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19. August 2017 | 05:51 Uhr

Landkreise buhlen um Arbeitslose

vom

Prignitz | Weiter in der Schwebe ist die künftige Betreuung der Hartz IV-Empfänger. Der Landkreis strebt die alleinige Betreuung, das so genannte Optionsmodell, an und nach einer nicht öffentlichen Informationsveranstaltung in dieser Woche, setzt sich diese Meinung auch bei einigen Kreistagsfraktionen durch. Bisher übt der Kreis die Betreuung in der Arge zusammen mit der Agentur für Arbeit aus.

Torsten Uhe, erster Beigeordneter des Landrates, ist ein Verfechter der Option und führte im jüngsten Sozialausschuss mehrere Argumente dafür an. "Die Option gibt uns Gestaltungsfreiräume, die die zentralisierte Agentur nicht hat und nicht habe kann", sagt er. Mit Blick auf andere Kreise fragt Uhe provozierend: "Warum wohl will keiner der bisher 69 Optionskreise dieses Modell nach fünf Jahren wieder abgeben, obwohl sie es könnten?" Genauso auffallend sei bundesweit das riesige Interesse an diesem Modell. Nur 41 Kreise dürfen hinzu kommen, aber viel mehr bewerben sich. In Mecklenburg-Vorpommern, wo nur Ostvorpommern (OVP) bisher im Optionsmodell arbeitet, seien die Begehrlichkeiten besonders groß. "Doch auch OVP will die Option nicht abgeben", sagt Uhe.

Fest steht, dass bei der anstehenden Verteilung durch das Bundesministerium in Brandenburg maximal zwei weitere Kreise den Zuschlag erhalten. Die Prignitz habe gute Chancen, so Uhe. Für den Kreis spreche unter anderem die sehr gute Umsetzung des Programms Kommunalkombi. Bundesweit hatte die Prignitz damit einen der vorderen Plätze belegt. Aber auch die langjährigen Erfahrungen bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen seien ein Pluspunkt. Uhe verweist auf das einst hier entwickelte Fünf-Säulen-Programm und auf andere kreisliche Projekte wie das Regionalbudget.

Der Landkreis Oberhavel nahm in dieser Woche an der Informationsveranstaltung in Perleberg teil und rät ebenfalls ohne Wenn und Aber zur Option: "Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Sozialdezernent Michael Garske, und weiter: "Ohne Partner können wir zügig über Kreistag und Landrat agieren. Das halte ich für besonders wichtig." Der Kreis und die mit einbezogenen Kommunen mögen dieses Modell nicht mehr missen, so der Dezernent.

Doch nicht nur Kreise werben für die Option. Auch von dritter Seite kommt immer häufiger Zuspruch, selbst die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber (BDA) lobt das Modell. In einer Stellungnahme heißt es: "Deshalb begrüßt die BDA, dass die Zulassung der alleinigen Aufgabenwahrnehmung durch die bisherigen Optionskommunen dauerhaft fortgeführt wird und ihre Zahl ausgeweitet werden soll." Kommunen könnten schneller und mit besser zugeschnittenen Maßnahmen die Langzeitarbeitslosen unterstützen. Und sie können das zu einem frühen Zeitpunkt, an dem eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt noch gar nicht realistisch sei.

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erstellt am 27.Aug.2010 | 06:36 Uhr

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