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Im Landkreis Ludwigslust brüten etwa 160 Paare : Kranichzug läutet Frühling ein

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Ihre grellen, zuweilen klagenden Schreie sind weit zu hören, ehe man die scheuen Glücksvögel zu Gesicht bekommt. Obwohl sie mit Vorliebe auf den großen Freiflächen der Äcker nach Nahrung suchen.

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erstellt am 13.Apr.2011 | 01:56 Uhr

Ihre grellen, zuweilen klagenden Schreie sind weit im Voraus zu hören, ehe man die scheuen Glücksvögel zu Gesicht bekommt. Obwohl sie mit Vorliebe auf den großen Freiflächen der Äcker nach Nahrung suchen, mögen sie es gar nicht, wenn ihnen Menschen und andere, sowohl vermeintliche als auch echte Feinde, zu nahe kommen. Trotzdem sind sie derzeit immer öfter links und rechts der Straßen anzutreffen. Wenn die Zugvögel im Frühjahr zu ihren Brutrevieren im Norden Deutschland überqueren, finden sie hier abgeerntete Stoppelfelder sowie Winter- und Frühjahrssaaten vor. Mit ihren Schnäbeln picken sie dort nach Sämereien, jungen Trieben, Wurzeln und dem ein oder anderen Regenwurm. Besonders Maiskörner liefern den Nomaden der Lüfte wertvolle Energie zum Weiterflug. Früher wurden sie deswegen von den Großflächen der volkseigenen Güter verjagt.

Der technische Fortschritt bei der Feldarbeit hinterließ immer weniger Kornverluste als Kranichfutter auf den Schlägen. Ende der 1990er Jahre war die Kranichpopulation bedrohlich geschrumpft. Dies betraf auch jene Kraniche, die zum Brüten den Sommer über in Deutschland geblieben waren. Schutzmaßnahmen, wie etwa Ablenkungsfütterungen zur Vermeidung von Fraßschäden an den Neuansaaten der Landwirte, kamen gerade noch zur rechten Zeit.

Kraniche zwischen 1970 und 1990 stark bedroht

"Inzwischen brüten wieder 7344 Kranichpaare in Deutschland - fast 50 Prozent davon in Mecklenburg-Vorpommern. Im Landkreis Ludwigslust leben etwa 160 Paare, im Landkreis Parchim sind es 370 Paare", berichtet Wolfgang Pflugradt. Der 67-Jährige ist seit 17 Jahren Kranichbeauftragter für den Landkreis Ludwigslust. Dank intensiver Schutzmaßnahmen habe sich der Bestand der Tiere sehr gut erholt, erzählt der Bauerkuhler weiter. Dann schwärmt der Ornithologe vom Landkreis als Rastgebiet für diese anmutigen Großvögel. "Anfang März habe ich 71 Exemplare gezählt, am 12. März waren es schon etwa 8500 Tiere, derzeit halten sich rund 300 Vögel auf."

Durch die Klimaverschiebung, weiß Pflugradt, überwinterten immer häufiger Kraniche auch in Deutschland und Frankreich. Um Paris würden in den Wintern seit kurzem regelmäßig etwa 70 000 Tiere gezählt. Zerstörte Lebensräume führten vor Jahren zum Rückgang des grazilen Vogels. Jede Drainage und jedes trocken gelegte Feuchtgebiet bedeutet für den Kranich verlorenes Brutgebiet und zerstörter Lebensraum. Wiedervernässte Moore und ausgewiesene Schutzgebiete helfen jedoch, die Population zu stabilisieren.

"Die Bestände haben so stark zugenommen, dass die Kraniche heutzutage Brutplätze annehmen, die sie früher nicht beachtet hätten. Der Brutdruck wird jährlich größer", erklärt der Fachmann, der jedoch ausschließt, dass der Kranich, ähnlich wie die Graugans, mal zum Problemvogel für die Landwirtschaft werden könnte. "Das Nahebringen einer so interessanten und schönen Tierart wie der Kranich ist eine diffizile Aufgabe, wobei immer zwischen den Interessen von Tier und Mensch abgewogen werden muss, im Zweifel für die Bedürfnisse der Vögel."

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