Kritische Mitgliedsfirmen sehen sich bei Kammer-Neuwahlen benachteiligt

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26. August 2008, 09:36 Uhr

Schwerin - „Die Zahl der Firmenchefs in Westmecklenburg, die sich von der IHK Schwerin schlecht vertreten und behandelt fühlen, wächst täglich“, sagt Torsten Hecht. Der Inhaber des Schweriner Computersystemhauses ComIn ist Sprecher der neu gegründeten „Interessengemeinschaft für Reformen in der IHK“, die rund 50 Mitglieder hat.

Darunter so bekannte Geschäftsleute wie Tiefbauunternehmer Jörg Seemann, Thorsten Pollmann vom Maschinenteile-Hersteller Maplan, Autohändler Stephan Winkler, Gastronom Tjark Brinkama oder Bauunternehmer Karsten Bunsen.

„40 Mitglieder der Interessengemeinschaft treten bei der anstehenden Neuwahl der IHK-Vollversammlung an“, sagt Hecht. „Ziel ist, das ,Parlament der Wirtschaft’ mehrheitlich mit reformwilligen Unternehmern zu besetzen, um endlich etwas zu ändern.“

Kritiker vermissen fairen Wettkampf der Standpunkte Doch auch bei den Vorbereitungen zur Wahl fühlen sich die Kritiker behindert. Hecht: „Nach wochenlangen Anfragen haben wir erst am Montag die Adressen aller IHK-Mitglieder erhalten. So haben wir jetzt nur noch wenig Zeit, um bei den Firmen für unsere Positionen zu werben. Dies müssen wir auf dem zeitaufwändigen Postweg tun, da die IHK Schwerin behauptet, uns keine E-Mail-Adressen zur Verfügung stellen zu dürfen.“

Wenn die IHK-Spitze einerseits behaupte, dass die Vollversammlung das repräsentative und demokratisch gewählte Gremium der Kammer sei, zugleich aber jetzt den Kandidaten und Wählern kein wirkliches Forum für einen fairen Wettkampf der Standpunkte biete, sei das schlicht ein Unding, so Hecht. Offenbar wolle die Kammer die Spielräume ihrer Kritiker so eng machen, dass sich diese nicht rechtzeitig organisieren könnten.

Von Hinhaltetaktik könne überhaupt nicht die Rede sein, kontert die Handelskammer, die gestern gegenüber SVZ bekannt gab, dass die Briefwahl für die Vollversammlung vom 15. September bis 6. Oktober stattfinden solle. Um niemanden zu benachteiligen, würden die Kandidatenliste und weitere Angaben zum Wahlprocedere in der September-Ausgabe des IHK-Mitgliedermagazins „Wirtschaftskompass“ veröffentlicht, was einer amtlichen Bekanntmachung gleichkomme.

Die verbleibende Zeit wollen die Kritiker nutzen. Um klar zu machen, was ihr an der IHK Schwerin missfällt, ist die Interessengemeinschaft jetzt unter www.die-neue-ihk.de im Internet präsent. Öffentliche Veranstaltungen seien ebenfalls geplant, so Hecht.

Dabei werde auch die zentrale Forderung nach niedrigeren Mitgliedsbeiträgen zur Sprache kommen. „Bislang hat die IHK nicht schlüssig offengelegt, warum sie ihren Mitgliedern im norddeutschen Vergleich sehr hohe Abgaben abverlangt“, so Hecht.

„Kammer darf nicht nur dem Selbstzweck dienen“
Viel zu oft schweigen würde die Kammer auch darüber, wofür sie das von ihren Zwangsmitgliedern eingezogene Geld ausgebe: „Dass es in der IHK sechs Geschäftsführer für 53 Mitarbeiter gibt, ist fragwürdig. Dass wir nicht einmal wissen, wie viel die Chefs ausgezahlt bekommen, ist inakzeptabel“, sagt Hecht.

Weitgehend im Dunkeln gelassen habe die Kammer-Spitze nachfragende Mitglieder auch zu den Bau- und künftigen Betriebskosten des umstrittenen IHK-Sitzes, der jetzt an der Graf-Schack-Allee entsteht. „Wir halten das 13-Millionen-Projekt für zu teuer und angesichts vieler leer stehender Immobilien in der Stadt für überflüssig“, so Hecht. An so weitreichenden Entscheidungen wie einem Neubau müssten in Zukunft alle rund 23 000 IHK-Mitglieder beteiligt werden.

Um Ausgaben zu senken, solle sich die Kammer ab sofort auf ihre gesetzlichen Aufgaben als öffentlich-rechtliche Institution beschränken, so Hecht. Veranstaltungen etwa dürften nur stattfinden, wenn bei Firmen auch Bedarf bestehe. Hecht: „Die IHK darf schließlich nicht nur dem Selbstzweck dienen.“

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