Landratswahl im Kreis Güstrow: Siegen im Fünf-Minuten-Takt

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20. April 2008, 08:27 Uhr

Bützow/Güstrow - Wilhelm Wendorf sitzt allein im großen Raum des Kreishauses. Hier können Bürger die Auszählung der Stimmen an einer Leinwand verfolgen. Wendorf war mal Sachgebietsleiter beim Landkreis. Die Wahl interessiere ihn. Bis 18.22 Uhr bleibt er allein. Lutz da Cunha hat die ersten Wahlbezirke gewonnen. „Ich bin für meinen alten Chef“, sagt Wendorf. „Neue Besen kehren gut – aber sie wissen nicht, wo der Dreck ist.“

Den alten Landrat will die Mehrheit der Wähler. Lutz da Cunha blickt im Güstrower „Hansabad“ gebannt auf eine Leinwand. Wie lang sind fünf Minuten? Immer wieder fragt jemand. „Eine Zigarette lang“, sagt der 51-Jährige. Alle fünf Minuten werden die Daten aktualisiert. Da Cunha raucht viel. Noch am Tage war er zum Segeln auf dem Inselsee. „Bevor ich zu Hause im Kreis laufe.“ Nur 18 Leute sind im Hansabad, zum Feiern werden es mehr.

Da Cunha ist nervös, nippt am Bier – 53 Prozent, 55, 57, noch will er nicht jubeln. Das Handy klingelkt immerfort. „Danke, Uwe“, sagt er zu Laages Bürgermeister Heinze. Der war im Wahlkampf keine große Hilfe. Dann die Erlösung, das Wahlergebnis steht. Lutz da Cunha nimmt Frau und Söhne in den Arm, jeden, der es will. Die meisten wollen. „Wir haben einen engagierten Wahlkampf gemacht“, sagt der Güstrower. Die wählenden Menschen hätten das honoriert. Heute wird der Landrat 52. „Wir werden wohl reinfeiern.“

Dicke Luft herrscht in der Güstrower Geschäftsstelle der CDU. Kaum noch Sauerstoff im kleinen Raum. Eine Party hat Kandidat Manfred Wimmer (parteilos) gar nicht erst bestellt. Er hat verloren, das erkenne er an. Wimmer telefoniert im Flur, die CDU-Leute muntern sich nebenan auf. „Für uns ist das ein gutes Ergebnis“, versucht sich Kreischef Torsten Renz in positiver Deutung. „Ein Armutszeugnis für den Amtsinhaber...“ Wimmer ist realistischer. „Das Ziel ist nicht erreicht“, sagt er. Er habe wirklich etwas verändern wollen. Die Zeit für mehr sei zu kurz gewesen: Unterm Strich haben ihn kaum mehr Menschen gewählt als vor zwei Wochen.

Dem Landkreis Güstrow wolle er verbunden bleiben. „Es war eine schöne Zeit“, so Wimmer. Eine versprochene Benefiz-Veranstaltung für das Barlachtheater und ein Fußballspiel Hansa Rostock gegen eine Kreisauswahl für die Sportförderung werde es trotz Niederlage geben. Für ein politisches Amt wolle er hier aber „nicht mehr“ kandidieren.

Nur 23 Prozent Wahlbeteiligung – eine Sorge teilen Sieger und Verlierer. Wäre sie ähnlich hoch bei den Kommunalwahlen 2009, „werden wir wohl NPD-Bürgermeister haben“, erklärt da Cunha. „Das sehe ich auch so“, so Wimmer. Demokraten müssen zusammenrücken.

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