Kostenexplosion am Rügenzubringer - B96 wird teurer, verzögert sich

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28. Juli 2008, 07:07 Uhr

Schwerin - Erst sollte er mit der Fertigstellung der A 20 schon 2005 für freie Fahrt auf Deutschlands größte Insel sorgen. Dann visierte die bundeseigene Planungsgesellschaft Deges mit jahrelangem Verzug wenigsten für 2008 den Baubeginn an. Nun droht der Ausbau des Rügenzubringers von Altefähr bis zur Kreistadt Bergen sich um weitere Jahre zu verschieben – und das auch noch zu bedeutend höheren Kosten.

Nach jetzt bekannt gewordenen Plänen rechnen die Straßenbauer nun für das letzte 20 Kilometer lange Teilstück des Rügenzubringers mit Baukosten von insgesamt 80 Millionen Euro – elf Millionen Euro mehr, als im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Neue naturschutzrechtliche Bestimmungen der EU hätten Umplanungen notwendig gemacht und die Kosten enorm in die Höhe getrieben, sagte Ulrich Vetter, Sprecher des Verkehrsministerium in Schwerin.

So hätten die Planungen etwa rund um Rambin verändert, eine neue Brücke konzipiert und eine zwar kürzere aber teurere Streckenführung festgelegt werden müssen. Trotz der Kostenexplosion hält das Land aber an dem Projekt fest: „Die B96 bis Bergen wird gebaut“, sicherte Vetter zu. „Die Finanzierung ist gesichert.“

Noch ist der Baubeginn aber in weite Ferne gerückt. Der für dieses Jahr geplante Start ist bereits zu den Akten gelegt. Die vom Land erfolgte Nachmeldung von Vogelschutzgebieten habe die Planungen verzögert, teilte die Deges mit. Bis zum Jahresende werde mit dem Planfeststellungsbeschluss gerechnet, kündigte das Verkehrsministerium in Schwerin an. Nach „optimistischen“ Schätzungen könnten frühestens im zweiten Halbjahr 2009 die Bagger anrollen, erklärte Deges-Fachmann Volker Kock. Allerdings nur, wenn gegen die Planungen keine Klage eingereicht werde. Doch der Baustart im kommenden Jahr wackelt längst, da Umwelt- und Naturschutzverbände mit dem Gang vor Gericht drohen.

So stößt die Trassenführung bei BUND und Nabu auf Kritik: Sie fordern alternative Konzepte. Mit dem Vorschlag von BUND und Nabu, der den moderaten Ausbau der jetzigen Straße und eine Umgehung für die Ortschaft Rambin vorsieht, ließen sich eigenen Angaben zufolge die Hälfte der jetzt veranschlagten Kosten sparen – 40 Millionen Euro weniger.

„Diese Alternative wäre auch mit dem Europäischen Vogelschutz vereinbar, weil die Eingriffe deutlich geringer wären“, sagte BUND-Landesgeschäftsfüherin Corinna Cwielag. Nach geltendem EU-Recht müssten gerade auch in Vogelschutzgebieten Alternativen geprüft werden, forderte sie vom Land. Notfalls würden die Verbände die Forderung auch auf dem Klageweg durchsetzen.

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