Feldjäger aus MV im afghanischen Faizabad stationiert : Küstenbewohner im Hochgebirge

 Feldjäger aus Hagenow und Neubrandenburg sind  die Stammbesatzung im Lager Faizabad. Nowitzki
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Feldjäger aus Hagenow und Neubrandenburg sind die Stammbesatzung im Lager Faizabad. Nowitzki

Tausende Kilometer von der Ostsee entfernt, arbeiten Feldjäger aus MV. Zwölf Küstenbewohner im Hochgebirge, zwölf Mecklenburger in Afghanistan. Sechs Monate sind sie im Feldlager Faizabad stationiert.

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23. Februar 2011, 11:10 Uhr

Tausende Kilometer von der Ostsee entfernt, leben und arbeiten Feldjäger aus Mecklenburg-Vorpommern. Zwölf Küstenbewohner im Hochgebirge, zwölf Mecklenburger in Afghanistan. Sechs Monate sind sie im Feldlager Faizabad stationiert. Ein Besuch.

Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Dirk L. ist groß, er guckt eindringlich. Keiner, mit dem man Ärger haben möchte. Der Feldjäger ist Personenschützer. Er soll Eindruck machen. "Personenschutz ist auch Prestige", sagt er.

Jeder Kommandeur eines Provincial Reconstruction Team (PRT), ein regionales Wiederaufbauteam, hat Personenschützer. Ohne Begleitschutz geht er keinen Schritt vor das Tor des Stützpunktes. Egal ob ein Termin beim Gouverneur oder die Kommandoübergabe der afghanischen Armee, Oberst Frank Schmidt hat in Faizabad immer Begleiter - aus Hagenow. Hier sind die sechs Männer stationiert, die sich im Ernstfall vor den Kommandeur werfen. Ihr Leben für seines riskieren.

Feldjäger sind die Polizei der Bundeswehr. Sie tragen eine schwarze Armbinde mit weißem Aufdruck: MP, Militärpolizei. Ihre Aufgaben ähneln denen der Polizei, das aber ausschließlich rund um die Bundeswehr. Sie sichern Konvois, nehmen Unfälle auf, bewachen militärische Einrichtungen. Und sie sind Personenschützer. "Es ist ein Mittel, damit der PRT-Kommandeur seine Arbeit machen kann", sagt L. "Ohne ständig Angst zu haben." Fünf Wochen dauert der Grundlehrgang, der L. und seine Kameraden zu Personenschützer ausbildet. Waffenloser Kampf, Fahr- und Schießtraining gehören dazu. Viel verraten wollen und können sie darüber nicht.

Der Umgang mit der Schutzperson ist vielleicht der wichtigste Teil ihrer Arbeit. "Ohne das Vertrauen zu uns, kann das nicht funktionieren", sagt der Soldat. Ohne Vertrauen untereinander auch nicht. "Es ist einfacher, wenn man sich kennt", erzählt er. Ein Blick genügt und seine Männer wissen, was er will. Das braucht Zeit. Ein bis zwei Wochen bevor sie ins Einsatzland fliegen, üben sie intensiv in Deutschland.

Sechs Monate bleiben die Feldjäger im Einsatz. Sechs Monate Anspannung, Stress und Gefahr. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. "Die Gefahr kann man recht gut ausblenden", sagt L. "Aber der Gedanke ist immer dabei." Deshalb steht an ihrer Bürotür: "Das Glück bevorzugt den, der sich vorbereitet hat."

Also bereiten sie jeden Einsatz akribisch vor. Vor einer Ausfahrt erkunden sie die Strecke, loten aus, wo es gefährlich werden könnte, wo Evakuierungspunkte eingerichtet werden könnten. Vor allem: Die Augen offen halten. "Es gibt Punkte, an denen man festmachen kann, ob etwas nicht stimmt", sagt der Feldjäger. Wenn beispielsweise der Markt, sonst immer belebt, auffallend leer ist. Dann schrillen bei den Soldaten die Alarmglocken.

Zu den Aufgaben der Feldjäger gehört auch "normale" Polizeiarbeit. Baut ein Bundeswehrsoldat einen Unfall beginnt die Arbeit von Christian L.: Beweise sammeln. Dafür wie es passiert ist, warum es passiert. "Das ist äußerst schwierig", erklärt der Ermittler, der in Neubrandenburg stationiert ist. "Die Tatortarbeit läuft hier wie in Deutschland", erklärt er. Spuren werden vermessen, Zeugen befragt, der Hergang rekonstruiert.

Doch Faizabad ist Krisengebiet und die Bedingungen sind andere. Einfach einen Unfallort absperren, ist oft unmöglich. Deshalb müssen sie vor allem schnell sein: In 15 Minuten müssen sie abmarschbereit sein. Das heißt Bereitschaft rund um die Uhr. Ihre Ergebnisse werden an die zuständige Staatsanwaltschaft geschickt, die verfügt wie es weitergeht. "Das entscheidet niemand von uns", sagt Christian L.

Flugzeuge - auch das ist ihr Job. Einen großen Teil der Logistik erledigen zivile Firmen für die Bundeswehr. Die Feldjäger sorgen dafür, dass die Maschinen sicher in Faizabad landen und starten können. Das heißt: den Flughafen beschützen. Sie verhindern, dass Flugzeuge beschossen werden.

Auch um das Gepäck von Soldaten und Zivilisten kümmern sich die Feldjäger. Also was darf mit nach Deutschland und was nicht. Beispiel: Exotische Mitbringsel, wie Spinnen oder Skorpione, die in Folie eingeschweißt sind. Waren sie beim Einschmelzen noch nicht tot, verstößt ihre Einfuhr gegen das deutsche Tierschutzgesetz. Darauf weisen die Flugsicherer hin, um böse Überraschungen bei der Zollkontrolle in Deutschland zu verhindern.

Ende März ist ihr Einsatz in Afghanistan beendet und die Feldjäger aus Mecklenburg haben wieder heimischen Boden unter den Einsatzstiefeln.

Lesen Sie morgen Teil 3:

Im Visier: Unterwegs mit einer

Bundeswehrpatrouille

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