Künftig Sonntagsdemos in Brüel: Fuhrunternehmer machen gegen hohe Energiepreise mobil

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07. Juli 2008, 07:13 Uhr

Brüel - Am 13. Mai meldeten Jens Grunwald und sein Geschäftspartner, der sich Olly nennt, Insolvenz für die OJJO Transport GmbH in Brüel an. 15 Mitarbeiter mussten sie entlassen.

Spritpreise trieben Brüeler Firma in die Insolvenz
Die hohen Spritpreise haben dem Fuhrunternehmen das Genick gebrochen. Jeder der elf Lkw rollte 14 000 Kilometer im Monat und verbrauchte 5040 Liter Diesel. Im Oktober vergangenen Jahres musste die Firma für den Kraftstoff noch weniger als 5000 Euro berappen, zuletzt waren es pro Monat mehr als 7500 Euro. Monat für Monat zahlte das Brüeler Transportunternehmen für seine Flotte fast 30 000 Euro mehr für den Sprit als im Herbst. Am Ende musste die GmbH mit 247 000 Euro Schulden das Handtuch werden.

Die elf geleasten Laster sind verschwunden vom Hof im Brüeler Gewerbegebiet. Der finanzielle Hammer schlägt allerdings noch zu. Die beiden Transportunternehmer mussten mit ihrem Privatvermögen für die Autos bürgen. Sie rechnen damit, dass ihnen rund 20000 Euro Verlust pro Fahrzeug angerechnet werden – als Differenz zwischen dem Buch- und dem geschätzten Wert der Fahrzeuge.

„Wir haben gearbeitet, nichts verdient und trotzdem Schulden“, blickt „Olly“ auf die vergangenen Monate zurück. Ihre Firma hatte vier Jahre lang alle möglichen Waren – vom Gefahrgut bis zum Toilettenpapier – durch Europa kutschiert. Doch die Kosten deckten nicht mehr die Einnahmen. Disponenten verhökern die Fracht an billige Anbieter, so „Olly“. Durch die Konkurrenz aus osteuropäischen Ländern stünden derzeit doppelt so viele Fahrzeuge bereit wie benötigt werden.

Die Belastungen für die Fuhrunternehmen wachsen noch weiter, so die Firmenchefs von OJJO. Zum 1. August wird die Maut für Lkw auf bundesdeutschen Autobahnen von 12 auf 17 Cent angehoben. Und an Raststätten soll künftig eine Standgebühr von zehn Euro pro Laster kassiert werden.

Jetzt jede Woche Protest-Aktion in Brüel
Am Sonntagmittag trafen sich im Brüeler Gewerbegebiet Fuhrunternehmer aus Brüel, Lübesse bei Ludwigslust und Güstrow, um sich über die Situation Luft zu machen. Anlass war der Dreh eines privaten Fernsehsenders, der über die Situation der Branche berichten will.

Dem Trucker-Treff am vergangenen Sonntag sollen weitere folgen. Jetzt ist jede Woche um 13 Uhr Sonntagsdemo im Brüeler Gewerbegebiet gegen die hohen Energiepreise, kündigte Jens Grunwald an. Er ist Vorsitzender des in Gründung befindlichen Vereins EN-P-KA (Energie-Preis-Kampf e.V.), dessen Name schon für das Programm steht.

Durch hohe Spritpreise wird Arbeit zum Luxus
Das Anliegen des Vereins geht weit über das von Truckern hinaus. Auf der ersten Zusammenkunft am Sonntag verdeutlichte das ein Lkw-Fahrer mit diesen Gedanken: Arbeit wird zum Luxus. Wenn man kein Geld zum Tanken hat, kommt man nicht zur Arbeit.

Betroffen von den extrem hohen Energiepreisen sei aber auch jeder, der im nächsten Winter seine Wohnung warm bekommen will, so die Initiatoren von EN-P-KA.

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