Lautstarke Schuldemo verhallt

Mit lautstarkem Protest haben sich am Mittwoch vor dem brandenburgischen Landtag rund 500 Menschen gegen Schulschließungen in ihrer Region gewehrt. Im Mittelpunkt stand dabei das Gymnasium in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin), dem das Bildungsministerium die Einrichtung siebter Klassen versagt.

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28. Mai 2008, 08:55 Uhr

Potsdam - Die Schule bringt für das kommende Schuljahr nicht die Mindestzahl von 54 Schülern zusammen. Die deshalb drohenden dreistündigen Schulwege seien für die Kinder unzumutbar, sagte Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann (parteilos) und kündigte eine Volksinitiative an. Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) verteidigte seine Position.

Die Entscheidung, keine siebten Klassen in Wittstock neben Treuenbrietzen und Bad Freienwalde zuzulassen, sei nach einem ordnungsgemäßen Verfahren getroffen worden, sagte Rupprecht, der sich den aufgebrachten Demonstranten stellte. In diesem Jahr könne daran nichts mehr geändert werden, für Wittstock und Treuenbrietzen bestehe jedoch die Aussicht, im nächsten Jahr wieder genügend Schüler zu haben und dann ihre Gymnasien fortzuführen. Er müsse verlässlich bleiben, argumentierte Rupprecht. Sonst „hangele“ er sich demnächst von Ausnahme zu Ausnahme. Die hatte er unter anderem der Oberschule Glöwne zugesichert, die aber genügend Anmeldungen erhielt.

Mit dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin werde derzeit eine „Optimierung des Schülerverkehrs“ für die Wittstocker Gymnasiasten überlegt, sagte Rupprecht nach der Demonstration in der Fragestunde des Landtages.

Würden weniger als die 54 Schüler für siebte Klassen an Gymnasien zugelassen, gefährde dies das von der Kultusministerkonferenz vorgeschriebene Kurssystem und die Qualität des Unterrichts, meinte der SPD-Politiker. Vor der Entscheidung seines Ministeriums habe sich niemand an den Regeln gestoßen, und immerhin hätten 70 von 73 Gymnasien die Voraussetzungen erfüllt. An die Demonstranten gewandt, bemerkte Rupprecht: „Mir fehlt der selbstkritische Ansatz.“

Gehrmann reagierte mit Unverständnis. „Da geht mir der Hut hoch.“ Bereits im vergangenen Jahr sei dem Bildungsministerium ein Konzept übergeben worden, wie das Kurssystem auch mit 40 Schülern hätte umgesetzt werden können. Das Wittstocker Gymnasium hat derzeit 42 Schüler für den Übergang zur siebten Klasse. Er kündigte eine Volksinitiative zur Erhaltung von Schulen im ländlichen Raum an, die auch die CDU unterstützen will.

Ein Teil der in Wittstock abgewiesenen Schüler fahren nun zum Gymnasium Pritzwalk, das deshalb mehr 7. Klassen bildet.

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