Kontrolleur Herbert Stenzel passt auf, dass da, wo öko drauf ist, auch öko drin ist

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31. August 2008, 09:23 Uhr

Plau-Quetzin/Karow - Wenn Kontrolleur Herbert Stenzel vorbeischaut, meldet er sich in der Regel vorher an. Auch Hobby-Landwirt Robert Hoffmann in Plau-Quetzin weiß Bescheid. „Der Hoffmannsche Betrieb gehört zu den am besten kontrollierten, schließlich fahre ich hier jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbei“, sagt Herbert Stenzel.

Wenn da verbotener Dünger mit Stickstoffanteil – in der ökologischen Landwirtschaft ein Tabu – raufgebracht würde, müsste das schon nachts geschehen. Und selbst dann würde er es anhand der Korngröße und Pflanzenfarbe sehen, dass etwas nicht stimmt. „Gedüngte Felder sind viel grüner als ungedüngte.“

Nachbarn sind die besten Kontrolleure
Mit vier Hektar Land, vier Kühen, einem Kalb und zwei Ponys gehört der Betrieb in Plau-Quetzin zu den kleinen der insgesamt 1265, die der Fachverein ÖkoKontrolle mit Sitz in Karow in der gesamten Bundesrepublik betreut. Darunter seien welche mit einer Fläche von 0,5 und welche mit 4500 Hektar, mit einem bis zu 500 Mitarbeitern, sagt Jens Freitag, Leiter der Kontrollstelle. „Die Minderheit hat etwas zu verstecken, 95 Prozent der Betriebe arbeitet sauber“, weiß er aus 15-jähriger Erfahrung.

Einen großen Betrugsfall deckte die Kontrollstelle im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein auf. Herbert Stenzel war dabei. Da hatte die Besitzerin einer Eierfarm mit Ökosiegel konventionelle Eier hinzugekauft und diese als öko deklariert. Der Ex-mann hatte die Frau angezeigt. „Bei mutwilliger Täuschung des Verbrauchers versteht der Gesetzgeber keinen Spaß. Das geht bis vor den Staatsanwalt und endet mit einer Gefängnisstrafe“, weiß der Kontrolleur.

Früher oder später würden alle erwischt, da sei er sich sicher. „Die besten Kontrolleure sind sowieso die Nachbarn.“ Die riefen in der Kontrollstelle an, geben an, dass der Landwirt zum Düngen rausgefahren sei. Herbert Stenzel samt Kollegen gehen diesen Hinweisen dann nach.

Dabei sei eine Düngung grundsätzlich gar nicht verboten, sondern müsse nur genehmigt werden, so Stenzel. Eine Bodenprobe müsse dafür vorliegen, die nachweist, dass bestimmte Nährstoffe und Spurenelemente fehlen. „50 Prozent der Arbeit findet am Schreibtisch, 50 Prozent auf dem Feld statt.“

Ein vergessener Antrag könne da schon mal die Arbeit von 365 Tagen futsch machen. Manch ein Landwirt könne dann nicht einmal die Bank bedienen. Dennoch stellen mehr und mehr Landwirte auf Ökoanbau um.

Auch wegen der finanziellen Anreize. Zum einen, um die Betriebsausgaben zu senken, schließlich werden Düngemittel immer teurer, zum anderen erzielen Ökoprodukte den doppelten Preis auf dem Markt gegenüber herkömmlichen.

Mehr und mehr Gaststätten bieten Ökogerichte an
„Zehn Prozent der Landwirtschaftsfläche in Mecklenburg-Vorpommern wird bereits ökologisch betreiben“, informiert Jens Freitag. Auch mehr und mehr verarbeitende Industrie – Schlachthöfe, Molkereien, Bäcker entschieden sich dafür. Ebenso nehme die Zahl der Gaststätten, die ein Essen aus Produkten mit Ökosiegel herstellten zu.

Hobbylandwirt Robert Hoffmann geht es um den Gesundheitsaspekt. „Viele Zivilisationskrankheiten stammen von weißem Auszugsmehl und zu viel Zucker in der Ernährung“, ist er überzeugt. Seinen Buchweizen nutzt er vor allem für den Eigenbedarf: „Ich sorge für das Korn, meine Frau bäckt des Brot.“

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