Lakonisches Liebes-Drama

Lernen sich lieben und entlieben sich wieder: Robert (Alex Brendemühl) und Maren (Marie-Lou Sellem) in 'Die Liebe der Kinder'. 2pilots/dpa
Lernen sich lieben und entlieben sich wieder: Robert (Alex Brendemühl) und Maren (Marie-Lou Sellem) in "Die Liebe der Kinder". 2pilots/dpa

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25. August 2010, 09:49 Uhr

Berlin/Schwerin | Als Franz Müllers Spielfilm "Die Liebe der Kinder" vor wenigen Monaten beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern von der Jury unter Vorsitz von Kameramann-Legende Michael Ballhaus den Hauptpreis "Fliegender Ochse" bekam, war der Regisseur platt. Lange hatte er für die Verwirklichung seines Drehbuches über die Geschichte einer Patchwork-Familie gekämpft: "Ich habe mich für den Film hoch verschuldet", berichtete Müller damals im Gespräch mit unserer Zeitung.

In der Begründung der Jury hieß es damals, der Film schaffe für die Zuschauer "Räume für Assoziationen und Sehnsüchte". Müller erzeuge "erfahrbare Glaubwürdigkeit auf der Leinwand".

"Die Liebe der Kinder", der erst jetzt in die Kinos kommt, ist ein kleiner, feiner Film zu einem großen komplexen Thema - der Liebe. Der Regisseur und Autor erzählt auf nachdenkliche Art von erwachsener Liebe und Teenager-Verliebtsein. "Ich habe in den letzten Jahren viele Filme gesehen, die von der Liebe erwachsener Menschen handelten, bei denen ich aber oft das Gefühl hatte, dass sie mir eigentlich die Geschichte einer ersten Liebe erzählen", sagt Franz Müller, Absolvent der Kunsthochschule für Medien Köln: "Ich finde, dass die Liebe zwischen erwachsenen Menschen etwas ganz anderes ist und es auch verdient hat, dass man über sie andere Filme macht." So habe er die Idee gehabt, zwei Modelle gegeneinander antreten zu lassen- das "Modell" der ersten Liebe in seiner direkten und absoluten Wahrheitslust und das der erwachsenen Liebe, die leidenschaftsloser sein kann, aber auch leichter und trotzdem tief.

Und das sieht dann so aus: Der pragmatische Baumschneider Robert (Alex Brendemühl) und die intellektuelle Bibliothekarin Maren (Marie-Lou Sellem) wagen den Schritt von der Internet-Singlebörse ins wahre Leben. Sie ziehen sogar zusammen, samt ihren jeweils 16-jährigen Kindern. Die grüblerische Maren zweifelt schnell, der etwas zweigesichtige Robert - manchmal stumpf, manchmal geistreich - sagt nur lakonisch "Irgendwas fehlt immer". Plötzlich entdeckt Maren ihre Tochter Mira (Katharina Derr) und Roberts Sohn Daniel (Tim Hoffmann) im Bett. Während die Liebe der Eltern verwelkt, steigert sich die Liebe der Kinder bis zu der fixen Idee, heiraten und auswandern zu wollen.

Besonders sehenswert in diesem Film sind die Frauen, nicht zuletzt Nicole Heesters in einem Kurzauftritt als Marens Mutter.

Durch das Preisgeld des Filmkunstfestes könne er jetzt weiter an den vier Drehbüchern schreiben, die er parallel in Arbeit habe, hatte Müller im Mai in Schwerin angekündigt. Da darf man gespannt sein.

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