Land soll Deponie schließen - Lübeck macht Druck: Genauere Untersuchungen über Risiken gefordert

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18. Juli 2008, 06:26 Uhr

Schwerin - „Man hat seit Beginn geahnt, dass das was nicht stimmt, die Studie kann man nicht wegdiskutieren“, sagt Barbara Scheel von der Lübecker SPD. Wissenschaftler der Uni Greifswald fanden heraus, dass für Mitarbeiter der Deponie ein erhöhtes Krebsrisiko besteht. Die registrierten Krebserkrankungen zwischen 1983 und 2004 lagen um 80 Prozent über dem statistisch zu erwartenden Wert.

„Die Deponie soll so lange stillgelegt werden, bis eine Gefährdung für Anwohner ausgeschlossen werden kann“, fordert Bernd Saxe, Bürgermeister des nur 15 Kilometer entfernten Lübeck. Menschen wohnen nur 300 Meter von der Deponie entfernt. Zwar gebe es bisher keine Hinweise auf Erkrankungen bei den Anwohnern, doch wurde festgestellt, dass krebserregende Stoffe austreten. Auch eine mögliche Gefährdung des Grundwassers soll weiter untersucht werden.

Damit erhält auch die Bürgerinitiative „Stoppt die Deponie Schönberg“ mehr politische Fürsprecher. Sie setzt sich schon seit Jahren für eine komplette Schließung der Deponie ein. „Wir vermissen aber politische Unterstützung in MV, die Parteien halten sich da raus“, klagt Hedlef Uilderks von der Initiative. Pikant: Der Linke-Fraktionschef und ehemalige MV-Umweltminister Wolfgang Methling äußerte, er halte eine Schließung „weder ökologisch noch ökonomisch für gerechtfertigt“.

„Dass ein ehemaliger Umweltminister in diesem Zusammenhang von Ökologie spricht, halte ich schon für sehr verwegen“, sagt Uilderks. „Jemand, der sich öffentlich für Nachhaltigkeit und Sicherheit stark macht, aber den Mülltourismus gefördert hat, wirkt unglaubwürdig.“ Methling war als Umweltminister Gesellschafter der Deponie.

Anfang August soll im Beirat – bestehend aus Vertretern vonWirtschafts- und Sozialministerium, der Deponie und der Gesellschaft für Abfallwirtschaft – beraten und weitere Untersuchungen anberaumt werden, unter anderem eine toxikologische Untersuchung, die festellen soll, in welchen Arbeitsbereichen Belastungen vorliegen. Es gebe aber nach übereinstimmender Ansicht der Beteiligten über die vorgesehenen Maßnahmen hinaus keinen Anlass für sofortige Änderungen im Betrieb, heißt es in einer Erkärung.

Hedlef Uilderks kennt dieses zögerliche Verhalten. „Seit Jahren sagen Politiker, es ist alles okay. Jeden Tag, mit dem hier weitere Giftstoffe austreten, steigt das Risiko für künftige Mitarbeiter – ich würde gerne wissen, ob Herr Ringstorff oder Herr Seidel dafür die Verantwortung übernehmen wollen. Sie ziehen sich hinter die nächste Untersuchung zurück.“

Dabei komme es gerade bei der nötigen toxikologischen Untersuchung auf schnelles Handeln an, je weiter die Untersuchung verschoben werden, desto schwieriger sei ein möglicher Zusammenhang zu belegen, so Uilderks.

Offen ist dabei auch die Frage der Finanzierung weiterer Untersuchungen. Im Umweltrecht gelte das Verursacherprinzip, so Bürgermeister Bernd Saxe. Verantwortlich wären dann die Deponie und die Genehmigungsbehörde des Landes MV.

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