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Landwirtschaftsgesellschaft investiert 700 000 Euro : Kuschelmatten in Tempziner Kuhstall

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Die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf modernisiert tierartengerecht ihre Milchviehanlage in Tempzin. Die Investition hatte der Betrieb längerfristig im Blick. Nach dem Umbau gibt es 588 Kuhplätze.

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2011 | 09:27 Uhr

Das neue Melkkarussell arbeitet schon, die erste der vier Stalleinheiten ist umgebaut. Jetzt wird das Melkhaus umgestaltet, eine neue Decke eingezogen, und es bekommt einen Lichtfirst. Die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf modernisiert tierartengerecht ihre Milchviehanlage in Tempzin. "Wir liegen dabei im Plan", sagt Torsten Schrein, der für die Tierproduktion verantwortliche Geschäftsführer.

Die Investition hatte der Betrieb längerfristig im Blick. Doch als 2009 die Milchpreise bis auf 19 Cent pro Kilogramm fielen, sei daran nicht zu denken gewesen. Vor einer Reihe von Milchbauern habe sogar die Frage gestanden aufzugeben. "Bei uns zu keiner Zeit, aber ein Zuschuss geschäft war es. Was die Milch einbrachte, deckte längst nicht die Kosten. Da waren wir froh, noch nicht investiert zu haben und Kapitaldienst leisten zu müssen. Aus heutiger Sicht lagen wir genau richtig", so Schrein. Inzwischen habe sich das Blatt "zum Guten gewendet", der Milchpreis liege bei 35 Cent. Jetzt sei es dringend an der Zeit zu modernisieren, zumal sich die LWG entschied, auch nach Wegfall der Quote 2015 Milch zu produzieren. Zudem würden sich die Förderrichtlinien ändern. "Das war für uns auch ein Grund zu sagen, lasst uns jetzt was machen", erklärt der Geschäftsführer. Derzeit würden Investitionen in die Milchproduktion am höchsten gefördert - bis 35 Prozent. Viel Geld bei geplanten Gesamtkosten von 700 000 Euro für das Vorhaben in Tempzin.

Die Anlage wurde 1983 in Betrieb genommen, mit 768 Plätzen bei einer Jahresleistung von rund 4000 Kilogramm pro Kuh. An den Haltungsbedingungen habe sich seitdem "nie groß was geändert", sagt Torsten Schrein, aber nahezu alles andere. Nach der Wende wurde der Bestand infolge der Milchquote auf 350 Kühe angepasst. Die Vorgabe betrug anfangs 2,7 Millionen Kilogramm im Jahr und stieg auf jetzt drei Millionen, wurde auch bislang zu 100 Prozent erfüllt. Höher gewachsene Holstein-Friesian (HS) lösten das Schwarzbunte Milchrind (SMR) ab, die Pro-Kuh-Leistung hat 9300 Kilogramm erreicht. " Futtergrundlage, Stoffwechsel- und Wärmeprozess der Kühe haben sich verändert, sie brauchen mehr Luft", sagt der Zahrensdorfer.

Seit Ende September wird in der Anlage bei laufender Milchproduktion gebaut. Den Innenabriss erledigen eigene Mitarbeiter, alles weitere Fachfirmen aus dem Land. Das Melkkarussell von der Firma Itec mit 28 Plätzen wurde tagsüber zwischen den Schichten abschnittsweise ausgetauscht, erhielt neueste Technik zur Einzeltierüberwachung wie Gesundheits- und Fruchtbarkeitskontrolle.

Die Außenwände verschwinden komplett und werden durch Wickelschutz folie ersetzt, die sich nach Belieben öffnen und schließen lässt, um die Frischluftzufuhr optimal zu steuern. "Eine gute Sache; die Folie hält auch kräftigen Wind ab, haben wir festgestellt", sagt Schrein. Hinter der Folie sind Vogelschutznetze angebracht.

Vollständig herausgerissen werden auch die Tierplätze. Es kommen neue Trennbügel und Gummimatten hinein. Letztere sind dicker und weicher als die vorherigen. "Die werden als Kuschelmatten bezeichnet. Da ist auch was dran", erzählt Schrein schmunzelnd.

Nach dem Umbau gibt es 588 Kuh plätze. Der Bestand soll ab 2015, wenn die Milchquote entfällt, von derzeit 350 auf 450 bis 500 Tiere wachsen. Auch eine weitere Leistungssteigerung versprechen sich die Zahrensdorfer von ihrer Investition. "Bei so einer Verbesserung der Haltungsbedingungen macht das Tier einen Schub nach vorn", ist Schrein überzeugt. "In anderen Betrieben hat sich das gezeigt. Wenn die Kühe sich wohler fühlen, geben sie mehr Milch." Das sei wie bei Spitzensportlern. Die würden auch bei bestens dosierter Ernährung keine Höchstleistung bringen, wenn das Umfeld für Training und Wettkampf nicht stimmt.

Wie die Tierhaltung verbessern sich auch die Arbeitsbedingungen für die sechs Mitarbeiter in der Milchproduktion spürbar. Das halte er für ganz wichtig, betont der Geschäftsführer. "Wir achten auch darauf, dass die Melker nach acht Tagen Arbeit am Stück zwei Tage frei bekommen. An unseren Betrieb sind hohe Qualitätsanforderungen gestellt. Wir produzieren Lebensmittel und können uns keine Fehler erlauben. Doch wenn jemand ständig durcharbeitet, sinkt die Konzentration, und die Arbeitsfreude fördert das genauso wenig."

Bis zum 30. September 2012 soll die Investition abgeschlossen sein - mit deutlichen Verbesserungen für Mensch und Tier.

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