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Gefährliche Wanderung der Amphibien bei Gneven hat begonnen : Kröten-Retter wieder unterwegs

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Die Krötenwanderung hat in diesem Jahr begonnen. "Am Dienstag habe ich 26 Kröten über die Straße getragen.", sagt Klaus Rambow, der letzte Woche "Dienst" am Krötenzaun bei Gneven hatte.

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erstellt am 21.Mär.2011 | 10:44 Uhr

Die Krötenwanderung hat in diesem Jahr schon begonnen. "Am Dienstag habe ich 26 Kröten über die Straße getragen. Es war etwas wärmer und feucht geworden. Da wurden die Kröten wieder mobil", sagt Klaus Rambow, der mit seiner Frau Karin in der vergangenen Woche "Dienst" am Krötenzaun bei Gneven hatte. Insgesamt sind in der vergangenen Woche so bereits 36 Kröten und Frösche sicher über die Fahrbahn gelangt. "In Spitzenzeiten waren es in vergangenen Jahren mehr als 200 Amphibien, die wir an einem Tag über die Straße getragen haben", berichtet der 61-Jährige weiter. "Angefangen hat die Saison Jahr bereits vor zwei Wochen", sagt Rambow. "Unser Vorgänger hatte die ersten vier Kröten im Eimer."

Bundesweit werden allein an den rund 250 registrierten Zäunen jährlich eine halbe Million Erdkröten, Wasserfrösche oder Molche vor dem drohenden Unfalltod gerettet. In Gneven sind insgesamt 16 Familien mit dabei, wenn es gilt, die glitschigen Gesellen sicher zu ihren Laichplätzen zu bringen. An dem Krötenzaun mit etwa 650 Metern Länge sind etwa alle dreißig Meter Eimer in den Boden eingelassen. Die Amphibien laufen an den Zäunen entlang und purzeln dann in einen der Eimer. Jeden Tag, manchmal sogar zweimal täglich, müssen die Gefäße geleert und die Tiere auf die andere Straßenseite getragen werden. 19 Amphibienarten gibt es in Deutschland, am stärksten vertreten in den Eimern sind die Erdkröten. Sie wandern bis zu zwei Kilometer zu ihren Laichgewässern, so weit wie keine andere Art. Deswegen sind sie besonders gefährdet. Wie viele Tiere alljährlich auf den Straßen ihr Leben lassen, dazu wagen die Naturschützer keine Prognose. "Es sind leider immer noch sehr viele", sagt Karin Rambow. Die 57-Jährige ist besonders froh, dass im Herbst vergangenen Jahres ein stationärer Froschzaun errichtet wurde. "Sonst mussten wir ihn im Herbst immer ab- und im Frühjahr wieder aufbauen."

Das Straßenbauamt Schwerin hat bei Gneven eine "Amphibien-Sperranlage mit einem Durchlass" errichtet. Von der Straße aus Richtung Godern kommend wurden Pfosten ins Erdreich eingelassen, dazwischen die Zaun-Elemente gesetzt. Dabei bleiben die vier Meter langen Leichtmetall-Teile fest verankert. Die kürzeren, zwei Meter langen Elemente können ein- und nach der Froschwanderung wieder ausgehängt werden. Denn der Zaun soll keine Barriere für andere Tiere wie Igel oder Maus darstellen. Die Kosten hat der Bund getragen - als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Autobahn-Abschnitts Cambs-Jesendorf.

"Leider gab es bereits einen Diebstahl. Vielleicht hat jemand die beweglichen Teile für seinen Kaninchenstall mitgehen lassen", mutmaßt die Bauingenieurin. "Zum Glück wurden die gestohlenen Teile bereits ersetzt."

Bei den Kröten sind mehr Männchen unterwegs als Weibchen. "Die Männchen sind etwas kleiner und versuchen bereits auf dem Weg zum Laichplatz ein Weibchen zu finden. Auf das setzen sie sich einfach drauf und lassen sich tragen. Ich habe auch in diesem Jahr schon einige der faulen Gesellen über die Straße gebracht", erzählt Klaus Rambow. "Frösche laichen immer in den Gewässern, in denen sie zur Welt gekommen sind. Deshalb wandern sie in jedem Frühjahr dorthin und anschließend auch wieder zurück."

Die Naturfreunde betrachten das Krötentragen auch als Erlebnis. "Das ist sogar interessant für die Enkelkinder", so Karin Rambow. "Wir hatten sie gebeten, mal die Frösche zu zählen. Weil sie noch nicht zur Schule gingen, haben sie für jeden Frosch einen Punkt auf das Blatt Papier gemacht. Es wurde ein Blatt mit Dutzenden Sommersprossen."

Die Zahl über die Straße getragener Amphibien wird in diesem Jahr geringer sein, denn ein Tunnel in der Mitte des Zaunes wird für viele die Möglichkeit bieten, den Weg auch gefahrlos allein zu finden.

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