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Sonnenstudio bleibt tabu für Minderjährige : Künstliches Sonnenbad gegen Depressionen

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Die gebräunte Haut war nur ein Nebeneffekt: Friedrich Wolff hat 1975 die Sonnenbank erfunden, um mit der UV-Bestrahlung das menschliche Gemüt aufzuhellen. Das Sonnenstudio-Verbot für Minderjährige bleibt indes bestehen.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2012 | 10:56 Uhr

Die gebräunte Haut war eigentlich nur ein Nebeneffekt: Friedrich Wolff hat 1975 die Sonnenbank erfunden, um mit der UV-Bestrahlung das menschliche Gemüt aufzuhellen. "Ich habe damals in der Gesundheitsbranche gearbeitet und suchte Techniken, mit denen sich Depressionen vertreiben lassen", sagt der 73-jährige Schwabe. "In den ersten Versuchen sind die Nutzer verbrannt wie die Brathühnchen", erinnert sich Wolff. Technisch wurde die Sonnenbank weiterentwickelt, wirtschaftlich wurde sie ein Erfolg. Und Wolff wurde dank seiner Patente zum reichen Mann. Doch dem Erfinder sind die UV-Strahlen bis heute ein Dorn im Auge. Deshalb hat der in Stuttgart geborene Ingenieur die Sonnenbank nun noch einmal erfunden. Er verzichtet auf UV-Strahlen und installiert stattdessen LED-Lampen.

Der Bundesfachverband für Besonnung (BfB) mit Sitz im badischen Seelbach (Ortenaukreis) hat Wolffs Projekt im Blick. Die Branche kämpfe schon seit Jahren für einen besseren Gesundheitsschutz, sagte BfB-Geschäftsführer Norbert Schmid-Keiner. Dazu passt ein aktueller Gerichtsbeschluss. Das Bundesverfassungsgericht hat darin das Sonnenstudio-Verbot für Minderjährige für verfassungsgemäß erklärt (Az. 1 BvR 2007/10).

Wolff mag trotz seiner 73 Jahre nicht an Ruhestand denken. Krankheiten hatten ihn vor einigen Jahren aus seinem bisherigen Leben gerissen. Doch im schweizerischen Rheinfelden wagt er den Neuanfang, gründet ein neues Unternehmen - und setzt wieder auf die Sonnenbank. "Die UV-Strahlen sind das einzige Problem des Solariums", sagt er. Ihn habe die Idee nie losgelassen, eine neue Erfindung zu realisieren. Jahre habe er daran gearbeitet: Herausgekommen ist eine UV-freie Sonnenbank. Weltweit einmalig, sagt Wolff, der die Bank jeden Tag selbst nutzt.

Installiert sind 24 Lichtröhren, die mit LED-Technik arbeiten. Das helle Licht soll entspannen und antidepressiv wirken. Das Problem: Schnell und stark bräunen lassen können sich Menschen, die auf der neuen Sonnenbank liegen, nicht. Um eine dunklere Hautfarbe zu erreichen, wäre UV-Strahlung nötig. Die LED-Lampen können die natürliche Hautbräune nur leicht verstärken. Wolff und seine acht Mitarbeiter glauben dennoch an den Erfolg. In der Werkstatt in Rheinfelden soll bald die Serienfertigung beginnen.

Sonnenstudio bleibt tabu für Minderjährige

Das Sonnenstudio-Verbot für Minderjährige ist verfassungsgemäß. Das entschied das Bundesverfassungsgericht in einem gestern veröffentlichten Beschluss. Der Schutz von Minderjährigen vor möglicherweise krebserregender UV-Strahlung sei ein ausreichender Grund für das Verbot. Die Richter wiesen damit die Verfassungsbeschwerde einer 17-Jährigen und ihrer Eltern sowie eines Sonnenstudio-Betreibers zurück. Seit 2009 ist die Nutzung öffentlicher Sonnenstudios für Minderjährige verboten (Az. 1 BvR 2007/10).

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