Landkreis verliert Altpapier an private Anbieter und informiert Bürger über Folgen

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13. August 2008, 06:53 Uhr

Prignitz - Becker Umweltdienste aus Wittenberge und die Veolia GmbH aus Berlin bieten erfolgreich die blaue Tonne an. Monat für Monat stehen sichtbar mehr am Abholtag vor Prignitzer Häusern. „Der Fakt stimmt und das Papier in unseren Containern nimmt ab“, bestätigt Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft im Landkreis.

Der hat sich mit seinem Vertragspartner, die Mitteldeutsche Logistik GmbH (MDL), gegen die Tonne entschieden, hält am Containersystem fest. Der gestern als Hauswurfsendung verteilte Flyer informiere nochmals über die Vorteile der kreislichen Entsorgung. „Bei der Kalkulation der Abfallgebühren werden die Erlöse kostenmindernd eingesetzt“, heißt es darin.

Und aus Sicht von Andreas Much ist die Summe beachtlich: „Jährlich können wir 370 000 Euro durch das Altpapier einnehmen“, sagt er. Selbst wenn das nicht zu einem Sinken der Müllgebühr führen sollte, wirke die Summe zumindest stabilisierend, verhindere eventuell ein nochmaliges Ansteigen nach den zurückliegenden Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich.

Sinke das Papieraufkommen weiter, drohe ein Verlust dieser Einnahmen, schlimmstenfalls gar eine Vertragsstrafe. Jährlich müsste die MDL 3300 bis 4900 Tonnen Papier erhalten. „Noch liegen wir in der Mitte dieses Korridors, aber schon unter 4000 Tonnen“, erläutert Much die Dramatik.

Für den Perleberger Hans-Otto Rülker reagiert der Landkreis einfach zu unflexibel. Auf der einen Seite verschickt er Flyer, bettele förmlich um jedes Kilo Altpapier, auf der anderen Seite fordert er die Bürger auf, in Containern zu entsorgen, die fern ab von Gut und Böse stehen. Konkret spricht er jenen am ehemaligen Eierlager vis a vis des Kompostierplatzes des Perleberger Stadtbetriebshofes an.

Er sehe gepflegt und ordentlich aus, einzig die Papiercontainer seien leer bzw. es dauere lange, bis es sich lohne, sie abzuholen, so Rülkers Beobachtungen. Warum reagiert der Landkreis nicht, und nutzt eigene Flächen, wie in der Reetzer Straße beim ehemaligen Krankenhaus, um bürgerfreundlich auch Papiercontainer vorzuhalten?, fragt Rülker. Wenn die blaue Tonne vor der Tür steht, überzeuge ein Flyer, längere Wege in Kauf zu nehmen, wenig.

„Wir betteln nicht“, entgegnet Much. Mit dem Flyer komme der Landkreis seiner Informationspflicht nach. „Wir müssen und wollen den Bürgern die Situation erklären“, sagt Much. Die vielen Anfragen zeigen die Unsicherheit der Bürger. „Nicht jeder liest Zeitung, also informieren wir zusätzlich auf diesem Wege.“

Derzeit wolle und könne der Landkreis sein Entsorgungssystem gar nicht ohne weiteres ändern. Zunächst wolle man das Urteil des brandenburgischen Oberverwaltungsgerichts abwarten, ob die privaten Entsorger zulässig seien. Bisher gebe es bundesweit unterschiedliche Urteile zu diesem Thema. Das jüngste betrifft Hamburg und stärkte die Kommune, informiert Much. In Brandenburg werde das Urteil im Frühherbst erwartet.

Sollten die Richter gegen den Kreis und für die privaten Anbieter entscheiden, schließe der Landkreis eine Überprüfung des gegenwärtigen Entsorgungsvertrages nicht aus. Das Ergebnis sei jedoch offen. „Für den Fall, dass wir als Kreis ebenfalls eine blaue Tonne anbieten, wäre das eine wesentliche Änderung des Vertrages. Und die ist dann ausschreibungspflichtig“, nennt Much einen Grund, warum der Landkreis anders als von Hans-Otto Rülker gefordert nicht umgehend flexibel reagieren könne.

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