, stiegen die Kosten der Wartung, die fast 150000 Euro betragen, noch deutlich an. Das sei nach Hinneberg nicht hinnehmbar. „Wir müssen auch rechnen“, sagt er. Außerdem seien während der Reparatur Pflasterarbeiten an der Anlegestelle vorgesehen, die nicht bei laufendem Fährbetrieb möglich seien.

Eine Ersatzfähre wäre für 25000 Euro zu haben

Der Bürgermeister des Amtes Neuhaus, Dieter Hublitz, kann die ganze Situation so nicht nachvollziehen und fordert wie Manfred Ickert eine Ersatzfähre, die für 25000 Euro sogar verfügbar sei, wie Hublitz sagte. Es sei ja nicht so, dass das Ganze plötzlich eintrete und kurzfristig nichts anderes außer der Komplettausfall des Fährbetriebes möglich wäre.

Denn, dass die Fähre alle fünf Jahre zum TÜV müsse, sei vorhersehbar gewesen. Doch hier werde bewusst nach Gründen gesucht, sich das Geld für eine Ersatzfähre zu sparen. Auch das Argument, die Pflasterarbeiten lassen keinen Fährbetrieb zu, lässt Hublitz nicht gelten. „Die Gemeinde Neu Darchau hat zwei Anlegestellen“, sagt er verständnislos.

Die Situation mache das Grundproblem wieder deutlich. Es fehle eine Brücke, so Hublitz.
Betroffen von der TÜV bedingten Wartung ist nicht nur Unternehmer Manfred Ickert, sondern auch zahlreiche Berufsschüler, die nach Dahlenburg und damit einen mehrstündigen Umweg mit dem Fährersatzverkehr auf sich nehmen müssen.

Bürgermeister: Einige Betroffene nehmen sich sogar Urlaub

Es sei kaum zumutbar, dass ein Schüler erst mit dem Bus nach Lüneburg fährt, um dann auf eine Linie Richtung Dahlenburg umzusteigen, sagt Dieter Hublitz. „Wann müssten sie dann morgens aufstehen, um rechtzeitig anzukommen?“, sagt der Bürgermeister. Einige Menschen, die auf der anderen Seite arbeiten, nähmen sich für den Reparatur-Zeitraum sogar Urlaub, so Hublitz.

Überprüft werde momentan auch der Vorschlag des Amtes Neuhaus, als Ersatz für den Fährbetrieb die Flöße vom Haus des Gastes für den Personenverkehr zu verwenden. Dies würde die Situation, besonders für die Berufsschüler, deutlich entlasten. Von morgens bis abends könnte dann fast ohne Einschränkungen der Personentransport funktionieren. Der Landkreis würde dann den Ersatzverkehr über Lauenburg einstellen. Doch noch lege keine Genehmigung durch das Wasser- und Schifffahrtsamt sowie der Gemeinde Neu Darchau vor.

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