Krank ohne Arzt

Mehr medizinische Betreuung, wie hier bei einer Untersuchung durch einern  Magnetresonanztomographen, wird im nächsten Jahrzehnt notwenig sein. Foto: dpa
Mehr medizinische Betreuung, wie hier bei einer Untersuchung durch einern Magnetresonanztomographen, wird im nächsten Jahrzehnt notwenig sein. Foto: dpa

Führende Experten schlagen Alarm: Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung wird sich die Zahl der Demenzkranken in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020 verdoppeln. Andere altersbedingte Krankheiten nehmen ebenfalls dramatisch zu. Doch die Zahl der Mediziner sinkt.

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17. Juli 2008, 07:56 Uhr

Greifswald - Eine Studie, die gestern von Medizinern und Bevölkerungsforschern der Universitäten Greifswald und Rostock vorgelegt wurde, sorgt für Aufsehen und Besorgnis. Nach Angaben von Demographen wird das Durchschnittsalter der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern von derzeit 43,23 Jahren bis 2020 auf 48,98 Jahre steigen. Die Zahl altersbedingter Krankeiten wachse dadurch enorm, heißt es in der Studie.

Beispiel Herzinfarkt: Laut Prognose der Wissenschaftler nimmt die Zahl der nicht tödlich verlaufenden Infarkte bis 2020 trotz sinkender Bevölkerungszahl im Vergelich zu 2005 um 11580 (28,3 Prozent) zu. Bei Diabetes gehen die Experten für den gleichen Zeitraum von 25200 Erkrankungen (21,4 Prozent) mehr aus. Bei Demenz werden sich die Fallzahlen mit einer Steigerung von 91,1 Prozent auf 17550 Krankheitsfälle sogar nahezu verdoppeln.

Gleichzeitig scheiden aber 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte bis 2020 altersbedingt aus. „Es wird uns angesichts des sich abzeichnenden Ärztemangels nicht gelingen, diese Kollegen zu ersetzen,“ sagte der Leiter des Greifswalder Instituts für Community Medicine, Wolfgang Hoffmann in Greifswald.
Nach Ansicht der Wissenschaftler ist das Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern auf die steigende Zahl älterer Menschen und auf die damit verbundene Zunahme altersbedingter Krankheiten bislang noch unzureichend vorbereitet.

So würde die derzeitige Berechnung der benötigten Krankenhausbetten lediglich auf dem zu erwartenden Bevölkerungsrückgang beruhen, aber nicht berücksichtigen, dass der Anteil der Älteren steige und ältere Patienten häufiger und länger krank seien. Die Wissenschaftler mahnten dagegen einen um 18 Prozent steigenden Bedarf und 1500 zusätzliche Betten an. Der Bedarf würde vor allem in den Fachabteilungen Innere Medizin, Allgemeinchirugie und Neurologie wachsen.

Beim Umdenken in der medizinischen Bedarfsplanung könne Mecklenburg-Vorpommern deutschlandweit Vorreiter sein, meinten die Experten. Denn die Engpässe werden nach Einschätzungen der Wissenschaftler mit zeitlichen Verzögerungen auch die anderen Bundesländer erfassen. Nach Berechnungen des Rostocker Zentrums zur Erforschung des demografischen Wandels hat Mecklenburg-Vorpommern bereits 2025 einen Anteil von mehr als 30 Prozent an 65-Jährigen. Im Bundesdurchschnitt wird dieser Anteil 2050 erreicht.

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