Länger einkaufen? Nur in den Zentren

Seit einem Jahr können Händler in MV ihre Läden länger öffnen. Außerhalb der großen Städte machen sie davon allerdings kaum Gebrauch. Es lohnt sich nicht, bilanzieren auch die Kritiker des Ladenschlussgesetzes. Die Befürworter sehen dagegen mehr Flexibilität.

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10. Juni 2008, 09:22 Uhr

Schwerin - Theoretisch können die Geschäfte in MV seit einem Jahr wochentags rund um die Uhr geöffnet sein. Theoretisch. Die Praxis sieht anders aus, weiß auch Heinz Kopp, Landesgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nord. Erfahrungsgemäß dauere es mehrere Jahre, bis sich Einkaufsrituale ändern. „Der Ladenschluss hat sich nicht weit in die Abendstunden verlagert. Einzelne Supermärkte in den Städten haben bis 22 Uhr geöffnet“, so Kopp. Beim Umsatz machten sich die neuen Möglichkeiten „eher weniger bemerkbar“. Dennoch sieht Kopp das Gesetz als Gewinn. „Wichtig ist die erhöhte Flexibilität.“ Geschäfte könnten nun unkompliziert auf besondere Anlässe beispielsweise mit einem Mitternachtsshopping reagieren.

Mehr Flexibilität und weniger Bürokratie – damit hat sich MV auch nach Meinung von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) seine Stellung im Wettbewerb der Länder gesichert. In einem Urlaubsland seien die Öffnungszeiten von besonderer Bedeutung. Vor allem die Anfang des Jahres eingeführte neue Bäderregelung helfe dabei, die Saison zu verlängern, so Seidel.

Gerade die Bäderregelung, die die Sonntagsöffnung nicht mehr nur auf Kurorte begrenzt, ist jedoch den Kirchen und Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Das Ladenöffnungsgesetz, das weitreichende Arbeitnehmerschutzrechte enthalte, werde mit der Bäderregelung wieder ausgeschüttet, meint DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter. Anstatt ständig die Einkaufszeiten zu verlängern, sei es wichtiger, dafür zu sorgen, dass die Menschen mehr Geld im Portmonee haben, ergänzt Conny Töpfer von ver.di.
Für Oberkirchenrat Andreas Flade hat sich die Befürchtung bestätigt, dass der Sonntagsschutz ausgehöhlt wird. Die Kirchen klagen deshalb gegen die Bäderregelung. Es bestehe Zweifel an der Rechtskonformität, sagt Martin Scriba, Beauftragter der evangelischen Landeskirchen bei der Landesregierung. Das Urteil steht noch aus.

Der FDP gehen die jetzigen Einkaufsmöglichkeiten wiederum nicht weit genug. „Es war ein Fehler, die gesetzlichen Feiertage dabei auszugrenzen“, kritisiert Fraktionschef Michael Roolf. Längere Öffnungszeiten böten die Chance, den rückläufigen Konsum wieder anzuheizen.

„Der Euro kann nur einmal ausgegeben werden“, meint dagegen Helmut Holter von der Linksfraktion. Längere Einkaufszeiten gingen zu Lasten der Beschäftigten und ihrer Familien – ohne wirtschaftlich effizient zu sein. Die Möglichkeiten würden deshalb im Land nur punktuell genutzt.

Tatsächlich ist außerhalb der größeren Städte der Bürgersteig teilweise schon ab 18 Uhr hochgeklappt, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab.

Info zum Ladenschlussgesetz:

Das Gesetz sieht vor, dass Geschäfte werktags rund um die Uhr, sonnabends bis 22 Uhr und an vier Sonntagen im Jahr öffnen können. Mit der neuen Bäderregelung wurde der Sonntagseinkauf seit Jahresbeginn allerdings unter anderem auf die Zentren kreisfreier Städte ausgedehnt.

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