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Kirchenkreis und Kirchgemeinde Hohen Sprenz-Kritzkow : Kritzkow versucht Kunststück

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Seit der Turm 1997 eine neue Kupferhaube erhalten hatte, war es sehr ruhig um eine weitere Sanierung der Kirche in Kritzkow geworden. Jetzt überschlagen sich die Dinge.

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erstellt am 21.Apr.2011 | 11:21 Uhr

Seit der Turm 1997 eine neue Kupferhaube erhalten hatte, war es sehr ruhig um eine weitere Sanierung der Kirche in Kritzkow geworden. Jetzt überschlagen sich die Dinge. Unerwartet. Ein Fördermittelbescheid über 20 000 Euro bringt die Kirchgemeinde auf Trab. Ein Riss am Altargewölbe und der Verfall eines wertvollen Jugendstilfensters im Ostgiebel sowie Schäden am Sockel des Kirchenbaus bereiten seit vielen Jahren Sorgen. "Wir haben alles Mögliche versucht, um an Fördergelder zu kommen. Manchmal haben wir auf unsere Anträge nicht einmal eine Antwort bekommen", berichtet Pastor Ulrich Palmer. Nach zehn Jahren Hoffen und Warten hatte man aufgegeben. So befinde sich das Vorhaben nicht einmal mehr auf der kirchlichen Bauliste. Das Problem: Die jetzt über das Bodenordnungsverfahren (BOV) bereitgestellte Förderung beläuft sich auf 40 Prozent der Kosten. 34 000 Euro müssen vom Kirchenkreis und der Kirchgemeinde Hohen Sprenz-Kritzkow aufgebracht werden. "Das wird ein echtes Kunststück", sagt Palmer.

Kritzkower Madonna hat ihren Platz bekommen

Man sei intensiv auf der Suche nach Geld. Palmer weiß die kirchliche Baubehörde dabei auf seiner Seite und hofft, dass vielleicht anderswo ein Projekt nicht realisiert und Geld nach Kritzkow umgeleitet werden kann. Wenn die Finanzierung im Großen und Ganzen geklärt sei, so verrät der Pastor, könne er auf eine in Aussicht gestellte Unterstützung durch die Agrargemeinschaft Kritzkow-Hohen Sprenz bauen. Palmer ist bei aller Problematik guter Dinge, dass das Projekt bis Jahresende zu den Akten kann. Nur im äußersten Notfall müsse auch über einen Kredit nachgedacht werden. Der aber würde die Kirchgemeinde auf längere Zeit belasten, was man gern vermeiden möchte.

Weil das Projekt "Riss-Fenster-Sockel" anscheinend in weite Ferne gerückt war, hatte die Kirchgemeinde zwischenzeitlich eher an eine Renovierung des Kirchenraumes gedacht und die Planung dafür in die Wege geleitet. Ein Baustein dieses Projektes ist die vermutlich rund 500 Jahre alte Madonna, die viele Jahrzehnte auf dem Dachboden des Kritzkower Pfarrhauses verborgen war. Das Flachrelief, das Maria mit dem Jesus-Kind auf dem Arm zeigt, und im vergangenen Jahr zu Pfingsten einmal gezeigt wurde, sollte seinen Platz an renovierter Stelle im Kirchenraum finden. Da nun aber eine Innenrenovierung in nicht konkret absehbare Ferne rückte - zwei Projekte waren gleichzeitig überhaupt nicht zu leisten -, hat die Madonna nun doch schon einen Platz in der Kritzkower Kirche bekommen. Beim Gottesdienst am Karfreitag, Beginn 10 Uhr, wird sie erstmals öffentlich zu sehen sein.

Die so genannte Mondsichel-Madonna - in Anspielung auf die Offenbarung des Johannes - war mit finanzieller Unterstützung des Kunstgutfonds am Doberaner Münster gesichert und gereinigt worden. Schadstellen seien nicht ausgetauscht, neue Farbe nicht aufgetragen worden, erklärt Pastor Palmer, der inzwischen in Erfahrung brachte, dass die Madonna nicht wie zunächst vermutet schon bei der Sanierung des Gotteshauses im Jahr 1900 auf den Dachboden kam, sondern erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals, so berichtet er, habe man Angst vor Plünderung gehabt und sie deshalb versteckt.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert endete die Marienverehrung. Viele Plastiken landeten in einer Kirchenecke oder verschwanden ganz. Dass die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde die Madonna jetzt wieder in der Kritzkower Kirche zeigt, erklärt Palmer mit dem Respekt vor der Vergangenheit. "Die Plastik ist ein Zeugnis der Geschichte", sagt er.

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