Kurz lüften, aber kräftig - gegen Feuchteschäden und Schimmel

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Viele Häuser sind heutzutage gut isoliert. Das spart Heizkosten, verhindert aber gleichzeitig den Luftaustausch von innen nach außen. Um Feuchteschäden und Schimmelbildung zu verhindern, muss man richtig lüften.

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21. Oktober 2008, 08:40 Uhr

Früher war das Lüften von Wohnungen kein Thema: Durch undichte Fenster, schlecht gedämmte Außenwände, Fugen und Ritzen wurde auch bei geschlossenen Fenstern kontinuierlich Luft ausgetauscht. Bei dieser Art des unkontrollierten Lüftens ging aber viel Energie verloren. Zugluft an den Fenstern machte das Wohnen zudem unbehaglich.

Um Heizenergie einzusparen, wurden und werden in Deutschland Gebäude bei Sanierungen immer besser isoliert und mit modernen Fenstern ausgestattet. Doch neue dichte Fenster mit Wärmeschutzverglasung sind nicht ganz unproblematisch. „Bei unverändertem Lüftungsverhalten wird die beim Duschen, Kochen und Waschen entstehende Luftfeuchtigkeit aus Wohnräumen, Küchen und Bädern nicht abgeführt“, sagt Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dies führe zu einer Erhöhung der relativen Luftfeuchte. Vor allem in schlecht gedämmten Altbauten könne es dann zu Tauwasserbildung an den Innenoberflächen kalter Außenbauteile kommen. Das fördere Schimmelwachstum.

Mangelnde Lüftung in geschlossenen Räumen führt außerdem zu hohen Konzentrationen von Kohlendioxid, das der Mensch über die Atmung abgibt. Die CO2-Belastung beeinträchtigt das Wohlbefinden und die menschliche Leistungsfähigkeit. Auch Schadstoffe wie Zigarettenrauch oder Gifte aus Farben oder Möbeln können die Raumluft belasten und müssen herausgelüftet werden.

So ist es richtig
„Wenn klassisch mit Hilfe der Fenster gelüftet wird, sollten diese in jeder Jahreszeit mehrmals täglich vollständig geöffnet werden“, rät Petersen. Auf keinen Fall sollte durch gekippte Fenster gelüftet werden. Bei der sogenannten Querlüftung werden gegenüberliegende Fenster und Türen in verschiedenen Räumen geöffnet. Auch das kurzfristige komplette Öffnen einzelner Fenster – Stoßlüftung genannt – verbessert das Raumklima bereits deutlich.

Wie lange gelüftet werden sollte, variiert im Jahresverlauf. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat Richtwerte herausgegeben, wie lange eine Stoßlüftung dauern sollte. So sollten im Winter, wenn die Temperaturen niedrig sind und viel Heizwärme benötigt wird, 4 bis 6 Minuten Stoßlüftung reichen; im März und November gilt Stoßlüften von etwa 8 bis 10 Minuten als ausreichend. In den Monaten April und Oktober empfehlen die Experten 12 bis 15 Minuten Lüftungsdauer, im Mai und September seien 16 bis 20 Minuten angemessen. In den Sommermonaten Juli bis August sollten mehrmals täglich 25 bis 30 Minuten für ausreichend Luftaustausch sorgen.

Luftfeuchtigkeit
In Wohnräumen sollte die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Wie trocken die Luft tatsächlich ist, lässt sich mit einem Hygrometer feststellen. Eine Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent ist laut Petersen die untere Wohlfühlgrenze. Bei mehr als 60 Prozent vermehrten sich Schimmelpilze und Hausmilben.

Lüftungsanlagen
Gerade bei Energiesparhäusern kann der Wärmeverlust durch falsche Lüftung den größten Energieverbrauch ausmachen – oder bei zu geringer Lüftung eine zu hohe Raumluftfeuchtigkeit entstehen. „Um solchen Schäden vorzubeugen, sollten Neubauten, aber auch sanierte Altbauten möglichst mit einer Wohnungslüftungsanlage ausgerüstet werden“, rät Jens Knissel vom Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Automatische Anlagen gibt es in verschiedenen Ausführungen.

„Eine einfache Lösung für die kontrollierte Wohnungslüftung sind Abluftanlagen“, sagt Michael Conradi von der HEA- Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung. Dabei wird die Luft mit Hilfe eines zentralen Ventilators oder mehrerer dezentraler Geräte aus den durch Gerüche und Wasserdampf am höchsten belasteten Räumen – Küche, Bad, Toiletten – abgezogen. Neue Außenluft strömt über Durchlässe in der Gebäudehülle nach. Die Wohnung wird so dauerhaft von den Wohn- und Schlafräumen hin zu den Feuchträumen durchströmt.

Wärme gewinnen
„Um beim Lüften auch noch Energie zu sparen, sind Anlagen zur kontrollierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung besonders effektiv“, erläutert Conradi. Diese Anlagen entzögen der warmen Abluft durch Wärmetauscher die Wärme. Diese werde dann zur Erwärmung der frischen, kalten Zuluft oder des Warmwassers genutzt. Durch eingebaute Filter werden aus der zugeführten Luft Pollen und Rußpartikel entfernt – im Vergleich zur normalen Fensterlüftung ein zusätzlicher Vorteil, sagt der Fachmann.

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