Ponitz: Protest gegen Hochspannungsleitung : Kräftemessen mit dem Stromriesen

<strong>Die Protestler hoffen</strong> auf eine  Lösung und ein Entgegenkommen der Stromkonzerne.
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Die Protestler hoffen auf eine Lösung und ein Entgegenkommen der Stromkonzerne.

Mitstreiter der Bürgerinitiative "Hochspannung tief legen" und Sympathisanten hatten sich bei dichtem Schneetreiben am Sonntag bei Ponitz unter einer Hochspannungsleitung versammelt.

svz.de von
07. Dezember 2010, 11:40 Uhr

Hier wollte die Bürgerinitiative nachweisen, welch eine hohe Strahlung von einer Hochspannungsleitung ausgehe.

Dazu reckten in der Dunkelheit Demonstranten Leuchtstoffröhren der 380-kV-Leitung entgegen. Und plötzlich begannen diese, zumindest teilweise, zu leuchten. Ohne Stromkabel und Batterie - nur durch die Strahlung der Leitung wurde das Gas in den Röhren zum Leuchten gebracht, erklärte Rainer Schneewolf von der Bürgerinitiative. Aus seiner Sicht ein ausreichender Beweis für eine Gefährdung.

Produzierte Energiemenge steigt

"Die Prignitz produziert mehr Strom, etwa doppelt so viel, wie in der Region verbraucht wird. Das ist gut. Wir

haben mit erneuerbaren Energien keine Probleme und auch nicht damit, dass Strom abgeleitet wird. Aber bitte nicht über eine Hochspannungsleitung, durch die Menschen in der Region noch mehr belastet werden", sagte Schneewolf.

Nach seinen Aussagen gehe der Energieversorger Eon.Edis davon aus, dass in den nächsten Jahren noch einmal doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird wie bisher. Eine Ableitung ist also unumgänglich. "Doch die Landschaft wird durch Leitungen verbraucht, Grundstücke verlieren an Wert und die Lebensqualität der Prignitzer sinkt weiter", macht Schneewolf deutlich.

Deshalb fordert die Bürgerinitiative, die Hochspannungsleitung unter die Erde zu verlegen und zwar auf den gesamten 60 Kilometern zwischen Perleberg, Wittstock und Gantikow. Vor allem die Strahlung der Leitung sei ungesund, so Schneewolf.

Dass die Forderung der Bürger berechtigt, aber nicht leicht umsetzbar sei, räumte der Prignitzer Landtagsabgeordnete der Linken, Thomas Domres, ein. Er verstehe das Anliegen und habe im Landtag auch darauf hingewiesen. Aber beim Leitungsbau richte man sich nach Bundesgesetzen. "Das Land kann sich hier einmischen, wir werden uns positionieren", sagte er.

Im Januar gebe es Beratungen im Landtag. "Wir können aber nur beim Bund um Unterstützung bitten, dennoch haben die Stromversorger das Recht, die Leitungen so zu bauen, wie sie wollen und sie werden sicher die kostengünstigere Variante wählen", so Domres.

Während in Skandinavien alle Stromleitungen unter die Erde kommen, überlasse man in Deutschland das Feld wieder einmal den Lobbyisten. "Wir haben nur eine Chance, wenn wir die Idee eines Erdkabels im Einvernehmen zwischen Energieversorger, Bundes- und Landesregierung hinbekommen", fasste Rainer Schneewolf zusammen. Wie die Chancen dafür stehen, könne er derzeit nicht einschätzen. Aber immerhin würden Kommunen und der Prignitzer Kreistag die Forderung der Bürgerinitiative unterstützen.

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