Berlin: Sachverständigenrat fordert weitere Anhebung : Kommt Rente erst mit 69?

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"Deutschland sei durch die Rente mit 67 bereits auf einem guten Pfad", so Kanzlerin Merkel. Allerdings gaben die "Fünf Weisen" auch Merkel eine explosive Forderung mit auf den Weg.

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19. Mai 2011, 08:20 Uhr

Die Kanzlerin redete Klartext, am Dienstag Abend, beim Frühlingsfest der CDU Hochsauerland in Meschede: "Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass sich alle ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig." Merkels Attacke auf Euro-Schuldensünder führte gestern zu heftigen Reaktionen der Opposition. Doch die Kanzlerin blieb cool.

Und bei der Entgegennahme eines Sachverständigengutachtens zum demografischen Wandel am Vormittag sagte sie - allgemeiner ausgedrückt - ganz ähnliches: Deutschland sei durch die Rente mit 67 und die Schuldenbremse bereits "auf einem guten Pfad". Andere Länder in Europa müssten sich das erst noch erarbeiten. Allerdings gaben die "Fünf Weisen" auch Merkel eine explosive Forderung mit auf den Weg: Langfristig müsse die Rente mit 69 eingeführt werden.

Die Opposition in Aufregung: Die Kanzlerin schüre "antieuropäische Ressentiments", warf SPD-Chef Sigmar Gabriel ihr wegen der Äußerungen vom Vorabend vor, bei denen sie neben zu kurzen Arbeitszeiten auch zu viel Urlaub moniert hatte. Gabriel hielt dagegen: Nicht Arbeitnehmer und Rentner in Griechenland hätten die Finanzkrise verursacht, sondern Spekulanten und Investmentbanken.

Die Kanzlerin blieb demonstrativ gelassen, ließ Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans den Hintergrund erläutern, den sogenannten "Euro-Plus-Pakt": Beim europäischen Rat im März sei schließlich von den Europäern beschlossen worden, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu verbessern. Und die Anpassung des Rentenalters an die "nationale demografische Situation" gehöre ausdrücklich dazu.

Ist Merkels erhobener Zeigefinger berechtigt? Oder muss sie in Sachen Rente auch selbst noch Hausaufgaben erledigen? Deutschland lag im Jahr 2009 mit einem tatsächlichen Renteneintrittsalter von 62,2 Jahren über dem europäischen Schnitt von 61,4 Jahren. In Portugal gehen die Beschäftigten mit 62,6 Jahren in Rente, in Spanien mit 62,3 Jahren, in Griechenland mit 61,5 Jahren. Dabei gilt in allen genannten Ländern einschließlich Deutschland das gesetzliche Renteneintrittsalter von 65 Jahren. Wer zuvor geht, muss meist deutliche Abschläge hinnehmen. In Deutschland ist die nächste Stufe bereits Gesetz: Die Rente mit 67. Die Regierungsberater rechnen damit, dass die Lebenserwartung aber weiterhin steigt. Deshalb müsse die Lebensarbeitszeit weiter verlängert werden.

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