Kornspeicher nicht zu retten?

Für den Erhalt des historischen Kornspeichers machten sich viele Schweriner stark. Fotos: Kewitz
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Für den Erhalt des historischen Kornspeichers machten sich viele Schweriner stark. Fotos: Kewitz

Ein Holz-Gutachten droht dem Kornspeicher auf den Marienhöfen den Garaus zu machen. Braunfäule, Schimmelpilze, Nagekäfer und aggressive Holzschutzmittel haben beträchtliche Spuren hinterlassen. „Von einem Wiederaufbau müssen wir uns wohl verabschieden“, sagt Prof. Sabine Bock, die monatelang für den Erhalt des historischen Gebäudes gekämpft hatte.

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10. September 2008, 11:41 Uhr

Altstadt - „Unsere Bemühungen haben ein tragisches Ende gefunden“, sagte Prof. Dr. Sabine Bock gestern, nachdem sie das Gutachten studiert hatte, das ihr Marienplatz-Investor Joachim Tenkhoff zur Verfügung gestellt hatte. Einen Wiederaufbau hält die Sprecherin der Bürgerinitiative Marienplatz, die mehr als 2000 Unterschriften sammelte, jetzt nicht mehr für sinnvoll.

Prof. Sabine Bock weiß, worüber sie spricht: Sie ist eine deutschlandweit bekannte Architekturhistorikerin, Denkmalpflegerin und Hochschullehrerin. Seit dem Sommer machte sich die Wahl-Schwerinerin stark für den Erhalt des um 1850 errichteten Kornspeichers auf den Marienhöfen, nachdem Bauminister Otto Ebnet eine Abrissgenehmigung erteilt hatte. An dieser Stelle soll eine siebenstöckige Einkaufsmeile aus dem Boden wachsen.

Nach einem persönlichen Gespräch zwischen Joachim Tenkhoff und der Bürgerinitiative schien eine einvernehmliche Lösung in Sicht: Der Speicher sollte abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Die Stadt Wolgast bekundete Interesse, zog ihr Angebot vor wenigen Tagen aber zurück. Engagierte Bürger und OB Wolfram Friedersdorff machten sich auf die Suche nach einem passenden Standort in Schwerin.

Vergebene Liebesmüh?
Prof. Sabine Bock bezieht Position: „Wir haben ein ziemlich klares Ergebnis, das uns auch ein eigener Gutachter bestätigt hat: Der alte Kornspeicher scheint hochgradig vergiftet zu sein durch Holzschutzmittel, die zu DDR-Zeiten eingesetzt wurden. Das schließt alle künftigen Nutzungen nahezu aus.“ Sie selbst habe leidige Erfahrungen mit den Giften gesammelt. „Die verflüchtigen sich nicht. Man muss das betroffene Holz in großen Teilen abschlagen“, so Bock. „Besser wäre aus meiner Sicht, die handgestrichenen Ziegelsteine als Baumaterial zu retten, den Speicher zu dokumentieren und dann würdig zu beerdigen.“

Laut Gutachten ist eine Umsetzung trotz Fraß- und Moderspuren aber grundsätzlich machbar – mit gut 50 Prozent Neumaterial. Auch eine längere Lagerung des alten Kiefernholzes sei nicht anzuraten, da sich die Balken sonst verziehen.

Joachim Tenkhoff: „Wir haben einen sechsstelligen Betrag für Abbau und Transport des Speichers eingeplant. Dieses Geld würden wir lieber in die Umgestaltung des Marienplatzes stecken.“

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