Krimineller Alltag

Wegen Drogenhandels und Waffenbesitzes wurden drei Polen am Wochenende auf der A11 festgenommen – Alltag in Grenznähe. Dennoch: Die Straftaten haben seit der Öffnung nicht zugenommen.

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01. April 2008, 07:28 Uhr

Pasewalk/Zittau - Die drei Polen hatten am Sonntag die polnische Landesgrenze gerade hinter sich gelassen, als sie auf der A 11 Richtung Berlin in eine Kontrolle der Bundespolizei gerieten. Die fand 16 Folientütchen gefüllt mit Amphetaminen und Opiaten sowie eine geladene Gaspistole, versteckt unter der Rückbank. Die drei wurden festgenommen.

Kurz zuvor gingen den Beamten sechs andere Polen ins Netz, die in ihrem Kleintransporter 28 komplett bereifte Aluminiumräder im Wert von 15 000 Euro geladen hatte. „Solche Fälle gehören zu unserem Alltag, einen sprunghaften Anstieg der Kriminalität seit Grenzöffnung können wir dennoch nicht verzeichnen“, sagt Rüdiger Behrens, stellvertretender Inspektionsleiter der Bundespolizei in Pasewalk.
Das belegen auch die offiziellen Zahlen, die das Landeskriminalamt (LKA) vor einer Woche herausgegeben hat. Im Bereich der grenznahen Polizeidirektion Anklam sind von Dezember bis Januar im Vergleich zum Vorjahr die Straftaten um über ein Drittel von 1684 auf 1082 Fälle zurückgegangen. LKA-Chef Ingmar Weitemeier hat für das positive Ergebnis folgende Erklärung: die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Polizeistationen dies- und jenseits der Landesgrenze. Das bestätigt Bundespolizist Behrens: „Wir geben die Informationen sofort an unsere polnischen Kollegen weiter. Erst neulich haben wir einen festgenommen, der auf der anderen Seite gesucht wurde.“

Auch die Flutwelle an illegalen Einwanderern, die von vielen Kritikern im Vorfeld befürchtet wurde, kam nicht über Europa gerollt. Zwar sei die Zahl der sogenannten Taxischleusungen in den ersten Tagen der Grenzöffnung, im Dezember des vergangenen Jahres, sprunghaft angestiegen, berichtet Behrens, „mittlerweile sind die wieder auf ein normales Niveau zurückgefallen.“
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble unterstrich dies mit gestern vorgelegten Zahlen: Seit 21. Dezember 2007 wurden in Deutschland insgesamt 1128 Ausländer bei dem Versuch der unerlaubten Einreise aufgespürt. Davon seien bereits 713 wieder zurückgeschoben.

Rüdiger Behrens: „Der größte Anteil der bei uns aufgegriffenen Menschen sind Russen aus der Region Tschetschenien, aber auch Türken und Iraker seien darunter. Die Meisten wollen gar nicht in Deutschland bleiben, sondern nutzen es nur als Transitland auf dem Weg nach England, Spanien, Portugal oder Skandinavien.“

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