Kraftwerke sorgen für Kreideboom

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20. Mai 2008, 06:44 Uhr

Stralsund/Klementelvitz - Rügener Kreide wird als industrieller Rohstoff immer gefragter. Im Vorjahr baute die Vereinigte Kreidewerke Dammann KG die Rekordmenge von rund 354 000 Tonnen ab – 50 000 Tonnen mehr als 2006, wie Bergamtsleiter Martin Froben sagte. Nach Angaben des Stralsunder Amtes hat es derartige Abbaumengen in der Geschichte des Kreideabbaus auf der Insel, die bis ins Jahr 1720 zurückreicht, noch nicht gegeben.

Die Abbaumengen, die sich bis 2004 auf gleichbleibendem Niveau von rund 200 000 Tonnen pro Jahr bewegten, nahmen vor drei Jahren nach einem Auftrag des Energiekonzerns Vattenfall deutlich zu. Der setzt die Kreide in seinem Kraftwerk Jänschwalde (Brandenburg) für die Rauchgasentschwefelung ein. Damit werden die Schadstoffemissionen bei der Verbrennung von Braunkohle verringert. Den dabei entstehenden Gips nimmt die Bauindustrie ab.

Auch der dänische Energiekonzern Dong Energy, der bis 2012 in Lubmin das umstrittene Steinkohlekraftwerk errichten will, hält den Einsatz von Rügener Kreide für die Rauchgasentschwefelung für möglich. „Es gibt Untersuchungen, die die Kreide von Rügen für das geplante Kraftwerk in Lubmin geeignet erscheinen lassen“, sagte Dong-Sprecher Michael Deutschbein. In seinen dänischen Kohlekraftwerken setze Dong Energy bereits dänische und schwedische Kreide für die Entschwefelung ein. Ob in Lubmin Rügener Kreide oder Kalke aus anderen Abbaugebieten zum Einsatz kommen werden, sei letztendlich eine Frage der Kosten und der Qualität, sagte Deutschbein.

Die Vereinigten Kreidewerke Dammann KG mit Hauptsitz in Söhlde (Niedersachsen) wollen sich zu ihren geschäftlichen Aktivitäten nicht äußern. „Wir sprechen nicht mit der Presse“, hielt sich Geschäftsführer Klaus Jäkel bedeckt. Bekannt ist, dass das Unternehmen mit rund 40 Arbeitsplätzen im Rügener Kreidewerk Klementelvitz eine weitere, 260 Hektar große Lagerstätte auf Rügen für den Kreidebabbau erschließen will. Naturschutzverbände wie der Nabu sind strikt dagegen. „Dieses Vorhaben kommt einem Raubbau an der Insel gleich“, sagte Rügens Nabu-Chefin Marlies Preller.

Das Planfeststellungsverfahren für die geplante Lagerstätte „Am Goldberg“ soll vermutlich noch 2008 abgeschlossen werden, wie Bergamtschef Froben sagte. Bei einer Abbaumenge von 400 000 Tonnen pro Jahr reichen die Kreidevorkommen auf Rügen nach Schätzungen noch die nächsten 100 Jahre.

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