Kreis streicht Zuschuss für wichtige Aids-Aufklärung

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10. März 2008, 07:17 Uhr

Güstrow/Rostock - HIV-Positive sind gesellschaftlich stigmatisiert. Sie fürchten um ihren Job und dass sich Freunde distanzieren, wenn ihre Krankheit bekannt wird. Letzte Hoffnung für Erkrankte aus der Region ist oft das Aids Centrum Rostock – die einzige Anlaufstelle auch für HIV-Infizierte aus dem Landkreis Güstrow. Doch der Kreis hat dem Zentrum jetzt den Zuschuss gestrichen.

„Wir haben vom Landkreis Güstrow zwar jährlich nur 100 Euro bekommen, aber auch dieses Geld benötigen wir dringend“, sagt Marianne Harder, eine von nur zwei Sozialarbeitern im Aids Centrum Rostock. Doch auch dieser geringe Zuschuss ist jetzt den Sparzwängen in der Kreisverwaltung zum Opfer gefallen. Dabei hat das Aids Centrum allein vergangenes Jahr mit 14 Veranstaltungen an Schulen im Landkreis Präventionsarbeit geleistet und damit knapp 300 Schüler erreicht. Zudem kommen sechs der zurzeit 35 vom Aids Centrum in Rostock betreuten HIV-Infizierten aus dem Landkreis Güstrow.

Im Landkreis selbst gibt es keine Anlaufstelle, bei der HIV-Positive oder an Aids Erkrankte Hilfe, Beratung und Zuspruch bekommen. „Die Güstrower sind aber froh, dass sie nach Rostock kommen können, auch weil sie in ihrem unmittelbaren Umfeld nicht erkannt werden wollen“, erklärt Marianne Harder. Noch immer ist Aids ein Tabuthema, die Angst der Infizierten, sich öffentlich zu ihrer Krankheit zu bekennen, groß. „Denn dann ist ihr bisheriges Leben vorbei“, so die Sozialarbeiterin. „Mit dem Bekanntwerden der Infektion geht die Diskriminierung los.“ Oftmals folge die Kündigung und Freunde würden sich distanzieren. Einsamkeit und Frust seien die Folge. „Hier im Aids Centrum können wir die Betroffenen auffangen“, sagt Marianne Harder.

Die HIV-Erstdiagnosen sind auf einem neuen Höchststand. Nach aktuellen Zahlen des Robert Koch-Institutes gab es 2007 in Deutschland 2752 HIV-Erstdiagnosen (2006: 2643), in M-V 31 (29) und in Rostock zwölf (fünf). Damit leben in M-V etwa 290 Menschen mit HIV und Aids, in Rostock sowie den Kreisen Güstrow und Bad Doberan etwa 60. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Die Ursachen dieses deutlichen Anstiegs liegen nicht nur im riskanteren Verhalten, sondern auch in der höheren Testbereitschaft der Bevölkerung, informiert Marianne Harder.

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