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Schwerin: Teilprivatisierung gescheitert

: Krematorium kämpft ums Überleben

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Das Krematorium der Landeshauptstadt arbeitet kostendeckend, allerdings drücken Zinsen und Tilgung laufender Kredite die Bilanz ins Minus. Nun kämpft das Krematorium um seine Existenz.

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2011 | 12:45 Uhr

Das Krematorium der Landeshauptstadt arbeitet kostendeckend, allerdings drücken Zinsen und Tilgung laufender Kredite die Bilanz ins Minus. Im Jahr 1996 war der kommunale Betrieb für fünf Millionen D-Mark errichtet worden, ein Kredit der erst im Jahr 2030 abgetragen sein wird. Schon heute kämpft das im bundesweiten Vergleich kleine Krematorium um seine Existenz. Seine zwei Öfen sind nur zur Hälfte ausgelastet: Etwa 1500 Einäscherungen finden dort pro Jahr statt.

"Zu wenig um unsere Schulden abzutragen", sagt Regina Saß, Abteilungsleiterin für Friedhof und Bestattung. Möglich sind 3000 Einäscherungen und mehr. Nur durch Umschichtung innerhalb des kommunalen Eigenbetriebes Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin (SDS) rutscht das Krematorium nicht in die roten Zahlen ab.

Um den Betrieb wirtschaftlicher zu machen, ist das Krematorium jetzt aus der Friedhofsverordnung herausgefallen. Ein Beschluss der Stadtvertreter machte das möglich. Dadurch muss sich der Betrieb nicht mehr an die festgeschriebene Gebührensatzung halten und kann seine Preise flexibler gestalten. Eine Einäscherung kostet in Schwerin zurzeit knapp 300 Euro. 25 Bestatter gehören zum festen Kundenkreis der Schweriner. Es sollen mehr werden. Bei Verhandlungen mit Bestattungsunternehmen können Saß und Werksleiterin Ilka Wilczek jetzt an der Preisschraube drehen. Sass verspricht sich dadurch bessere Chancen auf dem Markt, denn die Konkurrenz ruht nicht - vor allem entlang der Landesgrenzen zu Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg. Dort stehen private Krematorien. "Die hatten früher kürzere Wartezeiten, aber mittlerweile dauert eine Einäscherung bei uns auch nur drei Tage", sagt Wilczek. In den 90er-Jahren waren es in einigen kommunalen Krematorien bis zu vier Wochen. Doch Anfang des neuen Jahrtausends gerieten diese unter Druck: In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg wurde die Gesetzgebung geändert und privaten Unternehmen der Einstieg ins Feuerbestattungs-Geschäft ermöglicht. Diese lockten mit niedrigen Preisen und kurzen Wartezeiten. Auf die neue Konkurrenz konnten kommunale Krematorien durch ihre Bindungen an Satzungen und Kommunen kaum reagieren. Sie gerieten ins Abseits.

In Mecklenburg-Vorpommern haben alle kommunalen Krematorien in Neubrandenburg, Rostock und Greifswald ihre Hoheitsrechte behalten. Allerdings leiden vor allem die Schweriner Feuerbestatter unter Konkurrenz jenseits der Landesgrenze. Hinzu kommt: "Wir haben kaum Luft nach oben", sagt Sass. Ihren Angaben nach lassen sich bereits 90 Prozent aller Schweriner feuerbestatten. In den alten Bundesländern seien zum Teil nur 40 Prozent aller Bestattungen Einäscherungen, sagt Sass. "Ein Markt mit mehr Potenzial."

Sollte das Schweriner Krematorium den Existenzkampf verlieren, muss die Landeshauptstadt die Kredite tilgen - und drei Feuerbestatter verlieren ihren Job.

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