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Musikschule in Göhlen : Ländliche Schmiede des Pop

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Auf den Namen "Rock-Pop-Schmiede" kam Jaana Duschinski, weil sie im Bereich Rock und Pop die Nische sieht, die sie mit ihrer Schule füllen möchte. "Wir wollen, dass die Schüler Spaß an der Musik haben."

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erstellt am 20.Jan.2011 | 11:47 Uhr

Rund um den alten Bauernhof fallen Regentropfen in die Pfützen. Unter den Füßen schmatzt der Schlamm. Noch ist auf dem Gelände in Göhlen einiges zu tun. Doch innerhalb des vergangenen Jahres hat sich auf dem ehemals maroden Hof bereits viel getan. Gesorgt hat dafür in erster Linie Klaus Duschinski. Der gelernte Heizungsmeister lässt seinen eigenen Betrieb ruhen. Um den Traum seiner Frau Jaana zu verwirklichen.

Sie lebt den Traum von der eigenen Musikschule

Der Traum von der eigenen Musikschule entstand eher zufällig. In Picher fing die studierte Konzertpianistin und Musikpädagogin Jaana Duschinski im Jahr 2006 an, einen Schüler aus der Nachbarschaft am Klavier zu unterrichten. Nicht gewerblich motiviert, sondern bloß, um die Freude an der Musik zu vermitteln. An mehr als einen Schüler dachte Jaana Duschinski anfangs auch gar nicht. Sie ging davon aus, dass das Interesse in der ländlichen Gegend wohl nicht sehr groß sein würde. Doch da täuschte sich die gebürtige Estin. Schnell sprachen sich ihre musikpädagogischen Fähigkeiten herum, immer mehr Eltern und Kinder fragten Musikunterricht an. Beim Klavierunterricht blieb es nicht. Auch musikalische Früherziehung wünschten sich die Eltern.

Irgendwann platzte das Wohnzimmer der Familie Duschinski, die damals noch in Picher wohnte, aus allen Nähten. "Da war ja kaum noch Privatleben möglich", sagt Klaus Duschinski und lacht. So mieteten er und seine Frau einen großen Raum im alten Schulgebäude in Picher an. Doch auch dies war keine endgültige Lösung: Die Nachfrage brach nicht ab. "Ich war total erstaunt darüber", sagt Jaana Duschinski. Immer mehr Schüler fragten auch nach exotischeren Instrumenten, nach Schlagzeug, E-Gitarre, Saxophon. und Pop-Gesang. Jaana Duschinski allein konnte so viele Wünsche nicht erfüllen. Wieder wurde es in der "Musikschule Jaana", wie die Schule damals noch hieß, zu eng. Ein Team musste her - und neue Räumlichkeiten.

Und wieder half der Zufall. Denn ein alter Bauernhof in Göhlen hatte es Jaana Duschinski angetan. "Ich fuhr oft an dem Hof vorbei und er gefiel mir immer mehr", erinnert sich die Pianistin. Ihr Ehemann fand schließlich im Internet heraus, dass der Hof zum Verkauf stand. Das Ehepaar wagte den Neustart. Klaus Duschinski entschied sich, sein Unternehmen ruhen zu lassen und widmete sich ganz der Sanierung und dem Umbau des Hofes. Das Gebäude, in dem sich heute die Musikschule befindet, war früher ein Kuhstall, ein einziger, großer Raum. Klaus Duschinski zog schalldichte Wände ein, flieste, verputzte. Mittlerweile ist die untere Etage des ehemaligen Stalles fertig. Dass hier vor Jahren noch Kühe ihr Futter wiederkäuten, davon ist nichts mehr zu sehen. Edel und geschmackvoll wirkt der Eingangsbereich. In der oberen Etage hingegen steht dem Handwerker noch viel Arbeit bevor. Sechs Unterrichtsräume sollen hier entstehen. Im Sommer will Duschinski fertig sein. Rund 250 Quadratmeter wird die Schulfläche dann groß sein. Das Paar wohnt im Haus nebenan.

Die acht freiberuflichen Lehrer spielen selbst in Bands

Auf den Namen "Rock-Pop-Schmiede" kam Jaana Duschinski, weil sie im Bereich Rock und Pop die Nische sieht, die sie mit ihrer Schule füllen möchte. "Natürlich ist Klassik die Grundlage, aber wir wollen, dass die Schüler auch dann noch Spaß an der Musik haben, wenn die auf die klassischen Stücke nicht mehr so viel Lust haben", sagt die 43-Jährige. Deshalb sind alle Lehrer der Rock-Pop-Schmiede Vollblutkünstler, spielen größtenteils selbst in Rock- und Pop-Bands. "Es ist oft nicht einfach für uns, mit diesen Künstlern umzugehen, denn sie sind manchmal etwas eigen", sagt Klaus Duschinski und lacht. Doch für die Schüler zahle es sich die Praxiserfahrung der Lehrer aus. Sie sind allesamt Freiberufler, kommen aus Rostock, Wismar und Schwerin. Neben Jaana Duschinski unterrichten mittlerweile acht Lehrer an der Musikschule. Die maximale Kapazität liegt bei 350 Schülern pro Woche.

Integriert ist die Schule in den Kunsthof Göhlen. Denn das Ehepaar hat mehr Visionen als nur die Rock-Pop-Schmiede. In Göhlen sollen hochklassige Künstler auftreten, vor allem Musiker, auch international bekannte. Wenn alles glatt läuft, ist in dem kleinen Ort bald einiges los. Am kommenden Sonntag lädt die Rock-Pop-Schmiede in der Zeit zwischen 14 und 18 Uhr schon einmal zu einem Tag der offenen Tür ein.

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