Kleefeld : Landwirte heizen ihren Gutshof mit Holz

Brennstoff, der nachwächst: Marcus-Sebastian Schaper  zeigt die Weidenstecklinge,  von  denen jetzt tausende ausgepflanzt  wurden. Sein Vater Gösta Schaper zeigt die Hackschnitzel, mit denen das Blockheizkraftwerk befeuert wird.  Werner Mett
Brennstoff, der nachwächst: Marcus-Sebastian Schaper zeigt die Weidenstecklinge, von denen jetzt tausende ausgepflanzt wurden. Sein Vater Gösta Schaper zeigt die Hackschnitzel, mit denen das Blockheizkraftwerk befeuert wird. Werner Mett

In Sachen Energieerzeugung brauchten die Schapers vom Gut Kleefeld bei Cambs nicht lange zu suchen, um auf dem eigenen Hof Ressourcen zu finden, die für nachwachsenden Rohstoffen in Frage kommen: Holz.

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16. Mai 2012, 12:12 Uhr

Kleefeld | Die Energiewende im Großen kann nur funktionieren, wenn viele Projekte im Kleinen auf die Beine gestellt werden. Davon sind Gösta und Marcus-Sebastian Schaper vom Gut Kleefeld bei Cambs überzeugt - und Vater und Sohn tun selbst etwas dafür. Denn als Landwirte fühlen sie sich der Natur verbunden, ihnen liegt nachhaltiges Wirtschaften am Herzen. "Wir haben ganz bewusst nach einem Projekt gesucht, das zu unserem Betrieb passt", erzählt Marcus-Sebastian Schaper, der als Betriebsleiter Gut Kleefeld führt. 650 Hektar Acker, Grünland und Wald gehören zum Gut. Raps und Weizen sind die beiden Hauptfrüchte bei dem reinen Pflanzenbaubetrieb. Nutzvieh gibt es hier nicht. "Wir verfügen also weder über Gülle oder Mist, um eine Biogasanlage zu füttern. Und dafür extra Mais anbauen, das wollen wir auch nicht" , berichtet der 35-Jährige. Aber Schapers brauchten auch nicht lange zu suchen, um auf dem eigenen Hof Ressourcen zu finden, die für die Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen in Frage kommen: Holz. "Wir werden natürlich dafür nicht extra den Wald fällen", betont Marcus-Sebastian Schaper. Doch allein beim Schreddern von Totholz und von Astwerk aus Baumkronen kamen im zurückliegenden Winter 800 Schnittraummeter Hackschnitzel zusammen. Damit können das Kleefelder Gutshaus, zehn Wohnungen auf dem Hof und die angrenzende Gaststätte zwei Jahren lang beheizt werden. "Natürlich bei normalen Wintern", betont Gösta Schaper.

Und natürlich mussten dazu erst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Schapers haben sich für ein kompaktes Blockheizkraftwerk made in Finnland entschieden und auf dem Hof aufstellen lassen. Zu den Gebäuden mussten Leitungen verlegt werden, die Heizungsanlagen waren umzustellen. "Seit dem 20. Februar heizen wir mit Hackschnitzeln", berichtet Marcus-Sebastian Schaper. Bislang läuft alles reibungslos. Zur Sicherheit blieben jedoch die alten Heizungssysteme auf Gas- und Ölbasis erhalten. Doch die sollen wirklich nur im Notfall anspringen - und nicht etwa, weil das Holz ausgeht.

Um das zu gewährleisten, ließen Schapers jetzt eine Weidenplantage anlegen. Auf einer Ackerfläche von zehn Hektar wurden mit Hilfe einer Spezialmaschine Weiden gesteckt - keine kleinen Bäume, sondern etwa zehn Zentimeter lange Stöcke speziell gezüchteter Weiden, die Wurzel schlagen und kräftig austreiben sollen. "13 000 solcher Stecklinge passen auf einen Hektar", erläutert Marcus-Sebas tian Schaper. Wenn alles planmäßig läuft, kann in drei Jahren das erste Mal auf der Plantage geerntet werden: mit einem Häcksler. Bis zur nächsten Ernte vergehen dann weitere drei Jahre. Übrigens wurde für die Weidenplantage ein steiniges und hügeliges Stück Land ausgewählt, auf dem Feldarbeiten nur schwer möglich sind. "Wenn die Plantage den erhofften Ertrag bringt, haben wir mehr Hackschnitzel zur Verfügung, als wir verheizen können", berichtet Gösta Schaper. Dann können die Hackschnitzel verkauft oder weitere Gebäude in Kleefeld mit ans Heizungsnetz angeschlossen werden. Doch das ist Zukunftsmusik.

Aktuell sind Schapers mit einer Investition von rund 150 000 Euro erst einmal in Vorleistung gegangen. Diese soll sich in acht bis zehn Jahren bezahlt gemacht haben. Schon jetzt profitieren aber nicht nur die Hausherren, sondern auch die Mieter auf dem Gutshof davon: Die Heizkosten sind dank der Verwendung des Holzes deutlich gesunken.

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